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03.01.2013
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Fracking

Bundesbehörden streiten über Gasförderung

AFP

Fracking in den USA: Flüssigkeiten unter die Erde gepumpt

Soll in Deutschland Erdgas mit der umstrittenen Fracking-Methode erschlossen werden? Zu riskant, meint das Umweltbundesamt. Nun widerspricht eine andere Behörde: Laut einem Zeitungsbericht wirft sie dem UBA vor, bei der Prüfung Trink- und Grundwasser verwechselt zu haben.

Düsseldorf/Hamburg - Bundesbehörden streiten offenbar über die Schiefergas-Ausbeutung. Bei der Bewertung der Risiken komme die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) "an entscheidenden Stellen zu einer anderen Einschätzung" als das Umweltbundesamt (UBA), zitierte das "Handelsblatt" aus einer Stellungnahme der BGR zu einem UBA-Gutachten. Entgegen der Darstellung des UBA sei ein "grundsätzlich umweltverträglicher Einsatz" der Technologie zur Gasförderung aus unkonventionellen Vorkommen möglich, schreibt demnach die BGR. Weder UBA noch BGR waren kurzfristig für eine Stellungnahme erreichbar.

Die Ausbeutung von Schiefergasvorkommen unter der Erdoberfläche Deutschlands ist für die Bundesregierung schon länger ein Konfliktthema. Die sogenannten unkonventionellen Erdgasvorkommen befinden sich unter anderem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Als "unkonventionell" werden sie deswegen bezeichnet, weil das Gas nicht auf einfachem Wege gefördert werden kann, wie etwa durch das vertikale Anbohren von Gasansammlungen.

Stattdessen müssen mit einer Spezialtechnologie - dem sogenannten Fracking - unterirdische Gesteinsschichten gelockert werden, aus denen das Gas entweichen kann. Dazu werden mit Chemikalien versetzte Flüssigkeiten unter die Erdoberfläche gepumpt, um hohen Druck zu erzeugen. Für das Fracking wird auch horizontal gebohrt, um Gesteinsschichten in der Breite zu erschließen. Das Wort Fracking setzt sich aus den Begriffen "hydraulic" und "fracturing" zusammen und bedeutet zu deutsch so viel wie "hydraulisches Aufbrechen".

Das Umweltbundesamt hatte im September in seinem Gutachten vor möglichen Gefahren des Frackings für das Grundwasser gewarnt. Die BGR-Experten werfen dem Umweltbundesamt laut dem Bericht des "Handelsblatts" fahrlässige Prüfung vor: Das UBA habe in seinem Gutachten irrtümlich Grundwasser mit Trinkwasser gleichgesetzt.

Rösler kontra Altmaier

Beim Thema Fracking jedoch gehe es nicht um Grundwasserschichten nahe der Erdoberfläche, sondern um viel tiefere Schichten, zitierte die Zeitung aus der Stellungnahme. Das oberflächennahe Grundwasser für die Trinkwassergewinnung stehe mit tieferliegenden Gesteinsschichten mit Gasvorkommen aber "meistens nicht in Verbindung".

Die im UBA-Gutachten unterstellte Gefährdung von Grundwasser durch das Fracking sei deswegen weit weniger relevant als dargestellt. Außerdem hätten die Gutachter des UBA unzutreffende Aussagen über mögliche Gefahren durch die Chemikalien gemacht, die für das Fracking genutzt würden.

Die Stellungnahme der BGR wurde dem Bericht zufolge im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstellt. Das Papier soll demnach dem von FDP-Politiker Philipp Rösler geführten Wirtschaftsministerium die Bewertung des UBA-Gutachtens ermöglichen. Das UBA-Gutachten wurde im Auftrag des von Peter Altmaier (CDU) geführten Bundesumweltministeriums angefertigt.

Die Bundesregierung ist beim Thema Fracking bislang zurückhaltend. Genehmigungen für die Ausbeutung von Schiefergasvorkommen müssen ohnehin Landesbehörden erteilten, was bislang aber nicht geschieht. Über den Bundesrat forderten die Bundesländer den Bund kürzlich auf, Umweltverträglichkeitsprüfungen für Schiefergas-Projekte für verbindlich zu erklären. Dazu sollen in den nächsten Wochen laut Bundesumweltministerium Beratungen aufgenommen werden.

boj/AFP

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insgesamt 108 Beiträge
1. Fangt den Wahnsinn gar nicht erst an...
DerScheinTrügt 03.01.2013
das ist reine Geldmacherei, und eine gefährliche noch dazu. Erstens sinken die Fördermengen der einzelnen Bohrlöcher vom ersten Tag an, zweitens werden dabei hochgiftige Chemikalien ins Grundwasser verklappt, und drittens [...]
Zitat von sysopAFPSoll in Deutschland Erdgas mit der umstrittenen Fracking-Methode erschlossen werden? Zu riskant, meint das Umweltbundesamt. Nun widerspricht eine andere Behörde: Laut einem Zeitungsbericht wirft sie dem UBA vor, bei der Prüfung Trink- und Grundwasser verwechselt zu haben. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/fracking-uba-und-bgr-streiten-ueber-unkonventionelle-gasfoerderung-a-875576.html
das ist reine Geldmacherei, und eine gefährliche noch dazu. Erstens sinken die Fördermengen der einzelnen Bohrlöcher vom ersten Tag an, zweitens werden dabei hochgiftige Chemikalien ins Grundwasser verklappt, und drittens verursachen die Eingriffe im Untergrund Erdbeben sogar in seismisch stabilen Gebieten, wie aus der räumlichen Nähe zwischen Frackingbohrlöchern in Norditalien (und anderswo) und tödlichen Erdbeben leicht ersichtlich ist. Die Profiteure der Technik leugnen dies natürlich (sie wären ja auch schön blöd, wenn sie das der Bevölkerung auf die Nase binden würden), die bezüglichen Informationen können aber ohne allzugroßen Aufwand im Internet gefunden werden. Daß der Wolf im gelben Schafspelz dafür ist, ist nicht weiter überraschend, es bestätigt nur den Eindruck, den er anscheinend selbst in seiner eigenen Partei nicht mehr aus dem Weg räumen kann. (Während ich das hier tippe, steht links "Umfragedebakel für Rösler: FDP-Wähler wollen Brüderle"). Es würde mich nicht überraschen, wenn er nach seinem bevorstehenden Ausstieg aus der Politik einen gutbezahlten Job bei einem seiner Lobbyklienten erhalten würde. À propos - wie wäre es eigentlich mit einem Gesetz, das jedem Politiker eine Beschäftigung in den Wirtschaftsbereichen *verbietet*, für deren Vorteil er während seiner Amtszeit an irgendwelchen Gesetzen beteiligt war?
2. Es kläre mich mal einer auf:
NewHuman 03.01.2013
Welches andere Motiv steckt hinter den Bestrebungen zur Umsetzung dieser Methode als massive Geldgier?
Welches andere Motiv steckt hinter den Bestrebungen zur Umsetzung dieser Methode als massive Geldgier?
3. Scheinheilige Diskussion
sandrahng 03.01.2013
Eine recht scheinheilige Diskussion, ob nun eine Trinkwasserverunreinigung so viel schlimmer ist als eine Grundwasserverunreinigung. Beides ist ein massive Belastung für das menschliche Ökosystem. Zudem ist es lächerlich, dass [...]
Eine recht scheinheilige Diskussion, ob nun eine Trinkwasserverunreinigung so viel schlimmer ist als eine Grundwasserverunreinigung. Beides ist ein massive Belastung für das menschliche Ökosystem. Zudem ist es lächerlich, dass sich hier die Lobbyisten immer mehr durchsetzen und die Politiker die Auflagen solange lockern bis es dann irgendwie passt. Das wird dann als politischer Prozess verkauft. Während in anderen Bereichen wie der oberflächennahen als auch Tiefen Geothermie die Auflagen soweit steigen, dass Projekt schlichtweg unwirtschaftlich werden. Unglaublich.
4. ..ist doch klar
jk231162 03.01.2013
Dieses ist nichts anderes als reine Geldgier
Dieses ist nichts anderes als reine Geldgier
5. Man halte sich die Beweggründe für die jeweilige Stellungnahme vor Augen:
si tacuisses 03.01.2013
UBA = Umweltbundesamt = gesetzlicher Auftrag Umweltgefahren zu benennen und Mittel dagegen zu publizieren. BGR = Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe = Dienstleister für Industrie und Bergbau.
Zitat von sysopAFPSoll in Deutschland Erdgas mit der umstrittenen Fracking-Methode erschlossen werden? Zu riskant, meint das Umweltbundesamt. Nun widerspricht eine andere Behörde: Laut einem Zeitungsbericht wirft sie dem UBA vor, bei der Prüfung Trink- und Grundwasser verwechselt zu haben. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/fracking-uba-und-bgr-streiten-ueber-unkonventionelle-gasfoerderung-a-875576.html
UBA = Umweltbundesamt = gesetzlicher Auftrag Umweltgefahren zu benennen und Mittel dagegen zu publizieren. BGR = Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe = Dienstleister für Industrie und Bergbau.

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Weltweite Vorräte
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