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Wissenschaft

Norwegen

Giftiges U-Boot-Wrack der Nazis soll abgedeckt werden

1945 traf ein britischer Torpedo das deutsche U-Boot "U 864". Seitdem liegt das Wrack vor der norwegischen Küste - mit 67 Tonnen giftigem Quecksilber an Bord.

DPA

Sonaraufnahme von Bug (rechts) und Heck des deutschen U-Boots "U 864"

Dienstag, 09.10.2018   17:26 Uhr

Die norwegische Regierung plant, das Wrack eines deutschen U-Boots zu versiegeln, das 67 Tonnen hochgiftiges Quecksilber geladen hatte. Durch die Abdeckung sollen Meerestiere vor Quecksilber geschützt werden.

Ein britischer Torpedo hatte das deutsche Unterseeboot U-864 im Jahr 1945 versenkt und in zwei Teile gesprengt. 73 Menschen kamen ums Leben. Das brandneue U-Boot war eigentlich auf dem Weg nach Japan, um kriegswichtige Güter abzuliefern, darunter auch Tonnen mit Quecksilber für die Waffenproduktion.

Seit mehr als 70 Jahren liegt das Wrack nun in etwa 150 Metern Tiefe vor der Insel Fedje an Norwegens Westküste, unweit der Hafenstadt Bergen. Erst 2003 wurde es nach Hinweisen von Fischern durch ein Marineschiff entdeckt.

Zwölf-Meter-Sarkophag aus Sand und Beton

In den vergangenen Jahrzehnten gelangte durch das Wrack immer wieder Quecksilber ins Meer. Um das künftig zu verhindern, müsste eine Fläche von 47.000 Quadratmetern abgedeckt werden. Erste Pläne dazu stammen bereits aus dem Jahr 2006. Sie sehen einen zwölf Meter dicken Sarkophag aus Sand und Beton vor. Der Reaktor von Tschernobyl verfügt über eine ähnliche Abdeckung.

Die norwegische Regierung hat den Plänen nun zugestimmt und will für das Projekt im kommenden Jahr umgerechnet etwa 3,5 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Insgesamt soll es bis Ende 2020 zwischen gut 11,6 Millionen und 31,6 Millionen Euro kosten. Ein finaler Beschluss des Parlaments steht noch aus.

Anwohner und Umweltorganisationen halten das bloße Abdecken des Wracks für nicht ausreichend. Sie fordern im norwegischen Rundfunk NRK, dass "U-864" gehoben und das Quecksilber entfernt wird. Das hatten auch die damaligen Oppositions- und jetzigen Regierungsparteien Høyre und Fremskrittspartiet versprochen.

Mittlerweile sind aber auch sie für ein Abdecken des Wracks. Nach Angaben des Verkehrsministeriums hätten Untersuchungen ergeben, dass eine Bergung zu riskant sei.

koe/dpa

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