11.06.2010
Pazifische Tiefsee
Forscher finden große Mengen Manganknollen
Hannover - Eine Milliarde Tonnen Manganknollen, das ist die Bilanz einer fünfwöchigen Suche deutscher Meeresforscher am Boden des Pazifiks. Die Experten waren etwa 2000 Kilometer südlich von Los Angeles auf Höhe von Mexiko mit dem Forschungsschiff "Sonne" unterwegs. Dort erkundeten sie ein Gebiet von etwa 75.000 Quadratkilometern.
Die Knollen enthalten Rohstoffe wie Nickel, Kupfer und Kobalt, sagte der Expeditionsleiter der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover (BGR), Carsten Rühlemann. Der Metallgehalt liege zwischen 2,5 und 3 Prozent, erklärte sein Kollege Thomas Kuhn. Verglichen mit normalem Kupfererz sei das ein hoher Wert.
Die dunklen, klumpenartigen Knollen sind zwischen drei und sechs Zentimeter groß. Die größeren Exemplare erreichen einen Durchmesser von 20 Zentimeter. Verwendet werden die Rohstoffe unter anderem in der Elektroindustrie und als Stahlveredler. Insgesamt erwarten die BGR-Experten in dem untersuchten Gebiet ein Vorkommen der drei Metalle zwischen 28 und 29 Millionen Tonnen.
An der Expedition beteiligen sich Wissenschaftler der BGR, des Alfred-Wegener Instituts in Bremerhaven, des Deutschen Zentrums für Marine Biodiversitätsforschung am Senckenberg-Institut in Wilhelmshaven und des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften in Kiel.
Grundlage für die Forschungsreise ist ein Vertrag der Internationalen Meeresbodenbehörde der Vereinten Nationen und der BGR aus dem Jahr 2006. Er gibt Deutschland das Recht, in dem Gebiet 15 Jahre lang den Bestand der Knollen zu erfassen. Bei der Expedition sollten grundlegende Daten über die potentiellen Lagerstätten gesammelt werden. Potentielle Investoren sollten auf diese Weise auch erfahren, wo sie die Knollen abbauen können, sagte Rühlemann.
Deutschland habe die Möglichkeit, die erworbene Explorationslizenz in eine Förderlizenz umzuwandeln. Wirtschaftlich sei eine Förderung der Manganknollen allerdings derzeit noch nicht. In den siebziger Jahren hatten die großen Bergbaukonzerne bereits einmal über die Förderung unterseeischer Bodenschätze nachgedacht. Das damals größte deutsche Bergbauunternehmen Preussag hatte 1978 eine in Kooperation mit Konzernen aus den USA, Japan und Kanada entwickelte Maschine für die Ernte von Manganknollen vom Grund des Pazifiks erprobt. Ein Rückgang der Rohstoffpreise setzte der Entwicklung aber ein schnelles Ende.
chs/dpa/apn

