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Umwelt

Forscher ziehen Öl mit Magneten aus dem Wasser

Fließen Erdöl, Diesel oder Benzin ins Meer, lassen sie sich nur schwer wieder entfernen. Deutsche Forscher haben nun eine Möglichkeit gefunden, die Stoffe mit einem Magneten aus dem Wasser zu holen.

Montag, 11.03.2019   17:29 Uhr

Schätzungsweise 800 Millionen Liter Öl sind 2010 bei der Explosion der Ölbohrplattform "Deepwater Horizon" in den Golf von Mexiko geflossen, sie verursachten eine Ölpest von historischem Ausmaß. Bis heute gilt die Havarie als die wohl größte Umweltkatastrophen dieser Art in der Geschichte.

Die schweren Auswirkungen für das marine Ökosystem liegen auch an dem Stoff selbst: Denn wabern erst einmal Ölteppiche auf dem Meer, lassen sie sich so leicht nicht mehr entfernen und schädigen die Meereswelt über Jahre.

Forscher der Universität Erlangen-Nürnberg hoffen, mit Öl belastetes Wasser künftig mithilfe von Magneten reinigen zu können. Dazu haben sie Partikel aus Eisenoxid entwickelt, an denen sich Erdöl, Diesel und andere Kohlenwasserstoffe im Wasser anlagern (siehe Video oben).

Eisenoxid ist von sich aus magnetisch. Die Partikel versahen die Forscher zusätzlich mit einer nur ein Molekül dicken Schicht einer Säure, die ölige Stoffe wie Rohöl, Benzin und Diesel anzieht. In welcher Form die Säure auf die Eisenoxidpartikel gebracht werden muss, damit sie verschiedene Ölsorten anzieht, simulierten die Forscher im Computer.

Dieselmoleküle (hier rot eingefärbt) lagern sich am Eisenoxid an

Gaben sie später das behandelte Eisenoxid in mit Öl belastetes Wasser, war das Volumen der sich anlagernden Ölmoleküle 14 Mal größer als das der Partikel im Inneren. Mit nur einem Eisenoxid-Partikel lasse sich somit verhältnismäßig viel Öl aus dem Wasser ziehen, berichten die Forscher um Marcus Halik im Fachmagazin "Advanced Functional Materials". Die Wissenschaftler probierten ihr Verfahren bei unterschiedlichen Temperaturen und in Meer- sowie Seewasser aus.

Es bleiben keine Ölreste im Wasser

Gemeinsam mit Unternehmen arbeiten Halik und Kollegen nun daran, das ölanziehende Eisenoxid in größerem Umfang herzustellen. Wenn das gelingt, könnte das Verfahren künftig auch außerhalb des Labors zum Einsatz kommen und Ölteppiche - im Gegensatz zu aktuell noch eingesetzten Methoden - restlos aus dem Meer entfernen.

FAU / Luis Portilla

Ein Forscher entnimmt den gebundenen Diesel mit einem Magneten

Bislang wurde bei Umweltkatastrophen unter anderem die sogenannte Dispersionstechnik eingesetzt, um Ölteppiche zu beseitigen. Sie wurde auch nach der Explosion von "Deepwater Horizon" genutzt. Chemikalien sollen das Öl dabei im Meer verteilen. Es kann dann zwar schneller von Mikroorganismen zersetzt werden, bleibt aber zunächst im Wasser.

jme

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