09.08.2012
Premiere
US-Militär lässt Riesen-Luftschiff fliegen
Hamburg - Drohnen sind für das US-Militär zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Kriegführung geworden. Doch die unbemannten Späher haben einen Nachteil: Sie können nur für relativ kurze Zeit in der Luft bleiben, ehe sie aus Spritmangel zur Basis zurückkehren müssen. Wollte man ein Gebiet für längere Zeit pausenlos Überwachen, müsste man Drohnen in großer Zahl einsetzen.
Diese Lücke will das US-Militär in Zukunft mit einem wahren Giganten stopfen, mit dem Long Endurance Multi-Intelligence Vehicle (LEMV). In den vergangenen Monaten war bereits mehrfach davon die Rede, dass der mehr als 90 Meter lange Riese zum Erstflug abheben sollte. Doch nicht näher genannte Probleme verhinderten den Start. Vielleicht auch deshalb ging die Premiere jetzt ohne große Vorankündigung über die Bühne: Am Dienstag hob das LEMV von der Militärbasis in Lakehurst (US-Bundesstaat New Jersey) ab - und wurde dabei prompt von erstaunten Passanten gefilmt.
Gesteuert wurde das Luftschiff bei dem rund eineinhalbstündigen Erstflug von einer Besatzung an Bord. Im wirklichen Einsatz aber - der wohl frühestens 2013 stattfinden wird - soll das LEMV ferngesteuert fliegen. Das wird aller Wahrscheinlichkeit nach in Afghanistan geschehen, worauf auch die Angaben des Herstellers Northrop Grumman hindeuten. Das Unternehmen gibt an, dass eine Flotte von 18 LEMVs in Afghanistan von nur einigen Dutzend Menschen vor Ort gewartet werden könnte.
Das LEMV ist ein sogenanntes Hybrid-Luftschiff: Wie ein konventionelles Flugzeug hebt es mit Hilfe aerodynamischen Auftriebs ab; danach schwebt es mit Hilfe des Heliums in seinem Rumpf am Himmel und wird mit Flugmotoren manövriert. Das LEMV soll auf einer Flughöhe von fast sieben Kilometern operieren und einen Aktionsradius von mehr als 3000 Kilometern besitzen. Zudem soll es knapp 1,25 Tonnen an Spionagetechnik tragen, dabei aber weniger als ein Zehntel dessen verbrauchen, was Flugzeuge mit vergleichbarer Ausrüstung an Treibstoff benötigen.
mbe

