04.07.2012
Higgs-Boson
Cern stellt versehentlich Video zum Gottesteilchen ins Netz
Cern: Panne mit dem Video
Hamburg - Dem europäischen Kernforschungszentrum Cern ist ein Patzer unterlaufen: Kurz vor der weltweit mit Spannung erwarteten Stellungnahme zum Higgs-Boson, stellte das Forschungszentrum ein Video ins Internet, in dem die Beobachtung eines neuen Elementarteilchens - mutmaßlich des sogenannten "Gottesteilchens" - bestätigt wird. "Wir haben ein neues Teilchen beobachtet", sagt Cern-Sprecher Joe Incandela in dem Video, das die US-Zeitschrift "Science News" zuerst entdeckte.
Obwohl es sich inzwischen in einen passwortgeschützten Teil der Cern-Website befindet, verbreitete sich das Video schnell im Internet. Eine Cern-Sprecherin sagte "Science News", der Clip sei einer von mehreren Videos, die bezüglich der Stellungnahme zum Higgs-Boson mit verschiedenen Szenarien aufgenommen worden seien. Er hätte eigentlich nicht ins Internet gestellt werden sollen. Selbst die Pressestelle des Forschungszentrums wisse noch nicht, was die Wissenschaftler am Mittwochvormittag zum Higgs-Boson bekanntgeben wollen.
Doppeldeutige Wortwahl
Jetzt ist eine Diskussion über die Wortwahl der Forscher entbrannt: Wenn von einer "Beobachtung" des Teilchens die Rede sei, heiße das nicht, dass dessen Existenz auch tatsächlich bestätigt worden sei, schrieb der US-Mathematik-Dozent Peter Woit in seinem Blog.
In dem versehentlich veröffentlichten Video hatte Cern-Sprecher Incandela zunächst von "einer der größten Entdeckungen" gesprochen, bevor er sich aber verbesserte und von "Beobachtungen" sprach. Sollte der Nachweis des Teilchens aber wirklich gelungen sein, würde es sich um eine der bedeutendsten wissenschaftliche Entdeckungen der vergangenen Jahrhunderte handeln.
Jetzt steigt die Spannung: An diesem Mittwoch wollen Wissenschaftler am Kernforschungszentrum Cern in Genf ihre neuesten Erfolge bei der Jagd nach dem Higgs-Teilchen verkünden. Seine Entdeckung würde als direkter Nachweis für das sogenannte Higgs-Feld gelten, das Materie ihre Masse verleiht. Es wäre ein Meilenstein der Physik: Die Forscher könnten dann buchstäblich verstehen, was die Welt im Innersten zusammenhält.
Gerüchte darüber, dass der Nachweis des Higgs-Bosons kurz bevorstehe, kursieren bereits seit Wochen. Offiziell darf keiner der beteiligten Forscher die Ergebnisse vorab ausplaudern. Doch immer mehr Details sind inzwischen durchgesickert.
boj/AFP