Lade Daten...
18.12.2012
Schrift:
-
+

Panne im All

Nordkoreas Satellit taumelt im Orbit

Von
Fotos
REUTERS

Nordkoreas Raketenstart war ein Triumph für das Regime in Pjöngjang, doch jetzt stellt sich heraus: Der Satellit taumelt offenbar unkontrolliert um die Erde. Auch an der Trägerrakete können Experten nach ersten Untersuchungen keinen technischen Fortschritt erkennen.

Hamburg - Als Nordkorea seinen ersten Satelliten ins All brachte, feierte das Regime einen politischen sowie technologischen Sieg. Jetzt aber stellt sich heraus, dass das angebliche Hauptziel der Mission, einen Erdbeobachtungssatelliten in den Orbit zu bringen, offenbar verfehlt wurde.

Astronomen haben den künstlichen Trabanten seit dessen Start beobachtet. Ihr Fazit: Er gibt offenbar kein Signal von sich und hat auch keine stabile Fluglage. "Er scheint umherzuwirbeln", sagte der Astronom und Satelliten-Experte Jonathan McDowell von der Harvard University. "Vermutlich ist er kaputt." Eine Übertragung habe er jedenfalls noch nicht aufgefangen, sagte McDowell.

Der waschmaschinengroße Trabant soll angeblich eine Kamera zur Erdbeobachtung an Bord haben. Doch die dürfte aufgrund der instabilen Fluglage kaum einsetzbar sein. Andere Astronomen berichteten, dass die Helligkeit des Satelliten in regelmäßigen Zyklen schwanke - was darauf hindeute, dass er sich in einer Taumelbewegung befinde.

Satellit könnte jahrelang durchs All trudeln

Auch der britische Radioastronom Robert Christy erklärte, er habe den Satelliten seit dem Start belauscht und kein Signal aufgefangen. "Ich würde nicht ausschließen, dass noch eines kommt", sagte Christy der "New York Times". Die Frage sei allerdings, warum sich die Nordkoreaner dann den Propaganda-Erfolg eines Signals aus dem All hätten entgehen lassen.

"Kwangmyongsong-3" könnte noch lange durchs All trudeln: Laut der Satelliten-Trackingseite N2Yo.com umrundet der Trabant die Erde in einer Höhe von 505 Kilometern. "So etwas ist schwierig zu berechnen", sagte McDowell. "Aber grob gesagt wird ein Objekt dieser Dichte in einer solchen Höhe mehrere Jahre lang oben bleiben." Zudem sei es durchaus möglich, dass die nordkoreanischen Ingenieure das Problem identifizieren und den Satelliten stabilisieren könnten.

Wenig beeindruckt zeigen sich westliche Experten auch von der Unha-3-Trägerrakete, die den Satelliten in den Orbit transportiert hat. Die südkoreanische Marine hat die Trümmer inzwischen aus dem Meer gefischt. Das bisher größte Teil ist ein Treibstofftank, an dessen Unterseite vier Öffnungen zu sehen sind.

Verräterische Löcher in der Unterstufe

Die erste Stufe der Unha-3 besteht aus vier Triebwerken der Nodong-Mittelstreckenrakete, die bereits in den achtziger Jahren in Nordkorea entwickelt wurde und auf der Technologie der noch älteren sowjetischen Scud-Raketen basiert. Im Westen fragt man sich schon lange, ob die Nordkoreaner die Unterstufe der Unha-3, deren militärische Variante als Taepodong-2 bekannt ist, verändern würden.

Eine mögliche Verbesserung wäre, die vier Nodong-Motoren gemeinsam über eine Turbopumpe mit Treibstoff zu versorgen, anstatt vier einzelne Pumpen einzusetzen. "Das würde gewährleisten, dass alle Triebwerke gleichmäßigen Schub liefern", sagt der Münchner Raketenfachmann Markus Schiller. Doch die vier Löcher an der Unterseite der aus dem Meer geborgenen Unterstufe zeigen jetzt, dass die Nordkoreaner diesen Schritt nicht getan haben.

Auch andere Details der ersten Raketenstufe beeindrucken westliche Raketeningenieure nicht. "Sie sieht ein wenig aus wie Marke Eigenbau, zusammengeschustert aus älteren Komponenten", sagt Schiller. "Die Kabelbäume auf den Fotos sehen schlampig verarbeitet aus." Genauere Aussagen über den technischen Stand der Unha-3 seien jedoch erst möglich, wenn auch die restlichen Trümmerteile analysiert würden.

Nordkorea verbreitet über seine Technologie freilich eine ganz andere Version. In staatlichen Agenturberichten wurde ein Wissenschaftler mit der Aussage zitiert, der Satellit funktioniere fehlerlos. Aus dem All sende er Lieder zur Erde - über Kim Il Sung und Kim Jong Il, die beiden Vorgänger des jetzigen Machthabers Kim Jong Un.

Mit Material von AP

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 54 Beiträge
1.
rainer_daeschler 18.12.2012
Der alternative Reissschnaps (soju) Antrieb zeigt wohl Nebenwirkungen.
Der alternative Reissschnaps (soju) Antrieb zeigt wohl Nebenwirkungen.
2. Erinnert alles ein bißchen an..
lattus 18.12.2012
Stuttgart 21 oder den Berliner Flughafen!
Stuttgart 21 oder den Berliner Flughafen!
3. q(o_o)p
Agate_Power 18.12.2012
Da haetten sie wohl mal jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt. Muahahh.
Da haetten sie wohl mal jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt. Muahahh.
4. Genial 15:43
jadota 18.12.2012
Die Idee gefällt mir: Die böse Rakete sendet Kim Sung Kim Jong Singsang Songs aus dem All, um die Erde zu vernichten. Und das leise und tanzend dabei.
Die Idee gefällt mir: Die böse Rakete sendet Kim Sung Kim Jong Singsang Songs aus dem All, um die Erde zu vernichten. Und das leise und tanzend dabei.
5. Lachhaft
Pango 18.12.2012
Der Fortschritt eines Landes hängt vom Wohlstand seiner Einwohner ab. Die ausgemergelten, ungebildeten Nordkoreaner bekommen durch diesen verfrühten Silvester-Scherz weder volle Bäuche, noch eine wettbewerbsfähige Wirtschaft. [...]
Der Fortschritt eines Landes hängt vom Wohlstand seiner Einwohner ab. Die ausgemergelten, ungebildeten Nordkoreaner bekommen durch diesen verfrühten Silvester-Scherz weder volle Bäuche, noch eine wettbewerbsfähige Wirtschaft. Schall und Rauch, das ist alles was dieser Böller in Phallus-Form zu bieten hat ...

Empfehlen

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

MEHR IM INTERNET

Verwandte Themen

VIDEO

VIDEO

VIDEO

Fotostrecke

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter RSS
alles zum Thema Nordkorea
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014 Alle Rechte vorbehalten