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Wissenschaft

Gemüse für Polarforscher

Antarktis-Gewächshaus im ewigen Eis angekommen

Tomaten, Gurke, Salat und Paprika - und davon am besten gleich ein paar Kilogramm pro Woche. Deutsche Forscher wollen in der Antarktis Gemüse züchten. Ihr Gewächshaus ist jetzt auch vor Ort.

DLR
Donnerstag, 11.01.2018   09:53 Uhr

"Eden ISS" heißt das Antarktis-Gewächshaus, das in den kommenden Monaten die deutsche Forschungsstation Neumayer III des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) versorgen soll. Entwickelt wurde es vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bremen. Und schon bald soll die Anlage, die in einem Schiffscontainer untergebracht ist, zeigen, was sie kann.

Vor wenigen Tagen hat ein südafrikanisches Frachtschiff den Container an der Kante des antarktischen Ekström-Schelfeises abgeliefert. "Von der Schelfeiskante schleppten wir das Container-Gewächshaus noch einmal rund 20 Kilometer mit Pistenbullys zur Neumayer-Station III", sagt Daniel Schubert. Er ist der zuständige Projektleiter beim DLR und gerade mit drei Kollegen eines Aufbauteams in der Antarktis unterwegs.

Das Gewächshaus soll 400 Meter von der Neumayer-Station entfernt stehen. Nach dem Zusammensetzen zweier Containerteile auf einem Gerüst, muss das Gewächshaus dann von innen eingerichtet werden. Anfang Februar soll alles für die Aussaat fertig sein.

Im Gewächshaus wird ein radikaler Ansatz für die Pflanzenzucht umgesetzt: Wasser wird komplett recycelt, dank einer Luftfilterung gibt es keine Pestizide oder Insektizide - aber auch keine Erde. Aeroponik heißt das Verfahren, bei dem die Wurzeln regelmäßig mit feinen Wassertropfen besprüht werden.

Das Licht für die Pflanzen kommt von LEDs, Tageslicht spielt keine Rolle - davon abgesehen gibt es davon im Südwinter in der Antarktis ja auch keines. Vom 21. Mai bis zum 22. Juli schafft es die Sonne in der Gegend der Station, die bei rund 70 Grad südlicher Breite liegt, nicht über den Horizont.

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Projekt "Eden ISS": Tiefkühlgemüse

"Wenn wir pünktlich Anfang Februar aussäen, hoffe ich Ende März die ersten Salate und Radieschen ernten zu können", sagt DLR-Mitarbeiter Paul Zabel. Er wird sich auch während des Winters um das Gewächshaus kümmern. Die letzte Lieferung mit frischem Proviant kommt normalerweise Ende Februar an der Station an. Danach gibt es bisher bis zum November keinen frischen Salat, frische Tomaten oder Gurken. Das Gewächshaus soll das jetzt ändern.

Für die DLR-Forscher ist das Gewächshaus an einem der unwirtlichsten und abgeschiedensten Orte der Erde auch deswegen so interessant, weil sie auf diese Weise für andere Einsätze trainieren können: für Pflanzenzucht auf Reisen in entfernte Regionen des Weltalls.

chs

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