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Wissenschaft

Boeing 737 Max 8

US-Piloten meldeten schon 2018 Softwareprobleme

Mindestens zwei Piloten aus den USA haben bereits im November über Zwischenfälle mit der Boeing 737 Max 8 berichtet. Das geht aus einer US-Datenbank hervor. Demnach hat es Probleme mit der Steuerungssoftware gegeben.

REUTERS

Cockpit der Boeing 737 MAX 8

Mittwoch, 13.03.2019   15:58 Uhr

Innerhalb von wenigen Monaten sind zwei Maschinen des Typs Boeing 737 Max abgestürzt, 346 Menschen kamen ums Leben. Die Ursache für den jüngsten Absturz am 10. März ist noch nicht geklärt. Die Flugschreiber wurden zwar gefunden, aber bisher liegt noch keine offizielle Auswertung vor. Die fast fabrikneue Maschine der Fluglinie Ethiopian Airlines war nur wenige Minuten nach dem Start nahe der Hauptstadt Äthiopiens, Addis Abeba, abgestürzt.

Schon nach dem ersten Absturz Ende Oktober hatten sich Piloten über die Boeing 737 Max beschwert. Damals war eine Lion-Air-Maschine in Indonesien abgestürzt, ebenfalls kurz nach dem Start.

Mindestens zwei US-Piloten berichteten im November in einer offiziellen US-Datenbank, dem "Aviation Safety Reporting System", Probleme mit der Steuerungssoftware MCAS gehabt zu haben. Über die Piloten ist nur bekannt, dass sie die Boeing auf Strecken in den USA geflogen haben. Angaben über die genaue Flugroute oder die Airline, für die die Piloten fliegen, gibt es nicht. Die Datenbank, die die Nasa betreut, umfasst Tausende Berichte von Piloten, auch zu anderen Flugzeugtypen.

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Die Piloten berichten, dass sich die Nase der Boeing 737 Max kurz nach dem Start überraschend gesenkt habe - nur wenige Sekunden nachdem die Piloten den Autopiloten eingeschaltet hätten. Erst als die Piloten den Autopiloten wieder ausgeschaltet hätten, sei die Maschine wie geplant weiter gestiegen. "Ich kann mir keinen Grund vorstellen, warum das Flugzeug seine Nase so aggressiv senken sollte", zitiert die "New York Times" einen der Piloten. Eine fehlerhafte Einstellung konnten die Piloten demnach nicht feststellen. Auch die "Bild" hatte darüber berichtet.

Das steckt hinter der Problem-Software MCAS

Die MCAS-Software soll nach aktuellem Stand der Ermittlungen den ersten Absturz am 29. Oktober mit verursacht haben. Bereits damals hatten sich Piloten beschwert, sie seien von Boeing nicht ausreichend über die Einführung des neuen Systems informiert und für eine mögliche Fehlfunktion nicht geschult worden.

Die von Boeing beim Modell 737 Max eingeführte MCAS-Software (Maneuvering Characteristics Augmentation System) soll einen Strömungsabriss bei einem zu hohen Anstellwinkel des Flügels verhindern. Wenn die Sensoren der 737 Max eine solche Fluglage an den Bordcomputer melden, senkt der die Nase der Maschine automatisch, um die Geschwindigkeit zu erhöhen. Im Falle des abgestürzten Lion Air Fluges führte ein fehlerhafter Fluglage-Sensor oder eine fehlerhafte Software dazu, dass der Bordcomputer die Maschine ins Meer lenkte.

Wie mit diesem Störfall umzugehen ist, war den Piloten des Lion-Air-Fluges offenbar nicht bekannt: Boeing veröffentlichte dieses erst nach dem Unfall in einem sogenannten Operations Manual Bulletin. Dieses weist alle Betreiber von 737 Max-Maschinen an, sich mit dem Verfahren vertraut zu machen. Einen Tag darauf veröffentlichte die amerikanische Luftfahrtbehörde eine entsprechende dringende Lufttüchtigkeitsanweisung.

Die neue Software war deshalb erforderlich, weil die 737 Max im Vergleich zum Vorgängermodell 737 NG über deutlich größere Triebwerke verfügt. Die entsprechend größeren Triebwerksgondeln verändern offenbar die Aerodynamik des Flugzeugs so, dass die Gefahr eines Strömungsabrisses steigt - ihr soll das MCAS entgegenwirken.

Normalerweise müssen Flugzeughersteller derartige Änderungen in der Software im Flughandbuch des Typs für die Piloten dokumentieren und diese für einen Ausfall eines solchen Systems bei der Umschulung auch trainieren. Beides aber war im Fall des MCAS in der Boeing 737 Max zunächst nicht geschehen.

Fluglinien weltweit setzen auf das Boeing-Modell 737 Max. Insgesamt 5012 Bestellungen verzeichnet der US-Hersteller bis Ende Februar, davon wurden erst 376 ausgeliefert. Der europäische Flugraum ist für die Boeing 737 Max gesperrt, auch in vielen weiteren Ländern dürfen Flugzeuge des Typs nicht mehr starten und landen. Die Sperre des deutschen Luftraums gilt für drei Monate. Die US-Luftfahrtbehörde hat indes noch kein Startverbot ausgesprochen.

koe/Reuters

insgesamt 100 Beiträge
claus7447 13.03.2019
1. Das ist zumindest ein Indiz
Sollte Boeing da geschludert haben und diesen Hinweisen damals schon nicht in in einer Weise nachgegangen sein die zielführend ist (Generelle Information weltweit an die Pilotenverbände / Airlines) dann wird es teuer.
Sollte Boeing da geschludert haben und diesen Hinweisen damals schon nicht in in einer Weise nachgegangen sein die zielführend ist (Generelle Information weltweit an die Pilotenverbände / Airlines) dann wird es teuer.
rga 13.03.2019
2. Autopilot abschalten?
MCAS Probleme hin oder her. Sobald der Pilot merkt, dass der Autopilot ungewöhnlich reagiert, kann ihn der Pilot abschalten und die Steuerung übernehmen. So wohl auch geschehen bei den zwei US Piloten die über das [...]
MCAS Probleme hin oder her. Sobald der Pilot merkt, dass der Autopilot ungewöhnlich reagiert, kann ihn der Pilot abschalten und die Steuerung übernehmen. So wohl auch geschehen bei den zwei US Piloten die über das ungewöhnliche Verhalten berichtet haben. Bevor der AP die Maschine "ins Meer lenkt", sollte der Pilot längst reagiert haben. Warum ist das in Indonesien und Afrika nicht passiert? Warum dauert es so lange, um einen fabrikneuen Flugschreiber auszuwerten?
totalausfall 13.03.2019
3. Was denn nun?
"As described by the pilots, however, the problem did not appear related to a new automated anti-stall system that is suspected of contributing to a deadly October crash in Indonesia." Heißt es im Sydney Herald. [...]
"As described by the pilots, however, the problem did not appear related to a new automated anti-stall system that is suspected of contributing to a deadly October crash in Indonesia." Heißt es im Sydney Herald. https://www.smh.com.au/world/north-america/us-pilots-reported-issues-with-boeing-737-max-20190313-p513t4.html DID NOT APPEAR RELATED to a new automated anti-stall system (MCAS). Zu Deutsch: Tauchte nicht im Zusammenhang mit MCAS auf Das ist halt irgendwie das Gegenteil von dem, was SPON hier schreibt. Möchte die Redaktion mal Stellung beziehen und Klarheit schaffen, was stimmt? Und wie haben die US Piloten das System so einfach ausgeschaltet, wo es doch seit 3 Tagen hier überall heißt, das würde gar nicht gehen? Passt doch gar nichts mehr zusammen von dem, was berichtet wird.
sikasuu 13.03.2019
4. Teuer wird auf jeden Fall! Wenn so viele Lander der Erde, die Boeing..
.. aus Sicherheitsgründen erst mal "grounden" (die FAA ist gerade dabei ihren guten Ruf zu verspielen) stehen (wie auch schon berichtet "Schadenersatzforderungen" im Raum. . Was aber viel schlimmer ist, [...]
Zitat von claus7447Sollte Boeing da geschludert haben und diesen Hinweisen damals schon nicht in in einer Weise nachgegangen sein die zielführend ist (Generelle Information weltweit an die Pilotenverbände / Airlines) dann wird es teuer.
.. aus Sicherheitsgründen erst mal "grounden" (die FAA ist gerade dabei ihren guten Ruf zu verspielen) stehen (wie auch schon berichtet "Schadenersatzforderungen" im Raum. . Was aber viel schlimmer ist, ist das Boeing (aus welchen Gründen auch immer) das "Redundanzprinzip" DIE "heilige Kuh der Luftfahrt" bei seiner IT außen vor gelassen hat. . Bei solch "Sicherheitskritischen Funktionen (AOA) wie Strömungsabriss und automatischer Korrektur nur auf EINEN Sensor zu vertrauen ist, wohl nicht nur mMn. fahrlässig! . Das Airbus das gleiche bei Fahrmessern gemacht hat, (auch großer MIst) mag ja sein, aber ... . Mal sehen was die Untersuchungen ergeben. Die NTFS ist wohl "politisch" etwas stabiler als die FAA!
Bananenbieger 13.03.2019
5. Goldene Regel bei Piloten
Unabhängig von den Gegebenheiten lautet DIE!!! goldene Regel bei Piloten im Zweifel: Fly the plane! Computerflieger oder unerfahrene Flieger tun sich da eventuell etwas schwer und können nicht abschätzen, ob Anzeige oder [...]
Unabhängig von den Gegebenheiten lautet DIE!!! goldene Regel bei Piloten im Zweifel: Fly the plane! Computerflieger oder unerfahrene Flieger tun sich da eventuell etwas schwer und können nicht abschätzen, ob Anzeige oder Computermanöver korrekt sind. Die Verkehrspiloten, die ich kenne, und sie kommen allesamt aus der westlichen Welt, propagieren immer wieder diese Regel.

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