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26.12.2012
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Troja

Deutsche Forscher verlassen Grabungsstätte im Streit

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Zu entdecken gibt es noch reichlich, dennoch ziehen sich deutsche Archäologen aus dem sagenumwobenen Troja zurück. Offiziell ist die Finanzierung der langjährigen Forschung für die Grabungsstätte ausgelaufen. Doch es ist auch die Rede von Ärger mit der türkischen Regierung, die die Arbeit erschwere.

Tübingen - Deutsche Archäologen verlassen Troja - nicht, weil die legendäre Stadt keine Geheimnisse mehr bietet, sondern weil die Finanzierung für die Ausgrabungen ausläuft. "Wir haben kein Geld mehr", sagt der Tübinger Professor Ernst Pernicka. Rund 25 Jahre lang haben Tübinger Forscher die Grabungen in der Stadt, in der laut Homer der Krieg um die schöne Helena stattgefunden hat, geleitet. Jetzt ziehen sie sich nicht ganz freiwillig zurück. Die Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft ende zwar planmäßig, doch auch Ärger über die türkische Regierung, die ausländischen Wissenschaftlern die Arbeit im Land seit Jahren immer weiter erschwere, habe eine Rolle gespielt, so der 63 Jahre alte Pernicka. Die Verbindung zwischen Tübingen und Troja wird wohl dennoch nicht ganz abreißen. Pernickas Nachfolge wird voraussichtlich Rüstem Aslan antreten, ein türkischer Professor, der in Tübingen promoviert hat.

Dem Mythos Troja sind die Tübinger Archäologen ohnehin schon ein bisschen näher gekommen. Dass Troja eine große historische Bedeutung hat, haben die Untersuchungen laut Pernicka bestätigt. Im frühbronzezeitlichen Troja, also in der zweiten Hälfte des dritten Jahrtausends vor Christus, habe man Importe aus entfernten Ländern gefunden, was auf einen intensiven Handel hinweist. Damals hatte die Stadt ihre Blütezeit.

Aus dieser Epoche stammen auch die Schatzfunde des deutschen Archäologen Heinrich Schliemann, der Troja in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entdeckte. "Die Techniken, welche die Feinschmiede bei der Herstellung des Edelmetallschmucks anwendeten, sind sehr weit entwickelt und belegen, dass der Ort damals ein bedeutendes Zentrum gewesen sein muss", sagt Alix Hänsel, Kuratorin der Schliemannsammlung im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Berlin.

Material für sechs Bücher

Tausend Jahre später, in der späten Bronzezeit, soll dann der trojanische Krieg getobt haben - dieser Epoche galten die Tübinger Grabungen ganz besonders. Belege für Handel lassen sich in dieser Zeit zwar nicht finden. Dennoch war die trojanische Oberstadt von einer acht Meter breiten und hohen Mauer umgeben, sagt Pernicka. "Das ist nichts, was eine Schafweide umgibt."

Aber ist das Troja der Archäologen damit tatsächlich auch das Troja aus Homers berühmter Dichtung? Pernicka sieht in den Ergebnissen der Ausgrabungen sehr viele Hinweise darauf. So stimme die Beschreibung der Lage und der dortigen Tier- und Pflanzenwelt mit den Gegebenheiten und Funden in Troja überein. Auch, dass das bronzezeitliche Troja zerstört wurde, gilt als bewiesen. Ob das durch den Trojanischen Krieg geschah, wie von Homer in der "Ilias" beschrieben, kann allerdings nicht rekonstruiert werden.

Der scheidende Grabungsleiter sieht vor allem drei Gründe für die Faszination, die von Troja ausgeht. Es sei erstens der Ort, der in der ältesten europäischen Dichtung die Hauptrolle spielt, und zweitens eine der ersten wissenschaftlichen Grabungen im Mittelmeerraum. Drittens sei Troja wegen seiner langen Besiedlungsgeschichte ein Referenzort, mit dessen Material sämtliche bronzezeitlichen Funde in der Ägäis verglichen und dadurch oftmals datiert werden können.

Auch wenn er in der nächsten Grabungssaison nicht mehr am Ort sein wird, bleibt Pernicka noch genügend Material zum Erforschen. Jetzt gehe es darum, die Grabungsergebnisse auszuwerten und aufzubereiten, sagt er. Insgesamt sechs Bücher wolle seine Forschergruppe publizieren und dem Mythos Troja dabei ein Stück weit auf die Spur kommen.

hpi/dpa

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