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Wissenschaft

Theorie zur Streifen-Entstehung

Doch keine Kühlung für Zebras

Seit Jahrzehnten diskutieren Wissenschaftler den Nutzen der Streifen bei Zebras und anderen Tieren. Eine der Theorien: Das gestreifte Fell verschafft den Tieren Abkühlung. Doch das stimmt wohl nicht.

DPA

Zebrafohlen "Ubangi" aus dem Zoo in Dresden

Dienstag, 10.07.2018   11:48 Uhr

Warum haben Tiere wie Tiger, Zebras oder Hörnchen Streifen? Dazu gibt es schon seit Charles Darwin verschiedene Theorien. Für Zebras etwa wurde bereits angenommen, dass das Schwarz-Weiß-Muster als Tarnung dienen könnte. Zudem würde es Räubern erschweren, sich beim Angriff auf eine Zebraherde auf nur ein einzelnes Tier konzentrieren zu können. Durch die Fellzeichnung verschwimmen sie zu einer Masse, einzelne Zebras lassen sich schwerer erkennen, so die Annahme. Doch einige Forscher halten diese Theorie für widerlegt.

Und auch eine weitere, die das Muster erklären wollte, konnte nun von Forscher als wenig schlüssig entlarvt werden: die Thermoregulierung. Nach dieser soll das Fellmuster einen kühlenden Effekt haben. Die dunklen Bereiche des Fells heizen sich stärker auf als die hellen. Treffe warme Luft über schwarzem Fell auf kühlere Luft über weißem Fell, entstünden kleine, kühlende Luftwirbel, so die These.

Doch Forscher um Susanne Akesson von der Universität Lund in Schweden glauben nicht an die Idee, schreiben sie im Fachblatt "Scientific Reports". Sie hatten mit Tierhäuten von Rindern, Pferden und Zebras experimentell geprüft, welche Wirkungen Farbe und Muster auf die Temperatur haben und ob sich dabei ein kühlender Effekt nachweisen lasse.

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Tiermuster: Gestreift, gepunktet, marmoriert

Dafür füllten die Forscher große Metallfässer mit Wasser und überzogen sie mit verschiedenen Fellen. Die Häute waren schwarz, weiß, schwarz-weiß gestreift oder grau. Die Fässer stellten die Wissenschaftler über mehrere Tage in die pralle Sonne in Ungarn und maßen die Temperatur im Inneren. Zudem registrierte eine spezielle Kamera die Wärmeverteilung auf der Oberfläche der Fässer.

Streifen als Insektenschutz

Ergebnis: Das Wasser in den mit schwarzem Rinderfell überzogenen Fässern wurde am heißesten, die Fässer mit weißem Rinderfell blieben am kühlsten. Die Wassertemperatur in den Zebra-Fässern lag zwischen den Fässern mit grauem Rinder- und grauem Pferdefell. Ein Effekt durch kühlende Luftwirbel sei nicht festzustellen, hieß es.

DPA

Testgelände: Mit verschiedenen Fellen überzogene Metallfässer mit Wasser stehen auf einem Acker

Die Forscher schreiben von 18 Theorien, die es zur Entstehung der Fellstreifen bei Zebras gebe. Zu den bekanntesten zählte neben der Tarnung und der Kühlung auch die, dass die Streifen als Insektenschutz dienen, weil etwa blutsaugende Bremsen das Muster eher meiden.

Auch diese Theorie wurde von Akesson bereits untersucht. In einer Studie aus 2012 hatte sie unterschiedliche Fellmuster miteinander verglichen, darunter schwarze, graue, weiße und gestreifte. Tatsächlich lockte die Optik, die dem Zebrafell am ähnlichsten war, die wenigsten Insekten an. "Wir folgern, dass die Tiere ein Fellmuster entwickelt haben, bei dem die Streifen so schmal sind, dass sie eine minimale Attraktivität für Bremsen haben", schrieb das Team damals.

Die in Afrika lebenden Zebras sind in freier Wildbahn vielen Bremsen ausgesetzt. Demnach könnte es ein evolutionärer Vorteil sein, wenn sie die blutsaugenden Insekten durch ihr Fellmuster weniger anziehen. Allerdings könnten auch noch andere Faktoren eine Rolle spielen, hieß es.

joe/dpa

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