09.03.2012
Vermessung mit U-Booten
Fotos zeigen "Titanic"-Wrack in allen Details
Hamburg - Was passierte genau in der Nacht des 14. April 1912? Die "Titanic" galt als unsinkbar, rammte jedoch auf ihrer Jungfernfahrt einen Eisberg und sank. Rund 1500 Menschen kamen zu Tode. Das Wrack des Ozeanriesen liegt seitdem auf dem Grund des Nordatlantiks in 3800 Metern Tiefe.
Wissenschaftler haben nun nach eigenen Angaben die bisher genaueste Karte des Unglücksorts erstellt. Sie setzten etwa 130.000 Fotos und Schallwellen-Aufnahmen zusammen. "Es ist, als würde der Raum auf einmal erleuchtet", schwärmt der Historiker Parks Stephenson, der das Projekt der Organisation "RMS Titanic" begleitet hat. Normalerweise liegt das Grab des berühmten Kreuzfahrtschiffs in vollkommener Dunkelheit.
Die Aufnahmen wurden 2010 von zwei ferngesteuerten U-Booten aus gemacht. Die "Titanic" und der Meeresboden wurden gefilmt und mit Schallwellen vermessen. Besonderes Augenmerk galt dem Trümmerfeld. Meeresforscher der Woods Hole Oceanographic Institution im US-Bundesstaat Massachusetts und der US-Wetterbehörde NOAA haben die Erkundungen unterstützt, der TV-Sender "History Channel" präsentiert sie nun der Öffentlichkeit ("Titanic - Beweise aus der Tiefe", 15. April, 20.30 Uhr).
Fünf große Dampfkessel, eine Drehtür
Die Bilder des acht mal fünf Kilometer großen Gebiets am Meeresgrund zeigten, was geschehen sei in jener Aprilnacht vor 100 Jahren, sagt Paul-Henry Nargeolet, ein Leiter der Expedition. Schürfspuren am Grund etwa bewiesen, dass sich das Heck des Schiffes beim Sinken gedreht hätte wie das Hinterteil eines Helikopters - die "Titanic" taumelte zu Boden.
Am Grund lägen auch fünf große Dampfkessel, eine Lukenöffnung, eine Drehtür, ein 40-Tonnen-Stück des Schiffrumpfs und andere Dinge, die offenbar beim Aufschlag auf den Boden abgebrochen seien. Computersimulationen, die aus den Bildern erstellt werden, sollen nun den genauen Hergang der historischen Katastrophe zeigen. Möglicherweise ergäben sich neue Aufschlüsse über Konstruktionsfehler in dem als Technikwunder gefeierten Großschiff.
boj/AP

