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Wissenschaft

Flug MH370

Warum verschwand das Suchschiff vom Schirm?

Das Spezialschiff "Seabed Constructor" sucht nach der vermissten Boeing-777 des Fluges Malaysia-Airlines MH370: Doch drei Tage lang verstummte sein automatisches Positions-Funksignal. Was war da los?

AFP

Die "Seabed Constructor" im Hafen von Henderson

Von
Donnerstag, 08.02.2018   15:57 Uhr

Wer dicke Pötte beobachten will, muss seine Nase schon lange nicht mehr in den Wind halten. Statt von zugigen Ufern aus lassen sich Schiffe längst auch vom heimischen Sofa weltweit verfolgen. Zu verdanken ist das einer Technik namens Automatic Identification System, kurz AIS. De facto alle größeren Fracht- und Passagierschiffe rund um den Globus verfügen seit Jahren über einen kleinen Sender. Dessen Signal kann von Stationen am Festland empfangen werden, aber auch von Satelliten.

Auf Basis dieser Daten generieren dann verschiedene Anbieter Landkarten. Mit deren Hilfe lässt sich teils in Echtzeit erkennen, wo sich ein bestimmtes Schiff gerade befindet. Zumindest wenn der Kapitän nicht gerade seinen Sender abstellt. Genau das hat der Schiffsführer auf der "Seabed Constructor" wohl dieser Tage getan - und weil das 115 Meter lange Spezialschiff in delikater Mission unterwegs ist, hat das für einiges Aufsehen gesorgt.

Anfang Januar war bekannt geworden, dass das US-Unternehmen Ocean Infinity das norwegische Spezialschiff mit der IMO-Registriernummer 9682148 gechartert hat. Es geht um einen spektakulären Auftrag: die Suche nach der vor fast genau vier Jahren verschollenen Boeing-777 des Fluges Malaysia-Airlines MH370.

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MH370: Suche nach dem Wrack

Der Jet sollte eigentlich von Kuala Lumpur nach Peking fliegen. Doch schon kurze Zeit nach dem Start wechselte irgendwer im Cockpit den Kurs. Seither ist die Maschine verschollen. Was den 239 Menschen an Bord genau zugestoßen ist, konnte bis heute nicht sicher geklärt werden. Eine erste Suchaktion war nach 1046 Tagen erfolglos eingestellt worden. Nur einige zur Maschine gehörende Trümmer waren gefunden worden, unter anderem auf der zu Frankreich gehörenden Insel La Réunion, auf Madagaskar und an der Küste von Mosambik.

Seit dem 22. Januar sucht nun also die "Seabed Constructor" nach dem vermissten Jet, in einem 25.000 Quadratkilometer großen Gebiet. Und Geld - es geht um bis zu 70 Millionen Dollar - bekommt die Firma Ocean Infinity nur, wenn das Wrack innerhalb von 90 Tagen tatsächlich aufgespürt wird.

Wichtigstes Hilfsmittel sind acht automatische Unterwasserroboter an Bord. Sie stammen wie das Schiff aus Norwegen, können bis zu 48 Stunden eigenständig operieren und wenn nötig 6000 Meter tief tauchen. Bis zum Dienstag hatten die orangefarbigen Fahrzeuge schon insgesamt 7500 Quadratkilometer Meeresgrund abgesucht.

Zwei auf den ersten Blick interessante Bereiche

Laut einem Zwischenbericht der malaysischen Regierung aus dieser Woche haben die Tauchgeräte mit ihren Radarsystemen bisher zwei auf den ersten Blick interessante Bereiche am Ozeanboden entdeckt. Ein Areal in 4250 Metern Wassertiefe war 500 mal 150 Meter lang, ein weiteres in 4050 Metern Tiefe maß 360 mal 210 Meter. Dort wirkte der Grund stark zerklüftet, im Gegensatz zu einer sonst ruhigen Umgebung. Bei näherer Untersuchung zeigte sich jedoch, dass beide Formationen geologischen Ursprungs waren.

Was der Bericht komplett unerwähnt lässt: Zwischen dem 1. und dem 4. Februar hat die "Seabed Constructor" kein AIS-Signal gesendet. Der Grund dafür ist nicht bekannt. Ocean Infinity hat sich bisher nicht zu der Sache geäußert. Der malaysische Transportminister Datuk Seri Liow Tiong Lai sprach bei einer Pressekonferenz von einem "normalen" Vorgang, ohne weiter ins Detail zu gehen.

Zuständige Behörde hat zugestimmt

Auf Anfrage des SPIEGEL erklärte Steinar Haugberg, Sprecher der für das Schiff zuständigen norwegischen Schifffahrtsbehörde, zwar sei der Einsatz des AIS-Systems auf Schiffen dieser Größe durch internationale Regeln vorgeschrieben. "Das AIS kann aber nach Ermessen des Kapitäns unter bestimmten Bedingungen abgestellt werden."

Das Unternehmen Swire Seabed, Besitzer der "Seabed Constructor" habe sich in der Tat bei der Behörde gemeldet und darum gebeten, das AIS abstellen zu dürfen. Die Firma habe sich auf anhaltenden Druck durch Medienhäuser und Social Media berufen, der Besatzung und Offiziere des Schiffs von ihren Aufgaben abgelenkt und den sicheren Betrieb der Operation behindert habe. Man habe dem Antrag am 1. Februar zugestimmt - unter anderem unter der Zusicherung, dass die Sicherheit anderer Schiffe in der Region nicht gefährdet wird.

Zweifelhafte Gerüchte über Schatzbergung

Die Australian Broadcasting Corporation (ABC) berichtet, das Schiff habe vor dem Aussetzen des Signals einen mehrere Kilometer weiten Kreis gefahren. Dann sei es in einer geraden Linie nach Südwesten weitergefahren - dort sei der AIS-Sender dann verstummt. Man muss allerdings wissen, dass das Schiff in diesem Fall zumindest per Radar auch weiterhin zu orten war.

Der ABC-Bericht zitiert Gerüchte im Internet, wonach das Suchschiff womöglich einen Fund näher in Augenschein genommen habe, der dem Unternehmen Fugro, das die erste Fahndung im Jahr 2015 durchführte, geglückt war. Es soll sich um eine Art Truhe handeln, die in 4000 Meter Wassertiefe am Meeresgrund steht. Sie soll zu einem inzwischen zerfallenen Schiffswrack gehört haben.

Solche Geschichten regen die Fantasie an. Ob die "Seabed Constructor" tatsächlich solch einen Zwischenstopp eingelegt hat, lässt sich derzeit nicht sagen. Angesichts des knappen Zeitplans für die Suche nach der vermissten Boeing-777 und der damit verbundenen Millionensumme könnte eine Schatzsuche als Nebenbeschäftigung aber eigentlich eher unwahrscheinlich erscheinen.

Sicher ist, dass das Schiff sein AIS inzwischen wieder angeschaltet hat. Seit Donnerstag liegt die "Seabed Constructor" für einen bereits zu Beginn der Fahrt geplanten Tankstopp im australischen Hafen von Henderson bei Perth. Von dort soll sie am Montag mit neuer Crew wieder aufbrechen - auf der Suche nach MH370.

insgesamt 26 Beiträge
ade 08.02.2018
1. Haben
Sie etwas gefunden was sie nicht finden sollten !!
Sie etwas gefunden was sie nicht finden sollten !!
Alfred 08.02.2018
2. Suche in falschem Seegebiet
Es gibt diverse Augenzeugen die MH370 im Tiefflug ueber den Malediven in suedlicher Richtung gesehen haben. Nur die Zeitangaben liegen etwa 2 Stunden zu spaet. Fliegt ein Verkehrsflugzeug im Tiefflug um Radar zu unterfliegen, [...]
Es gibt diverse Augenzeugen die MH370 im Tiefflug ueber den Malediven in suedlicher Richtung gesehen haben. Nur die Zeitangaben liegen etwa 2 Stunden zu spaet. Fliegt ein Verkehrsflugzeug im Tiefflug um Radar zu unterfliegen, erreicht es bei weitem nicht seine Reisegeschwindigkeit. Ich wuerde zwischen den Malediven und Chagos suchen, insbesondere um Chagos. Die satelitengeorteten Ping Signale, sowie Blackbox Signale an verschiedenen Stellen, alles Bogus um vom eigentlichen Absturzort abzulenken.
muellerthomas 08.02.2018
3.
Diese Augenzeugen haben sich doch allesamt als unbrauchbar ehrausgestellt - wie so oft bei Augenzeugen. Aber verraten Sie uns doch, warum Sie gerade dort, den "eigentlichen" Absturzort vermuten und wieso Sie eine [...]
Zitat von AlfredEs gibt diverse Augenzeugen die MH370 im Tiefflug ueber den Malediven in suedlicher Richtung gesehen haben. Nur die Zeitangaben liegen etwa 2 Stunden zu spaet. Fliegt ein Verkehrsflugzeug im Tiefflug um Radar zu unterfliegen, erreicht es bei weitem nicht seine Reisegeschwindigkeit. Ich wuerde zwischen den Malediven und Chagos suchen, insbesondere um Chagos. Die satelitengeorteten Ping Signale, sowie Blackbox Signale an verschiedenen Stellen, alles Bogus um vom eigentlichen Absturzort abzulenken.
Diese Augenzeugen haben sich doch allesamt als unbrauchbar ehrausgestellt - wie so oft bei Augenzeugen. Aber verraten Sie uns doch, warum Sie gerade dort, den "eigentlichen" Absturzort vermuten und wieso Sie eine Ablenkung vermuten?
multi_io 08.02.2018
4. Belohnung
Wenn die Behörden generell bereit sind, einen "Finderlohn" von 70 Millionen für den Fund der Maschine auszuzahlen, wieso wird dieses Angebot auf einen potentiellen Empfänger und 90 Tage begrenzt und nicht einfach [...]
Wenn die Behörden generell bereit sind, einen "Finderlohn" von 70 Millionen für den Fund der Maschine auszuzahlen, wieso wird dieses Angebot auf einen potentiellen Empfänger und 90 Tage begrenzt und nicht einfach unbegrenzt für alle ausgeschrieben? So 'ne Art Crowd-Suche kann ja nicht schaden und zieht vielleicht auch irgendwelche innovativen Ingenieure oder Bastler (entsprechende finanzielle Reserven vorausgesetzt) mit unbemannten Schwimmdrohnen oder sowas an. Es gibt ja ein hartes Erfolgskriterium -- nur wenn das Ding gefunden wird, gibt's das Geld. Die Gefahr, von Scharlatanen übers Ohr gehauen zu werden, ist damit gering.
Rot2010 08.02.2018
5. Wenn die Frachtliste von MH370 bekannt wird
kommt man der Lösung nahe. Denn nur wenn irgend etwas Wertvolles dabei war, macht die aufwendige Suche Sinn. Die Suche nach toten Menschen macht dabei weniger Sinn. Alfred (2 Kommentar)hat wohl recht und wenn die Ursache für das [...]
kommt man der Lösung nahe. Denn nur wenn irgend etwas Wertvolles dabei war, macht die aufwendige Suche Sinn. Die Suche nach toten Menschen macht dabei weniger Sinn. Alfred (2 Kommentar)hat wohl recht und wenn die Ursache für das Verschwinden etwas Wertvolles war, sucht man jetzt im Südatlantik an der falschen Stelle. Liegt das Wrack aber in flachen Gewässern bei den Malediven sieht die Sache anders aus.
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