26.07.2011
Neues Tauchboot
Chinas "Seedrache" sinkt auf 5000 Meter Tiefe
Peking - Im internationalen Wettrennen um die Rohstoffe in der Tiefsee hat China einen großen Sprung nach vorn gemacht: Ein bemanntes chinesisches U-Boot hat am Dienstag mit einer Tauchfahrt eine Meerestiefe von 5057 Metern erreicht - es ist ein neuer Landesrekord.
Das U-Boot "Jiaolong", benannt nach einem mythischen Meeresdrachen, schloss seine Testfahrt in internationalen Gewässern des Pazifischen Ozeans nach vier Stunden erfolgreich ab. Das meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf die Staatliche Meeresbehörde (SOA). Die Tauchfahrt erfolgte inmitten des sich zuspitzenden Territorialstreits um das Südchinesische Meer zwischen China und anderen Anrainern.
Den Angaben zufolge erreichte der "Seedrache" bei seiner Testfahrt in weniger als drei Stunden eine Tiefe von 5057 Metern. Läuft alles nach Plan, wird die "Jiaolong" im kommenden Jahr sogar auf 7000 Meter abtauchen. China will dann das japanische Tauchboot "Shinkai" übertreffen - das gegenwärtig einzige, das 6500 Meter tief tauchen kann.
Nach Japan, den USA, Frankreich und Russland ist China jetzt die fünfte Nation, die derzeit Menschen in eine Tiefe von mehr als 3500 Metern schicken kann. Der weltweit tiefste bemannte Tauchgang liegt mehr als 50 Jahre zurück: Jacques Piccard erreichte mit der "Trieste" 1960 im pazifischen Marianengraben 11.000 Meter Tiefe.
Im Tiefenrausch auf der Jagd nach Rohstoffen
Um ihren Hunger nach Rohstoffen zu stillen, hat die aufstrebende asiatische Wirtschaftsmacht ihre Forschungsprogramme stark ausgeweitet: Eine weitere Testfahrt, bei der Proben vom Meeresboden genommen werden sollen, ist geplant, ein Zeitpunkt nannte die SAO jedoch nicht. Die Tauchfahrten sind Teil einer chinesischen Strategie zur Erschließung von Rohstoffdepots am Boden der Ozeane.
Während die Investitionen der USA in die Tiefseeforschung nachlassen, gehen Schwellenländer wie China in die Offensive. In den Tiefen des Meeres gibt es Metalle wie Gold, Silber, Kupfer, Nickel oder Kobalt. Sie sind in Manganknollen, kobaltreichen Krusten und polymetallischen Sulfiden zu finden. Ebenso gibt es Vorkommen sogenannter Seltener Erden - wichtige Rohstoffe für die Hightech-Industrie. Die Regierung in Peking hat bei der Internationalen Meeresbodenbehörde in Jamaika bereits die Erkundungsrechte für ein 75.000 Quadratkilometer großes Meeresgebiet im Pazifik gekauft. Die in Kingston ansässige Uno-Behörde kontrolliert den Bergbau in internationalen Gewässern.
Zwar sind sich alle Experten einig, dass der Abbau in der Tiefsee äußerst schwierig werden dürfte, verweisen aber darauf, dass die Vorkommen mit steigenden Rohstoffpreisen und wachsendem Bedarf interessant werden können. Umweltschützer warnen bereits vor einer Zerstörung der empfindlichen Ökosysteme in der Tiefsee und fordern ein Moratorium, um zunächst Meeresschutzgebiete zu identifizieren.
Die 8,20 Meter lange und 22 Tonnen schwere "Jiaolong" ist nach Angaben ihrer chinesischen Erbauer moderner als die Boote der Konkurrenz. So habe sie zum Beispiel eine Art Autopilot, mit dem sie ohne menschliche Hilfe in konstanter Entfernung zum Ozeanboden dahinschweben könne. Dort könne sie Videos und Fotos aufnehmen, aber auch Proben sammeln und zur Oberfläche bringen.
Erste Versuche mit dem acht Meter langen Tauchboot hatte es bereits im vergangenen Sommer im südchinesischen Meer gegeben. Bei insgesamt 17 Tauchgängen stieß die "Jiaolong" dabei bis in 3759 Meter Tiefe vor.
cib/dapd/dpa