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24.03.2012
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Zwischenfall im Kühlsystem

Schweizer müssen uralten Reaktor abschalten

Kernkraftwerk Beznau: Defekte Kühlpumpe im Reaktor 2
REUTERS

Kernkraftwerk Beznau: Defekte Kühlpumpe im Reaktor 2

Es ist das derzeit dienstälteste Kernkraftwerk der Welt und höchst umstritten. Jetzt wurde einer der Reaktoren abgeschaltet: Im AKW Beznau im Schweizer Aargau ist offenbar eine Pumpe des Kühlsystems defekt. Atomkraftkritiker fordern schon länger die Abschaltung der 42 Jahre alten Anlage.

Döttingen - Der Reaktorblock eines höchst umstrittenen Kernkraftwerks in der Schweiz ist am Freitagabend abgeschaltet worden. Den Angaben der Betreiberfirma Axpo zufolge gibt es eine Störung am Wellendichtungssystem einer der Reaktorhauptpumpen. Man habe den Reaktorblock 2 deshalb "gemäß der Betriebsvorschrift" abgeschaltet. Die Reaktorhauptpumpen sind dafür verantwortlich, dass der Primärkreis der Anlage gekühlt wird. Der zweite Reaktorblock des Kraftwerks arbeite "stabil" und sei weiterhin am Netz. Das eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) sei umgehend von dem Zwischenfall informiert worden. Die Reparatur werde wohl mehrere Tage dauern.

Das Kernkraftwerk Beznau ist idyllisch gelegen - und höchst umstritten. Auf einer künstlichen Insel im Schweizer Fluss Aare stehen zwei Druckwasserreaktoren, die derzeit einen Rekord halten: Beznau ist das älteste noch in Betrieb befindliche Kernkraftwerk der Welt. Seit 1969 und 1971 sind die Reaktoren 1 und 2 in Betrieb, der jetzt abgeschaltete Reaktor ist der jüngere der beiden. Als im Februar 2012 das britische Kraftwerk Oldbury abgeschaltet wurde, rückte Beznau auf die Methusalem-Position auf. Es gehört der gleichen Kraftwerksgeneration an wie das Katastrophen-AKW Fukushima Daiichi in Japan, das etwa zur gleichen Zeit errichtet wurde.

"Risse im Reaktormantel"

Die Betreiber betonen, dass das Kraftwerk auf dem aktuellen Stand der Sicherheitstechnik sei. Die Sicherheitsvorkehrungen würden "seit Bestehen laufend nachgerüstet". Auch die europäischen Stresstests, die infolge der Katastrophe von Fukushima durchgeführt wurden, habe Beznau sämtlich bestanden. Den Betreibern zufolge ist das Kraftwerk selbst im Fall von Erdbeben, Hochwasser oder Flugzeugabstürzen sicher.

Doch schon seit einiger Zeit fordern Politiker in der Schweiz immer wieder die Abschaltung des betagten Kraftwerks. Anfang März sagte der grüne Nationalrat Geri Müller der "Aargauer Zeitung": "Beznau läuft noch, obwohl es Risse im Reaktormantel hat und eine mangelhafte Notstromversorgung aufweist. Das ist untragbar." Der Schweizer Atomkraftkritiker Heini Glauser befürchtet zudem, dem Kraftwerk auf der Flussinsel könnte im Fall eines Extremhochwassers ein ähnliches Schicksal drohen wie der Unfall-Anlage in Fukushima, das durch den Tsunami infolge eines starken Erdbebens im Pazifik überflutet worden war, was die Katastrophe auslöste. Die maximale Höhe eines solchen Extremhochwassers für den Standort Beznau werde "deutlich unterschätzt", so Glauser.

Beide Reaktoren bekommen derzeit neue Notstromaggregate

Die Betreiber sehen all das naturgemäß anders. "Die Sicherheit hatte und hat für die Axpo stets höchste Priorität", teilte der Konzern kürzlich mit. 1,6 Milliarden Franken seien in den vergangenen Jahren in Beznau investiert worden, weitere 700 Millionen Franken würden in den nächsten Jahren folgen. Die Reaktordruckdeckel seien vollständig intakt, würden aber gewissermaßen vorsichtshalber ausgewechselt, weil in vergleichbaren Anlagen Ermüdungserscheinungen beobachtet worden seien. Auch der Reaktorbehälter weise kein Risse auf. Beide Reaktoren in Beznau werden derzeit mit Diesel-Notstromaggregaten nachgerüstet.

Erst vor einigen Wochen hatte das Schweizer Bundesverwaltungsgericht einem weiteren, ähnlich alten Kernkraftwerk, dem AKW Mühleberg, seine unbefristete Betriebserlaubnis entzogen. Nun soll das Kraftwerk nur noch bis zum 28. Juni 2013 weiterlaufen - die Betreiber können allerdings noch eine Verlängerung beantragen. Die Schweizer Grünen fordern schon seit einiger Zeit eine generelle Laufzeitbegrenzung für Atomkraftwerke auf maximal 45 Jahre. Atomkraftgegner prüfen rechtliche Schritte gegen das Kraftwerk Beznau.

Auch die Schweizer Sozialdemokraten (SP) erwägen derzeit, sich für eine Laufzeitbegrenzung einzusetzen. Nach der Katastrophe von Fukushima hatten Bundesrat und Parlament in der Schweiz entschieden, schrittweise aus der Atomkraft auszusteigen. Die noch existierenden Schweizer AKW sollen aber vorerst weiterlaufen - bis zu einer voraussichtlichen Betriebsdauer von etwa 50 Jahren. Damit könnte Beznau weitere acht Jahre am Netz bleiben.

cis

Forum

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insgesamt 440 Beiträge
1. Kein Problem
herrwurlstein 24.03.2012
Wie aus gut unterrichteten Kreisen mitgeteilt wurde, gab es zu keiner Zeit irgendeine Gefahr für die Bevölkerung. Da bin ich ja froh.
Zitat von sysopEs ist das derzeit dienstälteste Kernkraftwerk der Welt und höchst umstritten. Jetzt wurde einer der Reaktoren abgeschaltet: Im AKW Beznau im Schweizer Aargau ist offenbar eine Pumpe des Kühlsystems defekt. Atomkraftkritiker fordern schon länger die Abschaltung der 42 Jahre alten Anlage. Zwischenfall im Kühlsystem: Schweizer müssen uralten Reaktor abschalten - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,823455,00.html)
Wie aus gut unterrichteten Kreisen mitgeteilt wurde, gab es zu keiner Zeit irgendeine Gefahr für die Bevölkerung. Da bin ich ja froh.
2. 42 Jahre
die_piratenbraut 24.03.2012
Eine 42 Jahre gilt schon als alt und zeigt große Materialermüdung? Planen die heutigen Phantasten bei neuen Kernkraftwerken nicht mit 60 Jahren Laufzeit, damit sich die Technik überhaupt finanziell lohnt?
Zitat von sysopEs ist das derzeit dienstälteste Kernkraftwerk der Welt und höchst umstritten. Jetzt wurde einer der Reaktoren abgeschaltet: Im AKW Beznau im Schweizer Aargau ist offenbar eine Pumpe des Kühlsystems defekt. Atomkraftkritiker fordern schon länger die Abschaltung der 42 Jahre alten Anlage.
Eine 42 Jahre gilt schon als alt und zeigt große Materialermüdung? Planen die heutigen Phantasten bei neuen Kernkraftwerken nicht mit 60 Jahren Laufzeit, damit sich die Technik überhaupt finanziell lohnt?
3. Stresstest
tangarra 24.03.2012
Es gibt kein Atomkraftwerk in Europa, das den Stresstest nicht bestanden hat. Was muss alles fehlen oder defekt sein, damit ein Atomkraftwerk den Stresstest nicht besteht?
Zitat von sysopAuch die europäischen Stresstests, die in der Folge der Katastrophe von Fukushima durchgeführt wurden, habe Beznau sämtlich bestanden. Zwischenfall im Kühlsystem: Schweizer müssen uralten Reaktor abschalten - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,823455,00.html)
Es gibt kein Atomkraftwerk in Europa, das den Stresstest nicht bestanden hat. Was muss alles fehlen oder defekt sein, damit ein Atomkraftwerk den Stresstest nicht besteht?
4.
Altesocke 24.03.2012
Das ist doch gar nicht gewollt! Fehlen muesste im Grunde nur diese rosarote Brille "Atomstrom ist so billig'. Weil dann koennte ein Stresstest auch mal so gestrickt sein, das der eine oder der andere durchfaellt. Ich [...]
Zitat von tangarraEs gibt kein Atomkraftwerk in Europa, das den Stresstest nicht bestanden hat. Was muss alles fehlen oder defekt sein, damit ein Atomkraftwerk den Stresstest nicht besteht?
Das ist doch gar nicht gewollt! Fehlen muesste im Grunde nur diese rosarote Brille "Atomstrom ist so billig'. Weil dann koennte ein Stresstest auch mal so gestrickt sein, das der eine oder der andere durchfaellt. Ich erinnere nur an den europaeischen Bankenstrsstest. Alles gut, nach einigen monaten 'oops, wir bauchen Geld'
5. Warum das denn
pirx64 24.03.2012
Ist doch alles sicher und Entsorgungsprobleme gibt es doch auch nicht ;)
Zitat von sysopEs ist das derzeit dienstälteste Kernkraftwerk der Welt und höchst umstritten. Jetzt wurde einer der Reaktoren abgeschaltet: Im AKW Beznau im Schweizer Aargau ist offenbar eine Pumpe des Kühlsystems defekt. Atomkraftkritiker fordern schon länger die Abschaltung der 42 Jahre alten Anlage. Zwischenfall im Kühlsystem: Schweizer müssen uralten Reaktor abschalten - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,823455,00.html)
Ist doch alles sicher und Entsorgungsprobleme gibt es doch auch nicht ;)

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