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11.01.2012
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Uran-Anreicherung

Iran macht Atomprogramm bombensicher

Von
DPA/ DigitalGlobe

In Teheran stirbt ein Atomforscher bei einem Anschlag, doch das Nuklearprogramm des Regimes dürfte das kaum verzögern. Iran hat begonnen, in einer unterirdischen Anlage Uran anzureichern. Selbst mit Luftangriffen wäre die Fabrik tief im Innern eines Bergs wohl nicht zu zerstören.

Die iranische Regierung behauptet gern viel, wenn es um Waffensysteme oder Atomanlagen geht. Da werden Kurzstrecken- plötzlich zu Langstreckenraketen, und wie aus dem Nichts tauchen Tausende Zentrifugen zur Urananreicherung auf, von denen zuvor niemand ahnte. Diesmal aber halten auch westliche Experten für inzwischen vollzogen, was der Chef der iranischen Atombehörde Feridun Abbasi vor kurzem verkündet hat: Die Atomanlage Fordo nahe der Stadt Ghom werde schon bald mit der Urananreicherung beginnen.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien bestätigte: In Fordo seien 348 Uran-Zentrifugen bereits in Betrieb, zwei weitere Kaskaden mit je 174 Zentrifugen im Aufbau. Mit ihrer Hilfe solle das Uran in Fordo auf 20 Prozent angereichert werden - deutlich mehr, als für die Nutzung in einem Atomreaktor notwendig ist. Zudem liegt die Anlage tief in einem Berg und dürfte damit weitgehend sicher vor Luftangriffen sein.

Im Naturzustand besteht Uran nahezu vollständig aus Uran 238 und nur zu 0,7 Prozent aus Uran 235. Um für einen Reaktor tauglich zu sein, muss der Anteil an Uran 235 auf mindestens 3,5 Prozent gesteigert werden, für eine Atombombe ist eine Anreicherung auf mindestens 85 Prozent notwendig. Iran behauptet, die Anreicherung auf 20 Prozent sei notwendig, um den Brennstoff im Teheraner Forschungsreaktor TRR einzusetzen - angeblich für die Behandlung von Krebserkrankungen.

Otfried Nassauer vom Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit (Bits) hält das für nicht ausgeschlossen. "Nuklearmedizinische Materialien selbst herzustellen, kann schon sinnvoll sein, wenn man in Zukunft mit einem sehr harten Embargo rechnet", sagte Nassauer. Andere westliche Experten glauben eher an eine Schutzbehauptung Irans. So sei die Produktionskapazität in Fordo mit 3000 Zentrifugen zu klein, um genug Brennstoff für einen Reaktor herzustellen, aber ideal für die Herstellung kleinerer Mengen hochangereicherten Urans - was typisch für ein Atomwaffen-Programm wäre.

Die USA haben das Vorgehen Irans prompt verurteilt. Außenministerin Hillary Clinton warf Teheran eine "eklantante Missachtung seiner Verantwortung" vor. Die Uran-Anreicherung auf 20 Prozent und insbesondere ihre Verlagerung in die unterirdische Anlage bei Ghom seien besorgniserregend, sagte Clinton am Dienstag in Washington. Der Schritt, für den es "keine plausible Erklärung" gebe, bringe Iran näher an die Herstellung waffentauglichen Materials.

Unterirdische Fabrik kaum noch angreifbar

Die Fabrik in Fordo befindet sich laut öffentlich zugänglichen Informationen nicht nur in unübersichtlichem, bergigem Terrain, sondern verfügt auch über starke Luftverteidigungsanlagen und soll noch dazu 80 bis 90 Meter tief unter Felsgestein liegen. Damit wäre sie für Angriffe aus der Luft nahezu unerreichbar. Die stärksten bunkerbrechenden Waffen, die etwa die USA im Arsenal haben, können weniger als zehn Meter Beton durchschlagen. Selbst der "Massive Ordnance Penetrator" (MOP), eine fast 14 Tonnen schwere Bombe, soll nur maximal 60 Meter tief in die Erde eindringen können, ehe er detoniert. Ob das reichen würde, die Anlage in Fordo zu beschädigen oder gar zu zerstören, ist offen.

Die einzige andere Waffe, die der Anlage in Fordo ansonsten gefährlich werden könnte, ist die B61-11, die bunkerbrechende Variante der auch in Deutschland stationierten B61-Atombombe. Ihr Einsatz gegen iranische Anlagen erscheint aber selbst als letztes Mittel ausgeschlossen. Und auch Sabotage - seien es Mordanschläge auf iranische Wissenschaftler oder Computerviren wie Stuxnet - konnten die iranischen Bestrebungen bisher nur verzögern, nicht aber stoppen.

Erst am Mittwoch starb ein Forscher in Teheran bei einem Attentat mit einer Autobombe. Der 32-jährige Mostafa Ahmadi Roschan war offenbar Chemieexperte und ein Direktor der Urananreicherungsanlage Natans. Die Nachrichtenagentur Fars sprach von einem Terroranschlag und zitierte den ranghohen Sicherheitsbeamten Safar Ali Baratlu mit den Worten, es handele sich um eine Tat von Israelis. "Die magnetische Bombe ist vom selben Typ, der bereits früher eingesetzt wurde, um unsere Wissenschaftler zu töten."

Was will Teheran?

Doch vor allem die Verlagerung der Anreicherung in unterirdische Fabriken beunruhigt Beobachter. Mark Fitzpatrick vom International Institute for Strategic Studies (IISS) spricht von einer Verschärfung der Lage. "Iran wird jetzt fast waffenfähiges Spaltmaterial in Zentrifugen herstellen, die unerreichbar in einem Berg untergebracht sind." Nach Informationen des Institute for Science and International Security (ISIS) in Washington sollen in Fordo Zentrifugen des Typs IR-1 zum Einsatz kommen. Dieses Modell ist nicht das modernste Irans, aber bereits effizienter als die Zentrifugen des Typs P-1, die Iran noch von Abdul Qadir Khan, dem Vater der pakistanischen Atombombe erworben hatte.

Die wichtigste Frage lautet derzeit: Wie weit ist das iranische Atomprogramm fortgeschritten, und was ist sein Ziel? Im November 2011 warf die IAEA dem Regime in Teheran erstmals vor, an Atomwaffen gearbeitet zu haben. In dem Bericht hieß es auch, dass Iran seit Beginn der Anreicherung im Februar 2007 mehr als 4,9 Tonnen niedrig angereichertes Uran-Hexafluorid produziert habe. Sollte dieses Material in hochangereichertes Uran verwandelt werden, würde es nach Einschätzung von Experten für etwa vier Atombomben reichen.

Eine Anreicherung auf 20 Prozent würde Iran dem Ziel, waffenfähiges Uran zu besitzen, ein großes Stück näher bringen - vorausgesetzt, dieses Ziel existiert. Ob dem so ist, wird in Fachkreisen heiß debattiert. Iran selbst versucht alles, um von einem solchen Verdacht abzulenken. So steht das gesamte nukleare Material in Fordo nach wie vor unter der Kontrolle der IAEA, wie Sprecherin Gill Tudor betonte. "Das ist die alte Strategie der Iraner", sagte Bits-Experte Nassauer. "Sie lassen den Westen zuschauen und argumentieren, das tue man nur bei einem zivilen, überprüfbaren Programm."

Die Ängste vor der iranischen Bombe mindert das allerdings kaum - denn sollte in Teheran die politische Entscheidung zum Bau der Bombe fallen, wären wohl auch die Tage der IAEA-Kontrollen in Iran gezählt.

Noch ist diese politische Entscheidung nicht gefallen - davon zeigte sich zuletzt auch US-Verteidigungsminister Leon Panetta überzeugt, kurz bevor die Eröffnung der Anlage in Fordo bekannt wurde. Die Iraner versuchten derzeit nicht, die Bombe zu bauen. "Aber sie versuchen, nukleare Fähigkeiten zu entwickeln", sagte Panetta dem US-Fernsehsender CBS am Wochenende. "Und das macht uns Sorgen."

Bereit für die politische Entscheidung für die Bombe

Damit fasste der Minister das zusammen, was seit Jahren der Konsens in der Geheimdienstgemeinde zu sein scheint: Iran versucht, technologisch bis kurz vor die Schwelle zur Atombombe zu gelangen - um sie dann zügig überschreiten zu können, sollte die entsprechende politische Entscheidung fallen.

Zwar wäre die Herstellung einer ausreichenden Menge an hochangereichertem Uran nur der erste Schritt zur Herstellung einer Bombe. Der zweite Schritt wäre die Entwicklung eines Gefechtskopfs, der dann noch so weit miniaturisiert werden müsste, um auf eine Rakete zu passen. Davon, darin sind sich alle Fachleute einig, ist Iran noch Jahre entfernt.

Dennoch könnte ein iranischer "Breakout" - der Ausstieg aus der Atomkontrolle und die offene Entwicklung von Nuklearwaffen - ein politisches Erdbeben im Nahen Osten auslösen. Die israelische Regierung etwa betont immer wieder, dass sie einen nuklear bewaffneten Iran unter keinen Umständen akzeptieren würde. Notfalls würde man auch militärisch gegen die iranischen Atomanlagen vorgehen, droht Jerusalem.

Am Dienstag berichtete die Londoner "Times", dass das Institute for National Security Studies (INSS) - ein Think-Tank mit besten Verbindungen in höchste israelische Geheimdienst- und Militärkreise - die Auswirkungen eines iranischen Atombombentests durchgespielt habe. Mehrere ehemalige Botschafter, ranghohe Ex-Geheimdienstler und Offiziere hätten an der Simulation mitgewirkt.

"Weltuntergangsuhr" steht wieder auf fünf vor zwölf

Die Ergebnisse: Israel würde nur militärisch drohen, aber nicht zuschlagen - schon allein deshalb, weil die USA die dafür notwendige Unterstützung verweigern würden. Saudi-Arabien würde sich vermutlich ein eigenes Nuklearwaffenprogramm zulegen, um sich vor Iran zu schützen - und die Mullahs hätten am Ende weiterhin ihre Atomwaffen.

Dass Jerusalem eventuell lernen müsse, mit einer iranischen Bombe zu leben, betonte zuletzt auch Meir Dagan. Eine Nuklearwaffe in den Händen der Mullahs müsse nicht unbedingt eine existentielle Bedrohung Israels darstellen, sagte der ehemalige Chef des Auslandsgeheimdienstes Mossad - sehr zum Ärger der israelischen Regierung. Gar nichts hält er von Luftangriffen auf iranische Atomanlagen. Wer glaube, Teheran auf diese Weise stoppen zu können, begehe eine "Dummheit".

Das Bulletin of the Atomic Scientists bewies unterdessen ein untrügliches Gespür für das passende Timing. Am Dienstag stellte der Forscherverband seine "Weltuntergangsuhr" eine Minute vor, auf nunmehr fünf vor zwölf. Dort stand der Zeiger zuletzt vor zwei Jahren. Dass er nun wieder näher in Richtung Endzeit rückt, begründen die Wissenschaftler mit der Untätigkeit der Politik im Kampf gegen den Klimawandel - und mit der Verbreitung von Atomwaffen.

Mit Material von AFP

Forum

Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 118 Beiträge
1. Urananreicherung in den USA
bmwfahrer 11.01.2012
Hört sich so an, als hätte jemand das Recht auf Zerstörung. Darf der Iran dann auch "bei uns"/bei den Amis die Urananreicherung kaputtbomben?
Zitat von sysopIn Teheran stirbt ein Atomforscher bei einem Anschlag, doch das Nuklearprogramm*des Regimes dürfte das kaum verzögern. Iran hat begonnen, in einer unterirdischen Anlage Uran anzureichern. Selbst mit Luftangriffen wäre die Fabrik tief im Innern eines Bergs wohl nicht zu zerstören. Uran-Anreicherung: Iran macht Atomprogramm bombensicher - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,808337,00.html)
Hört sich so an, als hätte jemand das Recht auf Zerstörung. Darf der Iran dann auch "bei uns"/bei den Amis die Urananreicherung kaputtbomben?
2. Es
drouhy 11.01.2012
mag zynsich klingen - nur die Bombe ist die wahre Versicherung, um nicht von schwertschwingenden Menschrechtlern und ihren Verbündeten verbefreit zu werden. Es ist ein Zeichen der Hoffnung, wenn selbst israelische Kenner [...]
Zitat von sysopIn Teheran stirbt ein Atomforscher bei einem Anschlag, doch das Nuklearprogramm*des Regimes dürfte das kaum verzögern. Iran hat begonnen, in einer unterirdischen Anlage Uran anzureichern. Selbst mit Luftangriffen wäre die Fabrik tief im Innern eines Bergs wohl nicht zu zerstören. Uran-Anreicherung: Iran macht Atomprogramm bombensicher - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,808337,00.html)
mag zynsich klingen - nur die Bombe ist die wahre Versicherung, um nicht von schwertschwingenden Menschrechtlern und ihren Verbündeten verbefreit zu werden. Es ist ein Zeichen der Hoffnung, wenn selbst israelische Kenner der Szene etwas Realismus einziehen lassen. Die Verbunkerung solcher Anlagen nun dürfte keinen überraschen, der das Schicksal der irakischen und syrischen Atomforschung kennt, und sich zudem die massiven Kriegsdrohungen gegen diese Land anschaut. Statt unentwegt ein missliebiges Regime zu sanktionieren, sollte man schlicht dasselbe tun, wie mit anderen Vorzeigedemokratien in Nahost tun, seien es die Saudis, Bahrein oder Katar - einfach normale Handelsbeziehungen knüpfen, die auf Augenhöhe laufen. Damit wäre dem Wandel durch Handel nichts mehr in den Weg gestellt - und die Demokratie im Iran hätte jede Chance.
3. xxx
Schleswig 11.01.2012
Ein paar Versuche wäre es alle mal wert.
Zitat von sysopIn Teheran stirbt ein Atomforscher bei einem Anschlag, doch das Nuklearprogramm*des Regimes dürfte das kaum verzögern. Iran hat begonnen, in einer unterirdischen Anlage Uran anzureichern. Selbst mit Luftangriffen wäre die Fabrik tief im Innern eines Bergs wohl nicht zu zerstören. Uran-Anreicherung: Iran macht Atomprogramm bombensicher - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,808337,00.html)
Ein paar Versuche wäre es alle mal wert.
4. seltam...
heinerz 11.01.2012
...ist nur, dass der amerikanische Verteidigungsminister Panetta sagt: "Versucht Iran, eine Atomwaffe zu entwickeln? Nein." Und wer's nicht glaubt kanns bei der New York Times nachlesen [...]
Zitat von sysopIn Teheran stirbt ein Atomforscher bei einem Anschlag, doch das Nuklearprogramm*des Regimes dürfte das kaum verzögern. Iran hat begonnen, in einer unterirdischen Anlage Uran anzureichern. Selbst mit Luftangriffen wäre die Fabrik tief im Innern eines Bergs wohl nicht zu zerstören. Uran-Anreicherung: Iran macht Atomprogramm bombensicher - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,808337,00.html)
...ist nur, dass der amerikanische Verteidigungsminister Panetta sagt: "Versucht Iran, eine Atomwaffe zu entwickeln? Nein." Und wer's nicht glaubt kanns bei der New York Times nachlesen http://www.nytimes.com/2012/01/09/world/middleeast/iran-will-soon-move-uranium-work-underground-official-says.html?_r=1&nl=todaysheadlines&emc=tha2&pagewanted=all
5.
super_nanny 11.01.2012
Möglicherweise *stabilisieren* Atomwaffen in den Händen der Iraner die Region sogar eher, als dass sie sie destabilisieren. Zwischen Indien und Paktistan ist es ja auch noch nicht zu einem Atomkrieg gekommen, und das wird auch [...]
Möglicherweise *stabilisieren* Atomwaffen in den Händen der Iraner die Region sogar eher, als dass sie sie destabilisieren. Zwischen Indien und Paktistan ist es ja auch noch nicht zu einem Atomkrieg gekommen, und das wird auch zwischen Israel und Iran nicht passieren. Man könnte also sagen: wozu die Aufregung? Aber Indien und Pakistan haben kein Öl, und dass die Iraner die Meerenge von Hormus blockieren können ist den Amerikanern auch ein Dorn im Auge.
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Uran und Atomwaffen

Uran
Uran eignet sich sowohl für die Energiegewinnung als auch für den Einsatz in Atomwaffen. Entscheidend ist der Grad der Anreicherung. Der Ausgangsstoff Uranerz besteht zu rund 99,3 Prozent aus Uran 238; das spaltbare Uran 235 macht nur etwa 0,7 Prozent aus. Für die Nutzung in Kernreaktoren muss der Anteil von Uran 235 auf drei bis fünf Prozent gesteigert werden, für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 85 Prozent notwendig.
Anreicherung
Uranerz wird nach dem Abbau zunächst zu einem gelblichen Pulver verarbeitet, dem sogenannten Yellowcake. Es dient zur Herstellung von Brennelementen für Reaktoren, kann aber zwecks Anreicherung auch in Uran-Hexafluorid (UF6) umgewandelt werden, das bis 56 Grad Celsius in kristalliner Form vorliegt und darüber gasförmig ist.

Die meisten Anreicherungsanlagen weltweit basieren auf der Gasdiffusion: Gasförmiges Uran-Hexafluorid wird durch halbdurchlässige Membrane gepresst, wobei sich das Uran 235 vom Rest trennt. Das Verfahren gilt inzwischen jedoch aufgrund seines hohen Energiebedarfs als veraltet.

Eine modernere Methode ist die Gaszentrifuge, an der auch in Iran experimentiert wird. Bei ihr macht man sich den Massenunterschied zwischen beiden Uran-Isotopen zunutze: Wird Uran-Hexafluorid in die Zentrifugen gegeben, sammeln sich die schwereren Uran-238-Moleküle bei bis zu 70.000 Umdrehungen pro Minute außen in den Zylindern, die Uran-235-Moleküle bleiben innen.
Einsatz in Atomwaffen
Für den Einsatz in Kernreaktoren genügt es bereits, wenn Uran 235 zu drei bis fünf Prozent in den Brennelementen angereichert ist. Ab 20 Prozent ist von hochangereichertem Uran die Rede. Für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 80 Prozent erforderlich, da sonst eine zu große Uranmenge notwendig wäre.

Uran 235 kam in der ersten jemals eingesetzten Atombombe, die am 6. August 1945 Hiroshima zerstörte, als Sprengstoff zum Einsatz. Die Sprengkraft lag bei rund 13 Kilotonnen TNT. Die Bombe, die drei Tage später auf Nagasaki abgeworfen wurde, erreichte 20 Kilotonnen TNT. In ihr kam allerdings nicht Uran zum Einsatz, sondern Plutonium 239, das per Neutronenbeschuss in Brutreaktoren aus Uran 238 gewonnen wird.

Fotostrecke

Irans Atomprogramm

Streit
AP

Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Anlagen
Arak : geplanter Schwerwasserreaktor
Buschehr : Atomkraftwerk, im Mai 2011 nach mehrfachen Terminverschiebungen in Betrieb genommen - zunächst zu Testzwecken. Im September 2011 ging der Reaktor in Regelbetrieb, allerdings noch nicht auf voller Leistung
Isfahan : Forschungsreaktor
Jasd: Uranminen
Natans : Anlage zur Urananreicherung, angeblich mit 6000 Zentrifugen in Betrieb. Im Herbst 2009 gab Iran bekannt, nahe der Stadt Ghom eine zweite Anlage zur Urananreicherung zu besitzen.
Teheran : Forschungsreaktor
Geschichte
1974: Unter Beteiligung von Siemens beginnt bei Buschehr der Bau eines Kernkraftwerks.
1979: Nach der Revolution und der Ausrufung der Islamischen Republik wird das Atomprogramm nicht weiter betrieben.
1980-1988: Im Irak-Iran-Krieg wird der Atomreaktor in Buschehr mehrfach bombardiert und dabei schwer beschädigt.
Neunziger Jahre: Deals auf dem Schwarzmarkt mit Abdul Qadir Khan , Pakistans "Vater der Atombombe"
1995: Abkommen mit Russland zum Wiederaufbau des Atomreaktors von Buschehr
2002: Iranische Oppositionelle im Exil berichten über ein geheimes Atomprogramm.
2003: Iran unterzeichnet das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag (bislang aber nicht vom Parlament ratifiziert).
2006: Der Uno-Sicherheitsrat verlangt in seiner Resolution 1696 erstmals den Stopp der Urananreicherung .
Juli 2008: Iran droht bei einem Angriff auf seine Atomanlagen mit militärischen Gegenschlägen. Das Regime testet Schahab-3-Raketen, die auch Ziele in Israel erreichen könnten.
November 2008: Iran hat nach eigenen Angaben die Zahl seiner für die Urananreicherung benötigten Zentrifugen auf 5000 erhöht.
Juni 2009: Iran hat laut Internationaler Atomenergiebehörde IAEA weitere tausend Gaszentrifugen im Atomzentrum Natans in Betrieb genommen und bisher knapp 1,4 Tonnen niedrig angereichertes Uran produziert.
Mai 2010: Nach Verhandlungen mit dem brasilianischen Präsidenten Lula und dem türkischen Regierungschef Erdogan erklärt sich Iran bereit, schwach angereichertes Uran im Ausland zu tauschen. Wenig später kündigt Teheran an, an der umstrittenen Urananreicherung auf 20 Prozent festhalten zu wollen.
Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat, die EU und die USA beschließen neue Sanktionen gegen Teheran. US-Präsident Obama spricht von den bisher härtesten Sanktionen überhaupt - doch Beobachter bleiben skeptisch, ob die Strafmaßnahmen Erfolg bringen.
Sanktionen
REUTERS

Uno-Sanktionen: Verbot von Waffen- und Nuklearhandel, Einfrieren von Konten, Reisebeschränkungen, verhängt in Resolution 1737 (23.12.2006), Resolution 1747 (24.03.2007), Resolution 1803 (03.03.2008)

Sanktionen der USA: Vollständiger Handels- und Investitionsboykott, beruhend auf Executive Order 12959 von 1995, neue Sanktionen im Juni 2010

Sanktionen der EU: Einschränkungen für Handel und Investitionen, Einfrieren von Vermögen, Reisebeschränkungen, beruhend auf Verordnung (EG) Nr. 423/2007 des Rates (19.04.2007)

Nahost
dpa

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärt, das israelische "Besatzungsregime" müsse "aus den Annalen der Geschichte verschwinden".
Israelische Politiker, darunter auch Kabinettsmitglieder, sprechen sich für präventive Militärschläge gegen Iran aus.
Personen
Said Dschalili , Atomunterhändler seit Oktober 2007
Yukiya Amano , Generaldirektor der IAEA
Der Verhandlungspoker um die Urananreicherung
Oktober 2009: Vertreter Irans, Deutschlands und der fünf Vetomächte im Sicherheitsrat kommen zu Atom-Gesprächen in Genf zusammen.
November 2009: Die IAEA kritisiert in einer Resolution die jahrelang geheim gehaltene iranische Urananreicherungsanlage bei Ghom. Teheran reagiert mit der Ankündigung, zehn neue Uran-Anlagen zu bauen.
Dezember 2009: Iran testet die Mittelstreckenrakete Sedschil 2. Diese habe größere Zielgenauigkeit als das Vorgängermodell Schahab 3.
2. Februar 2010: Ahmadinedschad zeigt sich bereit, auf einen Vorschlag der IAEA einzugehen, der eine Anreicherung iranischen Urans auf 20 Prozent im Ausland vorsieht. Wenige Tage später rudert er wieder zurück.
7. Februar 2010: Iran verkündet, man habe niedrig angereichertes Uran von 3,5 auf 20 Prozent gebracht und sei in der Lage, es auf 80 Prozent anzureichern. Damit könnten Atomwaffen hergestellt werden.
11. Februar 2010: US-Präsident Barack Obama kündigt als Reaktion umfangreiche neue Sanktionen gegen Iran an.
1. April 2010: Nach langem Widerstand gegen neue Sanktionen ist China bereit, sich an den Verhandlungen über den Text einer verschärften Uno-Resolution zu beteiligen.
25. April 2010: Zur Abwehr neuer Sanktionen besucht Irans Außenminister Manutschehr Mottaki Österreich. Gespräche mit dem Chef der IAEA, Yukija Amano, und Österreichs Außenminister Michael Spindelegger bringen jedoch keinen Durchbruch.
17. Mai 2010: Nach Verhandlungen mit Brasilien und der Türkei lenkt Iran ein und will Uran im Ausland anreichern lassen. Doch die internationale Gemeinschaft reagiert skeptisch auf die Ankündigung.
9. Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat beschließt schärfere Sanktionen gegen Iran. Sie beinhalten weitere Hürden für die iranische Finanzbranche und eine Ausweitung des Waffenembargos. Auch die USA und die EU setzen schärfere Maßnahmen gegen Iran in Kraft.
Januar 2011: Die Atomgespräche zwischen Iran und den westlichen Mächten in Istanbul scheitern. Teheran hatte weiterhin "ein Recht auf Urananreicherung" gefordert.

Republik Iran

Land
REUTERS

Die Islamische Republik Iran ist mit einer Fläche von rund 1,7 Millionen Quadratkilometern fünfmal so groß wie Deutschland. Das Land besitzt nach Russland die zweitgrößten Erdgasreserven der Welt, beim Erdöl steht Iran auf Platz drei und ist derzeit nach Saudi-Arabien der größte Produzent innerhalb der Opec.
Politik
dpa

Seit der Islamischen Revolution von 1979 haben der Revolutionsführer, aktuell Ajatollah Ali Chamenei (Bild), und der Wächterrat die größte Macht im Staat. Der Wächterrat kontrolliert die Kandidaten für Wahlen. Der Regierungschef ist der gewählte Präsident - seit August 2013 Hassan Rohani.
Leute
Corbis

Iran hat rund 75 Millionen Einwohner. Auf dem Uno-Index menschlicher Entwicklung (HDI) für 179 Staaten belegt Iran Platz 76 (Deutschland ist auf Platz 5). Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 73 Jahren (zum Vergleich: Die Lebenserwartung in Deutschland liegt bei 80 Jahren).
Wirtschaft
REUTERS

Die Wirtschaftsleistung pro Kopf betrug 2008 laut einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) rund 5200 Dollar. Begünstigt vom hohen Ölpreis wuchs die Wirtschaft zuletzt um etwa sechs Prozent. Neben der Arbeitslosenquote, die laut inoffiziellen Schätzungen bei etwa 30 Prozent liegt, ist die Inflation eines der größten wirtschaftlichen Probleme. 2008 soll sie bei fast 30 Prozent gelegen haben, für 2009 rechnet der IWF mit 25 Prozent. Im Jahr 2005 machten Teherans Ausgaben für das Militär laut Uno-Statistiken 5,8 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus (Deutschland: 1,4 Prozent).
Menschenrechte
REUTERS

Nach China ist Iran das Land, in dem die meisten Todesurteile vollstreckt werden. Laut Amnesty International wurden 2009 mindestens 388 Menschen hingerichtet, das waren 42 Hinrichtungen mehr als im Vorjahr. Der Uno zufolge saßen 2007 pro 100.000 Einwohner 214 Menschen im Gefängnis (in Deutschland sind es 95). Korruption ist in Iran weit verbreitet. Auf dem weltweiten Index von Transparency International nimmt Iran 2009 bei 180 beobachteten Staaten den 168. Rang ein (Deutschland: 14).

Chronik

Aufstieg von Mohammed Resa
AFP

Im Zweiten Weltkrieg gilt der monarchische Staat Iran als Freund der Achsenmächte. Britische und sowjetische Truppen besetzen daher 1941 das Land. Resa Schah muss abdanken. Die Alliierten inthronisieren seinen Sohn Mohammed Resa . Wegen seiner proamerikanischen Reformpolitik gerät der Schah erstmals 1963 in die Kritik von Ajatollah Ruhollah Chomeini, einem damals hochrangigen religiösen Führer, den die Regierung ein Jahr später in die Türkei abschiebt. Chomeini geht schließlich in den Irak. Dort bleibt er 13 Jahre und entwickelt er das Staatsmodell des islamischen Staates. Mit seiner repressiven Politik und seinem dekadenten Herrschaftsstil bringt der Schah eine wachsende Opposition aus sehr unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Schichten gegen sich auf.
Ajatollah Chomeini und die islamische Revolution
Getty Images

1978 mobilisieren Liberale und Konservative, Säkulare und Religiöse, Linke und Rechte Massenproteste gegen den Schah. Zur Leitfigur des Protests wird Ajatollah Chomeini. Den landesweiten Streiks und Massendemonstrationen in Teheran schließen sich Hunderttausende an. Armee und Polizei gehen teilweise brutal gegen die Demonstranten vor. Dennoch enden die Proteste mit dem Sturz des Schahs am 16. Januar 1979. Nach Chomeinis Rückkehr aus dem Exil in Frankreich, wohin er 1978 gedrängt worden war, spricht sich die Bevölkerung in einem Referendum für die Islamische Republik aus, deren oberster Führer der Großajatollah selbst wird.

Die Außenpolitik Chomeinis wendet sich vor allem gegen die USA und Israel. Am 4. November 1979 besetzen islamische Kräfte die amerikanische Botschaft und nehmen mehr als 50 Geiseln, die erst nach 444 Tagen wieder freikommen. Chomeini billigt die Aktion. Die Beziehungen zu den USA erreichen ihren Tiefpunkt. Unterstützt von den USA überfällt der Nachbarstaat Irak am 22. September 1980 Iran. In dem folgenden acht Jahre langen Krieg zwischen den beiden Ländern sterben etwa eine Million Menschen.
Phase der Islamisierung
REUTERS

Im Laufe des Kriegs treibt die Regierung die Islamisierung des Landes voran. Für Frauen gilt eine strenge Kleiderordnung, in öffentlichen Verkehrsmitteln die Geschlechtertrennung. Chomeini lässt linksgerichtete politische Häftlinge ermorden, vor allem Anhänger der Volksmudschahidin, die noch während der Revolution auf Seiten Chomeinis standen.

1989 stirbt der religiöse Führer. Der Expertenrat, ein Gremium aus höchsten religiösen Sachverständigen, ernennt Ajatollah Ali Chamenei zum Nachfolger. In den Folgejahren hat Iran stark unter zunehmender Korruption zu leiden. Die Liberalisierung der Wirtschaft bleibt weitgehend wirkungslos. Bereits 1995 verhängen die USA erste wirtschaftliche Sanktionen, weil Iran nach US-Auffassung den internationalen Terrorismus unterstützt.
Vom Reformer Chatami zum Hardliner Ahmadinedschad
AFP

Der als liberaler Geistlicher geltende Mohammed Chatami gewinnt 1997 die Präsidentschaftswahl. Seine innenpolitischen Reformbemühungen geraten allerdings ins Stocken, da er versucht, zu viele politische Lager zusammenzubringen, und die nach wie vor einflussreichen konservativen Hardliner erheblichen Widerstand leisten. Im Juni 2005 erobert der frühere Bürgermeister Teherans und konservative Hardliner Mahmud Ahmadinedschad das Amt des Präsidenten. Außenpolitisch sorgt er vor allem durch Vorantreiben eines Atomprogramms und harsche verbale Angriffe gegen Israel für Ärger. Infolge seiner Wiederwahl als Präsident im Sommer 2009 kam es wegen Unregelmäßigkeiten zu wochenlangen Massenprotesten, die teils brutal niedergeschlagen wurden. Zahlreiche Demonstranten wurden getötet, Hunderte Menschen verhaftet.
Entspannung gegenüber dem Westen
Bei der neuerlichen Präsidentenwahl im Sommer 2013 durfte Ahmadinedschad nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten. Es siegte der als gemäßigt geltende Kandidat Hassan Rohani, der seitdem mildere Töne nach außen anstimmt. Der Westen und Iran einigen sich im November auf einen "Gemeinsamen Aktionsplan" im Streit um das iranische Atomprogramm.

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