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Raubtier

Sachsen gibt Problemwolf zum Abschuss frei

Gut 120 ausgewachsene Wölfe leben in Deutschland - bald ist es wohl einer weniger. Nachdem eines der Tiere mehrfach Menschen zu nah kam, hat Sachsen nun einen Jäger beauftragt.

DPA

Wolf ist in seinem Gehege im Wildpark Schorfheide in Brandenburg

Freitag, 20.01.2017   09:32 Uhr

In Sachsen darf erstmals ein Wolf geschossen werden. Der knapp zweijährige Rüde habe sich im Landkreis Görlitz zuletzt auffällig verhalten, gab das Umweltministerium in Dresden bekannt. Das Tier sei in den vergangenen Monaten immer wieder in Siedlungsgebieten aufgetaucht und habe nach Futter gesucht.

Eine erste legale Wolfstötung hatte es im vergangenen Jahr in Niedersachsen gegeben: Der Wolf MT6 hatte sich auffällig verhalten, die natürliche Fluchtdistanz nicht eingehalten und sich wiederholt Menschen genähert.

Prinzipiell sind Wölfe in Deutschland streng geschützt. Ein einzelnes Tier darf nur getötet werden, wenn von ihm entweder eine Gefahr für den Menschen ausgeht oder wenn ein großer wirtschaftlicher Schaden zu erwarten ist.

"Gefahr einer weiteren Eskalation"

"Wegen des auffälligen Verhaltens des Wolfes besteht die Gefahr einer weiteren Eskalation. Die Sicherheit von Menschen hat Vorrang vor dem Artenschutz", hieß es aus dem Ministerium in Sachsen. Das Landratsamt Görlitz erteilte für die offiziell als "Entnahme" bezeichnete Aktion eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung. Mit dem Abschuss wird nun ein Jäger beauftragt.

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Wolf im Wolfcenter in Niedersachsen

Nach Angaben des Ministeriums wurde durch genetische Untersuchungen von gefundenen Haaren die Identität des Wolfes ermittelt. Er stammt aus dem polnischen Ruszow-Rudel, dessen Territorium direkt an Sachsen grenzt.

Durch den DNA-Abgleich konnte zudem nachgewiesen werden, dass es sich um denselben Wolf handelt, der Anfang Juni 2016 dabei beobachtet wurde, wie er von einem Grundstück das Fell eines gerade zerlegten Wildschweins in das angrenzende Waldstück zerrte. Polnische Wissenschaftler informierten darüber, dass der Wolf als Welpe von Menschen gefüttert worden war.

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Raubtier Wolf: Rückkehr in den Süden Deutschlands

Bislang waren in Sachsen bereits zwei verletzte Wölfe eingeschläfert worden. Einen Abschuss gab es aber noch nicht. Er ist per Gesetz geregelt und konkrete Vorgaben sind in einem Managementplan für Wölfe in Sachsen festgeschrieben. Nach Angaben des Kontaktbüros Wölfe in Sachsen gibt es im Freistaat derzeit 15 Wolfsrudel, drei Paare und ein Einzeltier.

Bundesweit gab es im abgelaufenen Monitoring-Jahr 2015/2016 laut Bundesamt für Naturschutz 46 Rudel, 15 Paare und vier sesshafte Einzeltiere. Insgesamt streifen damit rund 120 bis 130 erwachsene Wölfe in Deutschland durch die Landschaft. Das gilt als Erfolg für den Artenschutz, denn lange Zeit gab es in Deutschland gar keine Wölfe.

jme/dpa

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