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Wissenschaft

Milchstraße

Satellit kartiert eine Milliarde Sterne

Es ist die bislang detaillierteste Karte unserer Milchstraße: Satellit "Gaia" hat Sterne entdeckt, die Hunderttausende Male schwächer leuchten als jene, die mit bloßem Auge zu sehen sind.

DPA/ ESA

Zusammengesetztes "Gaia"-Foto der Milchstraße

Mittwoch, 14.09.2016   18:15 Uhr

Meilenstein bei der Vermessung der Milchstraße: Die Europäische Weltraumagentur ESA hat am Mittwoch in Madrid einen mit Spannung erwarteten ersten Katalog mit 1,15 Milliarden Sternen der Galaxis veröffentlicht, der auf Daten des Ende 2013 ins All gestarteten und weltweit einzigartigen Astronomieteleskops "Gaia" beruht.

Der Sternkatalog gibt hochgenau Positionen und Helligkeiten der Sterne an und ist damit die bislang größte und detaillierteste Karte unserer Milchstraße. "Gaia" vermisst seit Juni 2014 dreidimensional die Milchstraße - aus einer Position eineinhalb Millionen Kilometer von der Erde entfernt.

Die "Gaia"-Raumsonde verfügt über die größte Digitalkamera, die je für den Weltraum gebaut wurde. Mit einer Auflösung von fast einer Milliarde Pixel ist sie Teil eines hochkomplexen Teleskopsystems des Forschungssatelliten. Die Genauigkeit der "Gaia"-Messungen bei den helleren der kartierten Sterne entspricht der Größe einer Eineuromünze auf dem Mond - von der Erde ausgesehen.

DPA/ Astrium

Weltraumteleskop "Gaia"

Anders ausgedrückt: "Gaia" könnte nach Wissenschaftlerangaben ein einzelnes Haar aus einer Entfernung von bis zu tausend Kilometern erkennen. Von dem dreidimensionalen Abbild unserer Galaxie erhoffen sich die Forscher neue Erkenntnisse über Entstehung, Ursprung und heutiges Aussehen der Milchstraße.

"Gaia" soll unter anderem die Fragen beantworten, wie genau die Spiralarme unserer Galaxie entstanden sind und welche Materienströme die Milchstraße durchziehen.

Tausende Planeten aufspüren

Bei ihrer Himmelsdurchmusterung spürt die nach der Erdgöttin der griechischen Mythologie benannte "Gaia"-Sonde Objekte im All auf, die Hunderttausende Male lichtschwächer sind als jene, die wir mit bloßem Auge sehen können. Damit dürfte "Gaia" zu einer wahren Entdeckungsmaschine werden und den Wissenschaftlern eine Vielzahl neuer Forschungsansätze liefern.

So könnte die Sonde im Verlauf ihrer Mission Tausende Planeten aufspüren, die um fremde Sonnen kreisen, außerdem eine große Zahl von Asteroiden und Kometen innerhalb unseres Sonnensystems.

Gebaut wurde "Gaia" vom Raumfahrtunternehmen Airbus Defence and Space. Die von Gaia gesendeten Daten werden dem Unternehmen zufolge in den ESA-Bodenstationen im spanischen Cebreros und im australischen New Norcia über Parabolantennen empfangen.

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boj/AFP

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