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26.02.2013
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Spektroskopie

Laserscanner soll Pferdefleisch erkennen

TU Berlin

Laserpistole: Streulicht enthüllt Fleischsorten

Der Scanner wurde entwickelt, um Gammelfleisch zu entdecken. Aber die Laserpistole kann angeblich noch mehr: Sie soll auch verschiedene Fleischsorten binnen Sekunden identifizieren. Kamel, Krokodil und Python blieben dann nicht mehr unerkannt - ebenso wenig wie Pferd.

Berlin - Die Idee ist bestechend: An der Fleischtheke im Supermarkt liegt eine kleine Laserpistole, die auf Knopfdruck verrät, wie frisch ein Stück Fleisch ist. 2007 wurde der erste Prototyp des Fleischscanners vorgestellt, der in der Lage sein soll, sogar durch die Verpackung hindurch die Qualität zu prüfen.

Das Team um Heinz-Detlef Kronfeldt von der TU Berlin hat die Laserpistole, die etwa so groß ist wie eine Handbohrmaschine, seitdem weiterentwickelt. Doch bis in die Supermärkte hat es der Scanner bislang nicht geschafft. Der aktuelle Pferdefleischskandal könnte das ändern - denn mit der Laserpistole soll es auch möglich sein, verschiedene Fleischsorten wie etwa Schwein, Rind, Pute und Huhn voneinander zu unterscheiden. Pferdefleisch falle im Spektrum innerhalb weniger Sekunden als "Fremdfleisch" auf, schreibt die TU Berlin in einer Presseinformation.

Der Arbeitsgruppe Laserspektroskopie sei es inzwischen sogar gelungen, exotische Fleischarten wie Kamel-, Krokodil- und Python-Fleisch zu identifizieren. Die Fleischsorte wird demnach berührungslos allein mit Licht bestimmt. Eine kleine rote Diode in der Laserpistole sendet einen Lichtblitz von einer Sekunde auf das Fleisch. Dort wird das Licht gestreut und soll Rückschlüsse auf die Sorte und auch auf das Alter des Fleisches ermöglichen.

Die Laserpistole ist Teil des Projekts "Fresh-Scan", an dem neben Wissenschaftlern der TU Berlin vier weitere deutsche Forschungsinstitute beteiligt sind. Die Entwicklung der Laserpistole wurde vom Bundesforschungsministerium mit bislang drei Millionen Euro gefördert. Wie zuverlässig das Gerät funktioniert, bleibt allerdings offen - von einer unabhängigen Prüfung ist in der Mitteilung der TU Berlin nicht die Rede.

Die Entwickler des Fleischscanners hoffen, dass ihr Gerät eines Tages nicht nur in Supermärkten, sondern auch in Schlachthöfen und bei Großhändlern eingesetzt wird. Die Laserpistole könne nämlich auch enthüllen, ob ein tiefgefrorenes Stück Fleisch während des Transports aufgetaut ist.

Laserspektroskopie ist nicht die einzige Methode, an der Wissenschaftler arbeiten, um Skandale wie mit Gammelfleisch oder nun mit Pferdefleisch künftig zu verhindern. Ein anderes Verfahren nutzt beispielsweise den Effekt, dass gesunde Zellen in Fleisch andere elektrische Eigenschaften haben als gealterte Zellen. Fleisch lässt sich aber ebenso gut durch chemische Reaktionen mit Enzymen analysieren, auch wenn die Prüfung damit mehrere Minuten und nicht nur ein paar Sekunden dauert wie bei der Laserpistole.

hda

Forum

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insgesamt 21 Beiträge
1.
querulant_99 26.02.2013
Ich denke, die Lobbyisten der Fleischindustrie werden zu verhindern wissen, dass dieses tolle Gerät an der Fleischtheke für den Verbraucher bereitliegt.
Ich denke, die Lobbyisten der Fleischindustrie werden zu verhindern wissen, dass dieses tolle Gerät an der Fleischtheke für den Verbraucher bereitliegt.
2. Ich hoffe, dass ...
spiegelleser987 26.02.2013
Ich hoffe, dass Verbraucherschützer das verhindern. Ich fand es vor einer Zeit etwas eigenartig, dass in einem Supermarkt Kunden bei Fisch eine Gefrierpackung nach der der anderen aufgerissen haben. Dann haben sie den Inhalt [...]
Zitat von querulant_99Ich denke, die Lobbyisten der Fleischindustrie werden zu verhindern wissen, dass dieses tolle Gerät an der Fleischtheke für den Verbraucher bereitliegt.
Ich hoffe, dass Verbraucherschützer das verhindern. Ich fand es vor einer Zeit etwas eigenartig, dass in einem Supermarkt Kunden bei Fisch eine Gefrierpackung nach der der anderen aufgerissen haben. Dann haben sie den Inhalt "begutachtet" und alles wieder zurück in den Pappkarton und dann in die Gefriertruhe gelegt. Sollte der Laserscanner tatsächlich dort liegen, sollte man wenigstens noch ein Waschbecken und ein Stück Seife dazu legen. Verbnreiten sich dann die EHECs doch noch, dann wäre ein Antibiotikaspray der nächste Schritt.
3.
suessedrops 26.02.2013
So wie sich das liest, liegt die "Intelligenz" des System eher in der Software. Die Hardware ist nicht das Problem. Man könnte also das Gerät wohl relativ preiswert in Masse produzieren. Apropos Masse: Wenn die [...]
Zitat von querulant_99Ich denke, die Lobbyisten der Fleischindustrie werden zu verhindern wissen, dass dieses tolle Gerät an der Fleischtheke für den Verbraucher bereitliegt.
So wie sich das liest, liegt die "Intelligenz" des System eher in der Software. Die Hardware ist nicht das Problem. Man könnte also das Gerät wohl relativ preiswert in Masse produzieren. Apropos Masse: Wenn die Masse sich mal der eigenen Macht bewusst wäre, müsstest du nicht so eine Angst vor Lobbyisten haben. Im Übrigen sind Verbraucherschützer und Greenpeace auch Lobbyisten. *scnr* BTW: a) Krokodil schmeckt sehr gut. ;-) Die anderen exotischen Sorten konnte ich noch nicht probieren. b) Manche Fleischsorten sollten gut abgehangen sein, also "Frische" ist relativ zu sehen.
4. Hehe
Reg Schuh 26.02.2013
Hehe, ich warte drauf, was die Arbeitssicherheit zu so einem "offenen" Laser-Streulicht-Spektrometer sagt. Typischerweise ist dabei Schutzbrille angesagt, vor allem wenn das Gerät in wenigen Sekunden genug verläßliche [...]
Hehe, ich warte drauf, was die Arbeitssicherheit zu so einem "offenen" Laser-Streulicht-Spektrometer sagt. Typischerweise ist dabei Schutzbrille angesagt, vor allem wenn das Gerät in wenigen Sekunden genug verläßliche Informationen sammeln soll.
5. kann man alles essen...
lgerlich 26.02.2013
Tierprodukte die man ohne Probleme essen kann, sollte man nicht gleich als Nicht-Nahrung stigmatisieren (ausser die beiden Lieblingshaustiere). Ich will so einen Laser für Hundekot. Und dann bitte mit Datenbaknabgleich zur [...]
Tierprodukte die man ohne Probleme essen kann, sollte man nicht gleich als Nicht-Nahrung stigmatisieren (ausser die beiden Lieblingshaustiere). Ich will so einen Laser für Hundekot. Und dann bitte mit Datenbaknabgleich zur Lokalisierung der Besitzer! Alternativ, da es wohl zu komplex ist die DNA festzuhalten, mit DNA-Markern, die irgendwie am Tier angebracht worden sind. Danke.

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