Schrift:
Ansicht Home:
Wissenschaft

Beisetzung von Stephen Hawking

Zeitreisende sind willkommen

Kommen zur Bestattung von Ausnahmephysiker Hawking womöglich Menschen aus der Zukunft? Physiker halten Zeitreisen zumindest für möglich - strenggenommen haben sie sogar schon stattgefunden.

Getty Images

Stephen Hawking im April 2016

Montag, 14.05.2018   16:52 Uhr

Er war der Popstar der Wissenschaft: Weltweit trauern noch immer viele Menschen um den Ausnahmephysiker Stephen Hawking. Nun sollen offenbar alle die Chance bekommen, an seiner Beisetzung teilzunehmen, selbst wenn sie aus der Zukunft kommen. Wer dabei sein will, braucht etwas Glück: Die Kinder des Physikers verlosen 1000 Tickets für die Beisetzung.

Hawking wird am 15. Juni in der Westminister Abbey in London beigesetzt, neben Größen wie Isaac Newton und Charles Darwin. Die Trauerfeier mit etwa 500 Freunden und Familienmitgliedern des bekennenden Atheisten fand bereits im April statt.

Fotostrecke

Stephen Hawking: Genie und Popstar

Um an der Lotterie für die Beisetzung teilzunehmen, muss man sich auf der Homepage der Stephen Hawking Foundation registrieren und sein Geburtsdatum angeben. Dabei stehen auch Daten zur Auswahl, die bis zum 31. Dezember 2038 reichen.

Viele hielten das zunächst für einen Irrtum. "Achtet auf Zeitreisende in der Abbey", witzelte der Londoner Reiseblogger IanVisits in einem Beitrag. Die Stephen Hawking Foundation machte jedoch deutlich, dass die Daten absichtlich so gewählt worden seien. "Wir können die Möglichkeit für Zeitreisen nicht ausschließen", sagte ein Sprecher zur BBC. "Alles ist möglich, bis das Gegenteil bewiesen ist." Warum allerdings nur Zeitreisende willkommen sind, die vor 2039 geboren wurden, blieb offen.

Hawking selbst hatte einmal scherzhaft gesagt, er habe bewiesen, dass Zeitreisen in die Vergangenheit unmöglich seien. "Ich habe 2009 eine Party für Zeitreisende geschmissen", sagte er 2012 beim Seattle Science Festival. "Ich habe die Einladungen aber erst nach der Party rausgeschickt. Ich habe lange gewartet, aber niemand kam."

10 Zitate von Stephen Hawking

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil

Zeitreisen in die Zukunft stellen jedoch prinzipiell kein so großes Problem dar - sie haben sogar bereits stattgefunden. So reiste der Kosmonaut Sergei Konstantinowitsch Krikaljow insgesamt 803 Tage durchs All. An Bord der Mir umkreiste er die Erde mit mehr als 27.000 Kilometern pro Stunde.

Laut Albert Einsteins Relativitätstheorie vergeht die Zeit für Objekte in Ruhe schneller als für solche in Bewegung. Krikaljow ist dadurch rechnerisch eine fünfzigstel Sekunde langsamer gealtert als die Menschen in derselben Zeit auf der Erde, er ist damit quasi in die Zukunft gereist - wenn auch nur um einige Sekundenbruchteile.

Sollte der Mensch eines Tages in der Lage sein, mit nahezu Lichtgeschwindigkeit zu reisen, wären auch längere Zeitreisen kein Problem. Angenommen, jemand saust beispielsweise zu einem 100 Lichtjahre entfernten Stern und wieder zurück, wäre für ihn nur wenig Zeit vergangen, auf der Erde dagegen 200 Jahre.

Mit den Reisen in die Vergangenheit ist es da schon bedeutend schwieriger, viele Physiker halten sie für unmöglich. Umso überraschender wäre es deshalb, wenn auf Hawkings Beisetzung tatsächlich Zeitreisende aus der Zukunft auftauchen würden.

koe

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP