16.05.2012
Projekt "Spice"
Briten bestellen Klimaklempner wieder ab
Erdatmosphäre (von der ISS, Juli 2009): Streit um Geo-Engineering
Berlin - Es sollte ein spektakulärer Versuch werden: Vom ehemaligen britischen Luftwaffenstützpunkt Sculthorpe wollten Forscher mehrerer britischer Universitäten einen knapp 20 Meter langen Heliumballon in die Atmosphäre aufsteigen lassen. An der Unterseite des Fluggeräts sollte ein etwa ein Kilometer langer Wasserschlauch befestigt werden - und Wasser im Namen des Weltklimas versprühen. Größere Fluggeräte sollten folgen.
Beim sogenannten Spice-Projekt ("Stratospheric Particle Injection for Climate Engineering") wollten die Forscher eine Technologie erproben, um feine Schwebeteilchen in der Atmosphäre zu verteilen. Das ist eines der Rezepte, mit dem manche Wissenschaftler aktiv ins Weltklima eingreifen wollen. Geo- oder Climate Engineering heißt das Ganze. Doch nun sind die nicht unumstrittenen Pläne zu den Akten gelegt worden - vor allem wegen eines Patents.
Spice-Chefwissenschaftler Matt Watson, ein Geophysiker von der Bristol University, erklärte, alle Partner hätten sich geeinigt, auf den Start des Testballons zu verzichten. Neben seiner Hochschule hatten auch die Universitäten in Cambridge und Oxford an dem Projekt mitgearbeitet.
Einer der Gründe für das Aus war ein Patentantrag. Dieser sei eingereicht worden, bevor das Projekt zur Förderung bei der britischen Forschungsförderung angemeldet wurde, so Watson. Die anderen Beteiligten hätten allerdings erst nach einem Jahr Projektlaufzeit davon gehört. Die möglichen Interessenkonflikte hätten vielen Mitarbeitern, so auch ihm, gehörige Bauchschmerzen bereitet, erklärte Watson.
Die Idee mit dem Ballon klang einigermaßen simpel: Schwebeteilchen sollten dafür sorgen, dass in der Atmosphäre mehr einströmendes Sonnenlicht zurück ins All reflektiert wird. Dadurch würde sich die Erde weniger aufheizen, auch wenn Treibhausgasemissionen weiter steigen. Manche Vulkansausbrüche wirken ähnlich kühlend.
Die Technik des Geo-Engineering gilt als umstritten. Kritiker monieren, dass die Auswirkungen solcher Eingriffe nicht zu kontrollieren wären. Auch das war wohl ein Grund für das Ende des Spice-Projekts. Der Start war bereits um mehrere Monate verschoben worden, um mehr Gespräche mit der Bevölkerung des Gebiets um den Startplatz zu führen.
chs
