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15.06.2012
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Schaltsekunde am 1. Juli

Wenn die Zeit kurz stillsteht

Atomuhr (in Braunschweig, Dezember 2009): Festhalten an der Schaltsekunde
DPA

Atomuhr (in Braunschweig, Dezember 2009): Festhalten an der Schaltsekunde

Alle Uhren stehen still - weil der Internationale Dienst für Erdrotation es will. In der Nacht zum 1. Juli gibt es eine sogenannte Schaltsekunde - damit Atomuhren weiterhin zuverlässig unsere Zeit bestimmen können. Die Erde dreht sich nämlich zu langsam.

Braunschweig - Eigentlich ist alles klar: Unsere offizielle Zeit wird von hochgenauen Atomuhren bestimmt. Das Problem ist aber, dass die im Jahr 1967 festgelegte und bis heute gültige Dauer der Atomsekunde sich an astronomischen Daten vergangener Jahrzehnte orientiert.

Und damals drehte sich die Erde eben noch etwas schneller als heute. Grund für die minimale Verlangsamung sind die Anziehungskräfte zwischen Erde, Mond und Sonne, die auch Ebbe und Flut hervorrufen. Die ständige Reibung zwischen Wasser und Land raubt der Erde über die Jahrmillionen hinweg Energie, mit der sie sich um ihre eigene Achse dreht. Durch die Festlegung vor mehr als 40 Jahren ist daher eine Sekunde zustande gekommen, die minimal kürzer ist der Wert, der sich aus der aktuellen Erdrotation errechnen lässt.

Um Atom- und Sonnenzeit in Einklang zu bringen wurde daher beschlossen, eine Zeitskala mit sogenannten Schaltsekunden als weltweite Referenzzeit zu nehmen. Und genau so eine Schaltsekunde wird nun in der Nacht zum 1. Juli eingefügt. Das hat die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig mitgeteilt. Beschlossen hat die Zusatzsekunde der Internationale Dienst für Erdrotation und Referenzsysteme (IERS) in Paris, hieß es.

Es ist bereits die 25. Schaltsekunde seit 1972. Nötig sind die "geschenkten" Sekunden, weil Sonnen- und Atomzeit nicht exakt gleich sind. Funkuhren stellen sich automatisch um. Am 1. Juli folgt also auf 01.59.59 Uhr MESZ erst 01.59.60 Uhr und dann erst 02.00.00 Uhr. Uhren, die per Hand gestellt werden, müssten um eine Sekunde angehalten werden.

Zuletzt hatten sich mehrere Länder, darunter die USA und Frankreich, für die Abschaffung der Schaltsekunde stark gemacht. Sie führen vor allem an, dass weltweit Computer manuell nachgeregelt werden müssen. Das ist ein kostspieliges Unternehmen, das zudem fehleranfällig ist. Großbritannien, Kanada, Deutschland und China verteidigen die Schaltsekunde dagegen. Nach einer Beratung bei der ITU ist aber seit Anfang des Jahres klar: Die Schaltsekunde wird vorerst nicht abgeschafft. Und in drei Jahren wird erneut beraten.

chs/dpa

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