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Wissenschaft

Wrack aus dem Ersten Weltkrieg

Deutsches U-Boot vor Ostende identifiziert

Archäologen haben den Namen eines vor dem belgischen Ostende gesunkenen deutschen U-Boots aus dem Ersten Weltkrieg herausgefunden. Anhand der Besatzungslisten gehen die Forscher jetzt von 22 Opfern aus.

DPA
Dienstag, 14.11.2017   16:16 Uhr

Ein im Sommer vor der belgischen Küste entdecktes U-Boot aus dem Ersten Weltkrieg ist identifiziert worden. Es handelt sich um das Wrack von UB-29. Im vorderen Teil wurde ein Messingschild mit dem Namen des Bootes gefunden. Das teilte Carl Decaluwé, der zuständige Gouverneur von Westflandern, in Brügge mit.

Anhand alter Besatzungslisten wisse man nun auch, dass sich 22 und nicht wie zunächst vermutet 23 Besatzungsmitglieder an Bord befanden. Aus welchen Teilen Deutschlands die Besatzung stammte, ist unklar. Nach der Identifikation des Bootes sollen nun aber auch die Identität der Opfer geklärt und deren Nachfahren informiert werden. "Ich hoffe, dass wir alle Familien finden werden", sagte Lüdeking.

Die UB-29 galt seit dem 27. November 1916 als verschollen - seit fast genau 101 Jahren liegt das Wrack in 30 Metern Tiefe, inzwischen komplett eingewachsen und mit Sand vollgelaufen.

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Seit hundert Jahren am Meeresboden: Das U-Boot-Wrack von Ostende

Es soll auf dem Meeresgrund bleiben und dort zum Seemannsgrab werden - nicht nur, weil ein Anheben technisch schwierig wäre. "Es ist auch eine gute Tradition, dass Seeleute in diesen Fällen dort verbleiben, wo sie sind", sagte Lüdeking. Damit die Totenruhe nicht gestört wird, soll um den Ort eine geschützte Zone errichtet werden.

Das Wrack der UB-II-Klasse für den küstennahen Einsatz war im Juni in der Nähe der belgischen Küstenstadt Ostende entdeckt worden. Im September machten die Behörden dies öffentlich und ließen das Boot von Unterwasserarchäologen untersuchen. In das vollgelaufene und verschlossene Wrack konnte das Forscherteam allerdings nicht blicken.

Der Badeort Ostende war während des Ersten Weltkriegs zwischen 1914 und 1918 ein umkämpfter Kriegsschauplatz. Die Flotte des deutschen Kaisers führte von Flandern aus ihren berüchtigten U-Boot-Krieg unter anderem gegen britische Handelsschiffe.

Die deutsche Marine hatte früheren Angaben von Gouverneur Decaluwé zufolge drei große U-Boot-Stützpunkte mit 10.000 Mann in Belgien und versenkte vor den Küsten mehr als 2500 Schiffe. "Das war eine gefährliche Waffe." Die Kriegsgegner der Deutschen legten deswegen Minen vor der belgischen Küste.

Von der ab 1915 gebauten U-Boot-Klassse UB II waren demnach zwischen 1915 und 1918 insgesamt 18 Boote in der Flandern-Flotte im Einsatz. 13 wurden im Einsatz zerstört oder sanken.

brt/dpa

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