18.11.2011
Gorleben-Alternativen
Bayern laviert bei der Endlager-Suche
Salzbergwerk Gorleben: Endlager-Erkundung auch in Süddeutschland
Passau - Die Suche soll von vorne beginnen: Bund und Länder haben vor einer Woche beschlossen, in ganz Deutschland nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll zu fahnden. Außer den bisher favorisierten Salzstöcken in Norddeutschland wie Gorleben kommen nun auch Regionen im Süden in Betracht.
Süddeutsche Bundesländer stehen in der Verantwortung. In Bayern stehen fünf der 17 deutschen Atomkraftwerke (AKW). Nur Baden-Württemberg produziert ähnlich viel hochradioaktiven Atommüll. Wissenschaftler haben in beiden Ländern mögliche Endlager-Standorte identifiziert - doch Bayern laviert weiter, wenn es um die Zustimmung zur Erkundung im eigenen Bundesland geht.
Äußerungen des bayerischen Umweltministers Marcel Huber (CSU), wonach ein Atommüll-Endlager in Süddeutschland nur in Baden-Württemberg sinnvoll wäre, haben nun für Irritationen gesorgt. Huber sagte der "Passauer Neuen Presse", dass die Ausläufer von Tonvorkommen im Süden zwar bis nach Neu-Ulm in Bayern reichten. Diese seien aber so dünn, dass sie für ein Lager "völlig unzureichend" seien. Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) reagierte verwundert.
Huber sagte, dass Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) auf die Tonvorkommen im Süden verwiesen hatte. "Überprüfen kann und muss man die Struktur in Baden-Württemberg. Eine Endlagerung in Bayern ist also nach heutigen Kenntnissen kein Thema", sagte Huber. Sonstige Salz- oder Granitvorkommen in Bayern seien zu jung und deshalb ungeeignet.
Erstaunen in Baden-Württemberg
Sein baden-württembergischer Amtskollege zeigte sich erstaunt über die Äußerungen Hubers: "Ich erinnere Minister Huber an seine eigenen Worte vor einer Woche in Berlin: Geologie solle bei der Endlagersuche in Deutschland vor Geografie gehen." Man sei sich einig gewesen, unvoreingenommen geologische Formationen - Salz, Ton und Granit - zu prüfen und "zwar vor dem Hintergrund einer weißen Landkarte".
Untersteller betonte: "Für mich bedeutet das, dass es kein Bundesland geben darf, das sich vor der Festlegung von Suchkriterien für ein Endlager bereits wieder auszuschließen versucht."
Bayerns Kurs schlingert seit langem in der Endlagerfrage: Nachdem der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann von den Grünen, im Frühjahr überraschend erklärt hatte, der Endlagersuche im eigenen Land zustimmen zu wollen, hatte auch der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sich mit einer bundesweiten Endlagersuche einverstanden erklärt. Doch das Bayerische Landesamt für Umwelt widersprach umgehend: Bayern könnte die geologischen Mindestanforderungen an ein Endlager für radioaktive Abfälle nicht erfüllen.
Vor einer Woche jedoch zeigte Bayerns Umweltminister Marcel Huber (CSU) seine Bereitschaft, bei Null anzufangen: "Die Geologie ist das Entscheidende", sagte er, "nicht die Geografie". Nun hat er diese Aussage relativiert.
boj/dapd