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23.07.2012
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Für neue Bestmarken

Der gläserne Segler

Von Steffen Müller
Technische Hilfsmittel im Segeln: Dank Wind und Wasser zum Erfolg
Fotos
SAP

Vorsprung durch Technik: Durch die Verbesserung von Strömungsmessungen und GPS hofft die deutsche Segelnationalmannschaft auf einen Vorteil bei den Olympischen Spielen. Zusätzlich sollen die Technologien den Sport für den Zuschauer transparenter machen.

Hamburg - Die Olympischen Spiele 2012, die am 27. Juli in London beginnen, bedeuten den ersten großen Test: Seit nunmehr eineinhalb Jahren arbeitet die Deutsche Segelnationalmannschaft zusammen mit dem Software-Unternehmen SAP an technologischen Lösungen, die den Seglern des Sailing Teams Germany (STG) einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz verschaffen sollen.

Zu einem der bedeutsamsten Projekte zählt die Nutzung der Meeresströmung. Strömungsmessungen im Segeln sind keine revolutionäre Erfindung, die Weiterentwicklung durch das STG und dem Softwareunternehmen kommt dennoch einer kleinen Revolution gleich: Spezielle Strömungstonnen, die mit Sensoren ausgestattet sind, erfassen die Bewegungen im Wasser. Die Daten der sogenannten Stromlösung werden kalibriert und mit Ergebnisse aus Windströmungsmodellen kombiniert.

Durch Berechnungen der Windturbulenzen, die aufgrund der grafischen Gegebenheiten an Land entstehen, und den Einfluss der Meeresströmung kann die schnellste Route auf dem Wasser berechnet werden - ein bisher einmaliger Vorgang.

Das olympische Revier in Weymouth, 190 Kilometer südwestlich von London gelegen, gilt als schwer durchschaubar. "Es ist ein komplexes Seegebiet", sagt Simon Grotelüschen. Der 25-Jährige zählt zum erweiterten Kreis der Medaillenkandidaten in seiner Bootsklasse "Laser Standard" und ist über jede zusätzliche Information dankbar. Der Medizinstudent gesteht zwar ein, dass sich die Technik noch in der Entwicklung befindet, dennoch seien die Strömungstools schon jetzt hilfreich. "So können wir den Engländern etwas von ihrem Heimvorteil nehmen."

Zusammenarbeit für die Zukunft

Die Kooperation zwischen dem STG und SAP ist ein langfristiges Projekt. Erst bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016 sollen die Auswirkungen richtig zum Tragen kommen. "Für Rio planen wir noch mehr Sensordaten, um eine noch detailliertere Analyse zu ermöglichen", sagt Stefan Lacher, Entwickler bei SAP. Ziel sei es, Deutschland wieder zu einer der führenden Segelnationen zu machen. "Vieles geht in Richtung Zukunft und Nachwuchs", sagt Marcus Baur, Direktor der Segelakademie des STG mit dem Fokus auf Technologieentwicklung.

Doch bereits jetzt zahlt sich da Arbeit aus: In London geht das jüngste deutsche Team aller Zeiten an den Start, zwölf Athleten in acht Bootsklassen stechen vor Weymouth in See. Für den zweimaligen Olympiateilnehmer Baur bringt die Zusammenarbeit Vorteile für Sportler und Sportart.

Durch den verstärkten Einsatz von GPS-Sendern im Training und bei Rennen entsteht eine umfassende Datenansammlung über Bootseinstellungen, Windverhältnisse und Routenwahl. Diese Informationen können Trainer und Athleten nutzen, um ihre Kurse besser zu bewerten, Fehler zu erkennen und Optimierungen vorzunehmen.

"Ein Drittel des Segelns besteht aus Datenbeschaffung. Durch Trimminginformationen können sich die Sportler besser auf die Segelreviere einstellen", sagt Baur. 40 bis 60 Justierleistungen sind vor jedem Start nötig. Mastbiegung, Stellung und Wölbung der Segel, Takelage - die Variationsmöglichkeiten beim Set-up sind vielfältig. Mit einer eigens erstellten Software zur Datenerfassung und -speicherung können die deutschen Segler ihre Boote bereits vor der ersten Trainingsfahrt konfigurieren und bei der Einsegelphase wichtige Zeit bei der Suche nach der optimalen Einstellung sparen. In einer Datenbank werden sämtliche Informationen gesammelt, die von Segler zu Segler weiter gegeben werden können. Baur: "Das Segeln entwicklt sich so vom Erfahrungs- zum Faktenwissen."

Segeln soll für Zuschauer übersichtlicher werden

Die durch GPS-Sensoren erfassten Daten dienen nicht nur Athleten und Trainern. Dank der technischen Weiterentwicklungen wird das Segeln für die Zuschauer nachvollziehbar. "Wir wollen Fans und Sport vereinigen", sagt Baur. "Segeln hat das Potential, Zuschauermagnet zu sein." Bisher waren Live-Übertragungen an der Anschauung gescheitert. Kommentatoren waren nur schlecht über die Vorgänge auf dem Wasser informiert, TV-Bilder gaben nur wenig Aufschluss über die taktisch komplexen Rennen.

Die vermehrt zum Einsatz kommenden GPS-Tracker ermöglichen nun beinahe in Echtzeit das Geschehene zu erfassen und wiederzugeben. "Unser Wunsch ist es, immer mehr Menschen vom Segelsport zu begeistern", sagt Lacher. Eine Aufarbeitung der Rennen in 3D ist mittlerweile möglich, doch die Wettkämpfe bleiben für eine Live-Übertragung noch zu unübersichtlich.

"Segeln ist der Mount Everest der Sportberichterstattung und wir haben jetzt das Basiscamp errichtet", sagt Baur. Bis zum Gipfel ist es noch ein weiter Weg. Olympische Erfolge wären ein Schrittmacher auf dem ersten Teil des Anstiegs. Und neben Medaillen eine weitere Inspiration für die deutschen Segelnationalmannschaft.

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insgesamt 1 Beitrag
1. Unvorhersagbarkeit
Ursprung 23.07.2012
Beim Segeln (mit etwa gleichen Booten und gleich gutem Segelkoennen) zu gewinnen, hiess bisher, den Zufall (Winddrehung) auf seiner Seite zu haben. Trotzdem scheinen einige Ausnahmeerscheinungen im Segelsport einen [...]
Zitat von sysopVorsprung durch Technik: Durch die Verbesserung von Strömungsmessungen und GPS hofft die deutsche Segelnationalmannschaft auf einen Vorteil bei den Olympischen Spielen. Zusätzlich sollen die Technologien den Sport für den Zuschauer transparenter machen. Olympische Spiele: Technische Weiterentwicklung im Segeln - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,841713,00.html)
Beim Segeln (mit etwa gleichen Booten und gleich gutem Segelkoennen) zu gewinnen, hiess bisher, den Zufall (Winddrehung) auf seiner Seite zu haben. Trotzdem scheinen einige Ausnahmeerscheinungen im Segelsport einen gluecklicheren Pakt mit dem Zufall zu haben als andere. Sie segeln auffaellig oft zufaellig dort, wo es schneller vorangeht. Das wurde bisher mit dem besseren Einfuehlungsvermoegen in die umgebende Natur, also mit mit einer besseren Beobachtungsgabe in Kombination mit einer Antizipationsgabe erklaert. Aber das genau kanns wissenschaftlich nicht geben: das Wesen des Zufalls ist seine Nicht-Antizipierbarkeit. Und genau hier liegt vermutlich das Prinzip-Problem, dem dieses Segelkader mit SAP beizukommen versucht: selbst die allergroesste Datensammlung und die perfekteste Kommunikation darueber in fast instant-Zeiteinheit mit nachfolgender Sofort-Reaktion der Akteure kann allenfalls die Fehlerquote etwas verringern. Den Zufall, also die Basis der allgenwaertigen Quantenfluktuation der Materie, wird auch durch die perfekteste Statistik nicht beherrschbar werden. Im Gegenteil: die empfundene Notwendigkeit der Aufstellung einer Statistik ist ein ueberdeutlicher Hinweis fuer die Unvorhersagbarkeit des Zufalls. Die Segelei wird deshalb so bleiben, wie sie es bisher war: im Prinzip unverhersagbar.

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