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Wissenschaft

Klimawandel und Luftverkehr

Wenn es zu heiß wird zum Starten

Flugzeuge tragen eine Mitschuld am menschgemachten Klimawandel - aber es gibt auch einen umgekehrten Zusammenhang: Steigen die Temperaturen, bekommen die Jets Probleme beim Start.

AP
Donnerstag, 13.07.2017   11:52 Uhr

Manchmal, so scheint es, ist die Realität einfach schneller als die Wissenschaft. Da gibt es diese Geschichte vom "Sky Harbor"-Flughafen der US-Großstadt Phoenix (US-Bundesstaat Arizona). Dort musste die Fluggesellschaft American Airlines Ende Juni mehr als 40 Flüge streichen - weil kleinere Canadair Regional Jets bei Temperaturen von fast 50 Grad nicht mehr starten konnten. Es war nicht das erste Mal.

Wissenschaftler prophezeien nun, dass sich solche Vorfälle in Zukunft häufen könnten. Die durch den Klimawandel steigenden Temperaturen könnten demnach in den kommenden Jahrzehnten den Luftverkehr weltweit erheblich einschränken, schreiben Ethan Coffel von der Columbia University in New York und seine Kollegen im Fachmagzin "Climatic Change".

Das liegt daran, dass sich die Bedingungen häufen könnten, unter denen Flugzeuge eines bestimmten Gewichts nicht mehr abheben können oder dürfen. Für jeden Flughafen gibt es spezifische Vorgaben.

Der - einigermaßen vereinfachte - Hintergrund: Wärmere Luft dehnt sich aus, ihre Dichte nimmt ab. Das bedeutet: weniger Auftrieb an den Flügeln der Jets. Um trotzdem abheben zu können, müssen Flugzeuge unter diesen Bedingungen schneller sein. Dafür wiederum bräuchten sie längere Rollbahnen. Wo sie fehlen, müssen sie am Boden bleiben.

Die Startbedingungen hängen natürlich auch davon ab, wie hoch der jeweilige Flughafen über dem Meer liegt. Denn im Gebirge ist die Luft schließlich dünner. Auch die Startgeschwindigkeit lässt sich nicht beliebig steigern - weil irgendwann die Reifen der Jets an ihre Grenzen stoßen.

"Nicht unbedeutende Kosten"

Über Startprobleme bei hohen Temperaturen wird schon länger diskutiert. Coffel und Kollegen haben dazu auch bereits veröffentlicht. Größere Jets, das als Daumenregel, kommen mit Hitze etwas besser klar als kleinere. Das erklärt, warum es Flüge von und nach Dubai, Doha oder Kairo gibt. (Eine Zusammenfassung, warum höhere Temperaturen nicht der einzige Faktor sind, gibt es hier.)

Coffel und Kollegen argumentieren so: Die Forscher gehen davon aus, dass die Höchsttemperaturen an Flughäfen bei gleichbleibender Menge der Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2080 um vier bis acht Grad Celsius steigen werden. Dann müssten etwa 10 bis 30 Prozent aller vollbesetzten Flugzeuge in den heißesten Stunden des Tages entweder Treibstoff, Passagiere oder Ladung entfernen oder aber auf Abkühlung warten, um loszufliegen.

Die Wahrheit über die Erwärmung

Dies hänge unter anderem von Flugzeugtyp und Länge der Startbahn ab. Rund vier Prozent Gewicht müssten bei manchen Flugzeugtypen an heißen Tagen entfernt werden, das wären bei 160 Plätzen 12 bis 13 Passagiere. Dadurch entstünden "nicht unbedeutende Kosten", so die Forscher.

"Weil die Welt sich immer mehr vernetzt und die Luftfahrt zunimmt, könnte das möglicherweise lawinenartige Auswirkungen haben, wirtschaftliche und sonstige", sagt Co-Autor Radley Horton vom Goddard Institute for Space Studies der US-Weltraumbehörde Nasa. Besonders betroffen wären in den USA Flughäfen in Phoenix, Dallas, Denver, New York und Washington, zudem weitere in Europa, China, Südasien und dem Nahen Osten.

Der Klimawandel hat wahrscheinlich noch weitere Folgen für die Luftfahrt. Forscher befürchten auch Veränderungen globaler Windsysteme, wodurch zum Beispiel Transatlantikflüge länger dauern und unruhiger werden könnten.

chs/dpa

insgesamt 75 Beiträge
jetbundle 13.07.2017
1. Deshalb...
...gibt es für die meisten Flugzeugtypen bereits jetzt eine "high and hot" Version mit höherer Antriebsleistung. Die arabischen Flughäfen sind aber einen anderen Weg gegangen und haben längere Startbahnen gebaut.
...gibt es für die meisten Flugzeugtypen bereits jetzt eine "high and hot" Version mit höherer Antriebsleistung. Die arabischen Flughäfen sind aber einen anderen Weg gegangen und haben längere Startbahnen gebaut.
pace335 13.07.2017
2.
Seit 2003 hat sich die Erde nicht mehr weiter erwärmt. Was ich damit sagen möchte ist, dass dies kein aktuelles Problem ist sondern schon mindestens 15 Jahre alt. Niemand bestreitet das CO2 bei der Erderwärmung eine Rolle [...]
Seit 2003 hat sich die Erde nicht mehr weiter erwärmt. Was ich damit sagen möchte ist, dass dies kein aktuelles Problem ist sondern schon mindestens 15 Jahre alt. Niemand bestreitet das CO2 bei der Erderwärmung eine Rolle spielt, allerdings sind sich Forscher uneinig wie groß der Einfluss des CO2 auf die Erderwärmung ist. Viele Forscher sind der Meinung das die Sonne mindestens zur Hälfte für die Erderwärmung seit etwa 1850 verantwortlich ist. Wenn diese Forscher recht haben, woran auch ich glaube, dann wird sich die Erde auch die nächsten 15 Jahre nicht weiter erwärmen sondern leicht abkühlen trotz des höheren CO2 Gehaltes in unserer Atmosphäre. Das liegt einfach daran, das die Sonnenaktivität voraussichtlich nicht so stark sein wird. Trotzdem möchte ich darauf hinweisen, das der Flugverkehr, der sich in den nächsten Jahrzehnte verdoppeln wird, bald auch zum größten Problem im Bezug auf den CO2 Ausstoß werden wird. Ich frag mich nur, wieso wird das nicht in der Öffentlichkeit thematisiert?
thrifter 13.07.2017
3. 2080?
Die Prophezeihungen der 'Experten' bezüglich des Luftverkehrs im Jahre 2080 erinnern mich an die Prophezeihungen der 'Experten' von 1880, es würde niemals Individualverkehr für alle Menschen geben, weil sonst alle Straßen der [...]
Die Prophezeihungen der 'Experten' bezüglich des Luftverkehrs im Jahre 2080 erinnern mich an die Prophezeihungen der 'Experten' von 1880, es würde niemals Individualverkehr für alle Menschen geben, weil sonst alle Straßen der Welt meterhoch mit Pferdeäpfeln bedeckt wären... Wahlweise können Sie sich auch an Prophezeihungen der 'Experten' von 1960 erinnern, es würde niemals einen Computer geben, der die Leístungsfähigkeit des menschlichen Gehirns erreicht, weil dafür alles Silizium dieser Erde nicht ausreichen würde...
Beat Adler 13.07.2017
4.
2014, 2015 und 2016 waren in dieser Reihenfolge Temperaturrekordjahre, weil sich die Erde seit 2003 nicht mehr erwaermt. Bestimmt ja doch.
Zitat von pace335Seit 2003 hat sich die Erde nicht mehr weiter erwärmt. Was ich damit sagen möchte ist, dass dies kein aktuelles Problem ist sondern schon mindestens 15 Jahre alt. Niemand bestreitet das CO2 bei der Erderwärmung eine Rolle spielt, allerdings sind sich Forscher uneinig wie groß der Einfluss des CO2 auf die Erderwärmung ist. Viele Forscher sind der Meinung das die Sonne mindestens zur Hälfte für die Erderwärmung seit etwa 1850 verantwortlich ist. Wenn diese Forscher recht haben, woran auch ich glaube, dann wird sich die Erde auch die nächsten 15 Jahre nicht weiter erwärmen sondern leicht abkühlen trotz des höheren CO2 Gehaltes in unserer Atmosphäre. Das liegt einfach daran, das die Sonnenaktivität voraussichtlich nicht so stark sein wird. Trotzdem möchte ich darauf hinweisen, das der Flugverkehr, der sich in den nächsten Jahrzehnte verdoppeln wird, bald auch zum größten Problem im Bezug auf den CO2 Ausstoß werden wird. Ich frag mich nur, wieso wird das nicht in der Öffentlichkeit thematisiert?
2014, 2015 und 2016 waren in dieser Reihenfolge Temperaturrekordjahre, weil sich die Erde seit 2003 nicht mehr erwaermt. Bestimmt ja doch.
c.j.oewi 13.07.2017
5. „menschgemachter Klimawandel“
Die Aussage „menschgemachter Klimawandel“ müsste näher erläutert werden, um überhaupt eine Diskussion in Gang zu bringen. Dass ein Klimawandel stattfindet, über einen bereits längeren Zeitraum, dürfte unbestritten sein. [...]
Die Aussage „menschgemachter Klimawandel“ müsste näher erläutert werden, um überhaupt eine Diskussion in Gang zu bringen. Dass ein Klimawandel stattfindet, über einen bereits längeren Zeitraum, dürfte unbestritten sein. WER und WAS und WIE VIEL jedoch dafür verantwortlich ist, darüber herrscht totale Unklarheit. Jetzt das Thema auf die Probleme des Luftverkehres zu verlagern bringt keine Änderung des Klimawandels, sondern eröffnet eine sinnlose Diskussion über Kosten beim Fliegen.
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