Schrift:
Ansicht Home:
Wissenschaft

Frankreich und Belgien

Greenpeace warnt vor Sicherheitslücken in AKW

Greenpeace sieht die Gefahr in den Abklingbecken: Anders als die Reaktorgebäude der französischen und belgischen AKW seien diese nicht extra geschützt. Das könnte bei einem Angriff fatale Folgen haben.

AFP

AKW in Cattenom

Dienstag, 10.10.2017   17:33 Uhr

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat vor einer Gefahr durch abgebrannte Brennelemente in französischen und belgischen Atomkraftwerken gewarnt. Die Einrichtungen seien nicht ausreichend gegen Angriffe geschützt.

Die Abklingbecken für abgebrannte Brennelemente seien bei einer Attacke "extrem anfällig", teilte die Umweltschutzorganisation in Paris mit. In diesen Becken falle die höchste radioaktive Strahlung in einem Atomkraftwerk an. Anders als die Reaktorgebäude seien die Gebäude der Abklingbecken nicht mit einem verstärkten Sicherheitsbehälter versehen.

Falls bei einer Attacke das Becken beschädigt würde und das Wasser abliefe, würden die Brennelemente nicht mehr gekühlt, hieß es: "Ein Atomunfall kommt in Gang, mit sehr schwerwiegenden radiologischen Folgen." Es könnte ein Feuer ausbrechen, durch das eine Region im Umkreis von bis zu 250 Kilometern verstrahlt werden könnte.

"Sehr hohes Bedrohungslevel" in Frankreich

Die Organisation hatte sieben Experten aus Frankreich, Deutschland, Großbritannien und den USA mit der Untersuchung der 58 französischen AKW sowie sieben belgischen Anlagen beauftragt, die sich auf frei zugängliche Informationen stützt.

Vier Kraftwerke in Frankreich - darunter Cattenom und Fessenheim - sowie Doel und Tihange in Belgien wurden dabei näher untersucht. Greenpeace veröffentlichte nur eine Zusammenfassung, der komplette Bericht werde aus Sicherheitsgründen nur den Behörden zugängig gemacht.

Darin wird auch auf das "sehr hohe Bedrohungslevel" in Frankreich verwiesen - das Land war in den vergangenen Jahren mehrfach Ziel von Terroranschlägen. Greenpeace forderte vom Stromkonzern EDF, der die 58 französischen Atomreaktoren betreibt, die Abklingbecken besser zu schützen.

Der französische Betreiber EDF wies die Vorwürfe zurück. Die Kraftwerke seien sicher, teilte der Konzern mit. Die Sicherheitsmaßnahmen vor Terrorangriffen würden laufend überprüft.

brt/dpa/Reuters/AFP

insgesamt 57 Beiträge
willibaldus 10.10.2017
1.
Die Reaktoren sind in der Regel mit Betonkuppeln vor Schaden geschützt. Ein Passagierflugzeug könnte draufstürzen. Die Abklingbecken waren bis jetzt noch nicht Thema der öffentlichen Diskussion. Gibt es da irgendwas [...]
Die Reaktoren sind in der Regel mit Betonkuppeln vor Schaden geschützt. Ein Passagierflugzeug könnte draufstürzen. Die Abklingbecken waren bis jetzt noch nicht Thema der öffentlichen Diskussion. Gibt es da irgendwas historisches aus dem man ablesen kann, dass sich Behörden oä mit der Fragestellung schon mal befasst haben?
permissiveactionlink 10.10.2017
2. Problem
Mein kleiner Geist hat enorme Mühe, das nachzuvollziehen. Dass von den Abklingbecken große Gefahren ausgehen können, ist seit Fukushima Allgemeinwissen. Aber bisher ging ich davon aus, dass sich die Ablingbecken direkt neben [...]
Mein kleiner Geist hat enorme Mühe, das nachzuvollziehen. Dass von den Abklingbecken große Gefahren ausgehen können, ist seit Fukushima Allgemeinwissen. Aber bisher ging ich davon aus, dass sich die Ablingbecken direkt neben dem Reaktor befinden müssen, damit ein Brennelementewechsel unter Wasser stattfinden kann. Würden die Brennstäbe auch nur einen Moment nicht von Wasser umgeben und gekühlt, wären sämtliche Mitarbeiter in höchster Gefahr. Soweit mir das bekannt ist, liegen die Abklingbecken in deutschen Reaktorgebäuden mit dem Reaktor unter einer meterdicken Kuppel. Warum das in F und B anders ist, leuchtet mir bisher nicht ein. Beim Brennstäbewechsel ist das doch total kontraproduktiv. Wie bekommt man die dort aus dem Reaktor im Containment in das räumlich entfernte Abklingbecken ?
willibaldus 10.10.2017
3.
Offensichtlich liegen nicht bei allen deutschen AKWs die Abklingbecken im Containment. Das wird dann bei den alten Franzosen ähnlich sein. [...]
Offensichtlich liegen nicht bei allen deutschen AKWs die Abklingbecken im Containment. Das wird dann bei den alten Franzosen ähnlich sein. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/abklingbecken-deutscher-meiler-gefahr-in-kobaltblau-a-751304.html
permissiveactionlink 10.10.2017
4. #3, willibaldus
Vielen Dank für den Hinweis. Ich habe den Artikel zwischenzeitlich gelesen. Vier Reaktoren, aber nicht mehr alle sind in Betrieb. Nichts desto trotz ist diese Situation beängstigend. Auch weil von einem Containment nicht mehr [...]
Vielen Dank für den Hinweis. Ich habe den Artikel zwischenzeitlich gelesen. Vier Reaktoren, aber nicht mehr alle sind in Betrieb. Nichts desto trotz ist diese Situation beängstigend. Auch weil von einem Containment nicht mehr die Rede sein kann, wenn da Riesenöffnungen und Wasserkanäle durchführen. Denn wie sonst sollte man die abgebrannten Brennstäbe in die Abklingbecken bekommen, ständig unter Wasser ? Bei einem Erdbeben dürfte es so oder so kritisch werden, denn die Abklingbecken dürften wohl kaum eine stärkere Stahlwand besitzen. Gut, dass wir aus der Technologie ausgestiegen sind. Das geht auch anders, mit Erneuerbaren.
Bueckstueck 10.10.2017
5. Atomkraft ist sicher....
... tödlich! Das Problem ist halt das der Super-GAU keine Landesgrenzen kennt. Der Spruch ist so abgedroschen wie wahr. Was nützt es wenn Deutschland vernünftig und mit grosser Weitsicht entschieden hat, wenn rundherum [...]
Zitat von permissiveactionlinkVielen Dank für den Hinweis. Ich habe den Artikel zwischenzeitlich gelesen. Vier Reaktoren, aber nicht mehr alle sind in Betrieb. Nichts desto trotz ist diese Situation beängstigend. Auch weil von einem Containment nicht mehr die Rede sein kann, wenn da Riesenöffnungen und Wasserkanäle durchführen. Denn wie sonst sollte man die abgebrannten Brennstäbe in die Abklingbecken bekommen, ständig unter Wasser ? Bei einem Erdbeben dürfte es so oder so kritisch werden, denn die Abklingbecken dürften wohl kaum eine stärkere Stahlwand besitzen. Gut, dass wir aus der Technologie ausgestiegen sind. Das geht auch anders, mit Erneuerbaren.
... tödlich! Das Problem ist halt das der Super-GAU keine Landesgrenzen kennt. Der Spruch ist so abgedroschen wie wahr. Was nützt es wenn Deutschland vernünftig und mit grosser Weitsicht entschieden hat, wenn rundherum die Folgen von 1986 und 2011 bereits wieder verdrängt wurden und fröhlich weitergestrahlt wird? Man sieht es ja auch hier im Forum wo sicher nicht nur die Nuklearlobby Stimmung macht sondern auch Hein Blöd mit Ignoranz und Naivität gegen die Alternativen zum drohenden Strahlentod hetzt. Es ist erstaunlich, dass Europa noch bewohnbar ist, angesichts der ganzen Sorglosigkeit. Aber je länger nix grosses passiert, desto wahrscheinlicher wird es... das nennen die Restrisiko und ich statistische Wahrscheinlichkeit.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP