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25.02.2013
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Neue Berechnungen

Nordkoreas Rakete war für Satelliten optimiert

Von
REUTERS

Nordkoreas jüngster Satellitenstart war in Wirklichkeit ein verkappter Waffentest - darin waren sich die meisten Beobachter einig. Doch inzwischen wachsen die Zweifel. Neuen Analysen zufolge war das Trägersystem tatsächlich für einen Satelliten optimiert.

Nordkorea sonnte sich im Propaganda-Erfolg, der Westen reagierte mit einer Mischung aus Verblüffung und Empörung: Mitte Dezember brachte das Regime in Pjöngjang einen Satelliten in den Orbit. Seitdem eiert der künstliche Trabant um die Erde, wahrscheinlich weitgehend nutzlos. Doch das schien nur eine Randnotiz zu sein - denn der Start eines Satelliten galt ohnehin nicht als Zweck der Aktion. Die meisten Experten waren überzeugt, dass Pjöngjang vielmehr die Technologie für eine ballistische Langstreckenrakete testen wollte, die eines Tages einen Atomsprengkopf tragen könnte.

Das könnte zwar weiterhin zum Teil zutreffen. Doch neue Analysen zeigen, dass die Rakete des Typs Unha-3 offenbar tatsächlich für den Transport eines Satelliten optimiert war.

Die Münchner Raketeningenieure Markus Schiller und Robert Schmucker haben jetzt auf Basis geborgener Trümmerteile der Rakete neue Erkenntnisse über die Unha-3 gewonnen. Die interessanteste davon betrifft die zweite der insgesamt drei Stufen. Sie basiert demnach ähnlich wie die erste Stufe auf der relativ alten Technologie der russischen Scud-Raketen, verfügt aber über einen überraschend kleinen Antrieb, der einen Schub von lediglich 13 bis 14 Tonnen liefere.

"Das ist für den Transport eines Satelliten wesentlich sinnvoller als für einen Gefechtskopf", erklärt Schiller. Der Grund: Der Satellit, den die Nordkoreaner in den Orbit geschossen haben, wog vermutlich höchstens hundert Kilogramm. "Ein Gefechtskopf würde mindestens 500, wahrscheinlich aber eher 700 oder sogar 1000 Kilogramm wiegen", so Schiller. Bei einem derart hohen Gewicht müsse die Rakete die Erdanziehungskraft möglichst schnell überwinden und deshalb kraftvoll beschleunigen.

Beim leichteren Satelliten sei das weniger wichtig. Hier komme es eher darauf an, den Trabanten mit einer langen Boostphase sicher in eine hohe Umlaufbahn zu bringen. Beim Einsatz als Waffe würde eine solche Konfiguration die Reichweite der Rakete um mindestens 1000 Kilometer schmälern, wie Schiller berechnet hat: "Da wäre ein starker Motor wie bei der ersten Stufe wesentlich günstiger."

Technologie der sowjetischen SS-N-6 ausgeschlossen

Nebenbei deutet die Analyse auch darauf hin, dass eine bisher verbreitete Annahme falsch sein dürfte: dass die zweite Stufe der Unha 3 auf der sowjetischen SS-N-6-Mittelstreckenrakete basiere. Das hat offenbar auch andere Fachleute überzeugt. David Albright vom Institute for Science and International Security (Isis) etwa hatte die SS-N-6-Theorie nach dem Start der Unha-2 von 2009 vertreten - und sie im Lichte der neuen Erkenntnisse nun kassiert: Sie sei "komplett falsch". Das bedeute auch, dass Nordkorea bisher noch keinen einzigen erfolgreichen Test mit der SS-N-6 vorzuweisen habe.

Bleibt die Frage, warum Nordkorea die Unha-3-Rakete für einen Satelliten optimiert hat. Schiller vermutet innenpolitische Gründe: "Bisher haben es nur wenige Nationen in den Club der Raumfahrt-Staaten geschafft", so der Ingenieur. Entsprechend hoch sei der Prestigegewinn. Und was aus Sicht Pjöngjangs noch wichtiger sein dürfte: Mit dem erfolgreichen Start der Unha-3 ist man dem Erzrivalen Südkorea knapp zuvorgekommen - um ganze sechs Wochen.

In Sachen Waffentechnik sieht Schiller in Nordkoreas Raketenstart dagegen keinen größeren Fortschritt. "Er hat gezeigt, dass das System prinzipiell als Satellitenträger geeignet ist - nicht mehr und nicht weniger." Zudem sind dem ersten Erfolg drei Fehlschläge vorangegangen. "Bei einer Erfolgsquote von 25 Prozent", so Schiller, "ist man von einem funktionierenden Waffensystem noch weit entfernt."

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insgesamt 24 Beiträge
1. Zja
jskor 25.02.2013
Es hat böse zu sein was böse zu sein muss. Alle Verlautbarungen des Landes haben von vorn herein darauf hingedeutet, es war immer von einer besseren Wirtschaft und Technologie die Rede, nie von Interkontinentalraketen. Nun wurde [...]
Es hat böse zu sein was böse zu sein muss. Alle Verlautbarungen des Landes haben von vorn herein darauf hingedeutet, es war immer von einer besseren Wirtschaft und Technologie die Rede, nie von Interkontinentalraketen. Nun wurde aber Böshaftes unterstellt und die Sanktionen verschärft, woraufhin Nordkorea widerum Atomtests durchgeführt hat. Vielleicht sollte man einfach mal miteinander reden, bevor man solche Aktionen wie Sanktionen oder Unterstellungen vom Stapel lässt?
2. na sowas aber auch
bärchen07 25.02.2013
Ich würde ja jetzt gerne sagen,das habe ich vor Wochen schon geschrieben habe.Habe ich auch. Schön das es jetzt die bestätigung gibt. Schon damals haben hier viele sehr gut begründet warum dies wirklich ein Satellitenstart [...]
Ich würde ja jetzt gerne sagen,das habe ich vor Wochen schon geschrieben habe.Habe ich auch. Schön das es jetzt die bestätigung gibt. Schon damals haben hier viele sehr gut begründet warum dies wirklich ein Satellitenstart war. Es war eine reine Prestigfrage. Man war vor Südkorea im All.
3. Amerikas Feindbilder...
menschzweiterklasse 25.02.2013
...hatten selten die Grundlage, die propagiert wird.
...hatten selten die Grundlage, die propagiert wird.
4. war mir klar...
dorfeller 25.02.2013
und sicherlich baun die iraner keine atom bomben, nur gibt es wiederum andere Länder denen es nutzt sowas zu behaupten.
und sicherlich baun die iraner keine atom bomben, nur gibt es wiederum andere Länder denen es nutzt sowas zu behaupten.
5. es war
ziegenzuechter 25.02.2013
doch von anfang an klar, dass es ein friedlicher satelliten-start war. leider scheint der satellit nicht ganz so zu funktionieren wie er soll. ich drücke den nordkoreanern die daumen, dass es beim nächsten mal klappt. nordkorea [...]
doch von anfang an klar, dass es ein friedlicher satelliten-start war. leider scheint der satellit nicht ganz so zu funktionieren wie er soll. ich drücke den nordkoreanern die daumen, dass es beim nächsten mal klappt. nordkorea ist eine beeindrucktende wissenschafts- und technologienation, was denen im süden nicht schmeckt. deswegen wird der norden auch ständig militärisch provoziert....

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