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Wissenschaft

Extrem seltener Fund

Sieben erdähnliche Planeten auf einmal entdeckt

Nach astronomischen Maßstäben sind sie uns sehr nah: Forscher haben sieben neue Planeten entdeckt, die der Erde erstaunlich ähneln. "Auf der Suche nach Leben wohl die beste Wahl."

NASA/ JPL-Caltech
Von
Donnerstag, 23.02.2017   02:18 Uhr

Astronomen haben in den vergangenen Jahren Tausende neue Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt. Diese Exoplaneten sind meist ungemütliche Orte: Glühend heiß oder eiskalt - zumindest kein schöner Ort für uns bekannte Lebensformen.

Es ist daher eine kleine Sensation, was Forscher nun vor ihre Teleskope bekommen haben. In unserer kosmischen Nachbarschaft haben sie gleich sieben erdähnliche Planeten entdeckt. Sechs dieser Exoplaneten liegen in einer moderaten Temperaturzone, in der Wasser flüssig sein kann - eine Voraussetzung für Leben, wie wir es kennen.

"Auf der Suche nach Leben anderswo ist dieses System nach heutigem Stand wahrscheinlich die beste Wahl", sagt Studienautor Brice-Olivier Demory von der Universität Bern. Drei der Planeten könnten sogar Ozeane auf ihrer Oberfläche besitzen, sofern sie erdähnliche Atmosphären haben, schreiben die Forscher im Fachblatt "Nature". Konkrete Hinweise auf Leben haben sie bisher nicht.

Wie außergewöhnlich der Fund ist, zeigt die folgende Grafik mit Daten des Nasa Exoplanet Archivs. Aufgetragen sind dort die Masse und die Temperatur der bisher bekannten Exoplaneten. Nur eine Handvoll hat eine erdähnliche Temperatur und ist ähnlich schwer wie die Erde (Masse = 1 Erdmasse) - die meisten sind deutlich schwerer und heißer:

Die sieben nun gefundenen Planeten sind alle ungefähr so groß wie die Erde - ihre Durchmesser liegen zwischen 75 und 113 Prozent des irdischen, die Planetenmassen schätzen die Forscher auf 0,4 bis 1,4 Erdmassen. Es handele sich wahrscheinlich um Planeten aus Gestein.

Die Exoplaneten umkreisen den Stern Trappist-1, einen Roten Zwerg, was einer der häufigsten Sterntypen der Milchstraße ist. Das Zwergsternsystem liegt knapp 40 Lichtjahre entfernt im Sternbild Wassermann. Ein Lichtjahr ist die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt. 40 Lichtjahre sind rund 370 Billionen Kilometer.

Planetensysteme mit so vielen Planeten zu finden, ist extrem selten. Von den rund 3400 bekannten Exoplaneten sind die meisten Einzelgänger - sie kreisen einsam um ihren Stern, wie die Grafik zeigt:

Es ist nur ein anderes Sonnensystem bekannt, in dem sieben Trabanten kreisen: Sie fliegen um den Stern KOI-351 in rund 2500 Lichtjahren Entfernung, also viel weiter weg.

Der Zwergstern Trappist-1 hat lediglich acht Prozent der Masse unserer Sonne und zwölf Prozent des Sonnendurchmessers. Er ist nicht einmal halb so heiß wie unsere Sonne - gerade noch heiß genug, damit sein Sonnenfeuer nicht erlischt.

Dadurch können auf seinen Planeten trotz ihrer engen Umlaufbahnen gemäßigte Temperaturen herrschen. Die inneren sechs Trabanten umrunden Trappist-1 in 1,5 bis 12 Tagen, die Umlaufzeit des äußersten Planeten ließ sich noch nicht genau bestimmen und liegt zwischen zwei und fünf Wochen.

Zufällig der richtige Blickwinkel

Die Wissenschaftler hatten systematisch nach Planeten bei Roten Zwergen gesucht. Bei Trappist-1 wurden sie fündig: Von der Erde aus schaut man durch Zufall genauso auf das Sonnensystem, dass die sieben Planeten während ihres Umlaufs vor dem Zwergstern herziehen. Dadurch wird der Stern für einen kurzen Moment dunkler und dann wieder heller.

Diese sogenannte Transit-Methode hat vor rund 15 Jahren die Suche nach Exoplaneten revolutioniert. Allein im Jahr 2016 konnten damit mehr als 1400 neue Himmelskörper gefunden werden, wie die Grafik zeigt. Klicken Sie auf die Legende, um die anderen Werte besser zu erkennen.

Bis dato mussten Astronomen die Geschwindigkeit von Sternen analysieren. Umkreist ein Planet einen Stern, bewegt dieser sich periodisch auf uns zu und von uns weg. Aus diesen Geschwindigkeitsänderungen kann man daher ebenfalls auf Planeten schließen. Doch mit dieser Methode konnten im besten Jahr 2007 nur 73 neue Exoplaneten gefunden werden.

Mit künftigen Weltraumteleskopen wollen die Forscher nun versuchen, Ozon in den Atmosphären der Exoplaneten zu suchen. "Das könnte ein Indikator für biologische Aktivität auf einem Planeten sein", sagt Forscher Demory. Allerdings sei es schwer, biologische Aktivität aus der Ferne zweifelsfrei nachzuweisen. Für viele Indizien gebe es auch andere Erklärungen.

Eines ist jedoch klar: Sollte es nahe Trappist-1 Leben geben, ist ein solcher Planet langfristig die bessere Wahl. Wenn unsere Sonne in einigen Milliarden Jahren ihren Brennstoff verbraucht hat und unser Sonnensystem aufhört zu existieren, wird Trappist-1 noch immer ein junger Stern sein. Weil er so langsam brennt, wird der Rote Zwerg noch mindestens zehn Billionen Jahre leuchten.

Mit Material von dpa

insgesamt 444 Beiträge
Galgenstein 22.02.2017
1. 10 Billionen Jahre Leuchtkraft?
Hier scheint sich mir wieder einmal einer der beliebtesten Übersetzungsfehler eingeschlichen zu haben. 1 Billion entspricht 1.000 Milliarden im Deutschen und im Amerikanischen 1 Milliarde. [i] Es ist zwar ein beliebter [...]
Hier scheint sich mir wieder einmal einer der beliebtesten Übersetzungsfehler eingeschlichen zu haben. 1 Billion entspricht 1.000 Milliarden im Deutschen und im Amerikanischen 1 Milliarde. [i] Es ist zwar ein beliebter Übersetzungsfehler, allerdings nicht in diesem Fall: die 10 Billionen Jahre stimmen. "But one thing is certain: in a few billion years, when the Sun has run out of fuel and the Solar System has ceased to exist, TRAPPIST-1 will still be only an infant star. It burns hydrogen so slowly that it will live for another 10*trillion years..." http://www.nature.com/nature/journal/v542/n7642/full/542421a.html MfG Redaktion Forum [i]
s.meyer 22.02.2017
2. Skala
Gut das bei dem Diagramm 'Temperatur über Gewicht' die Einheit für die Temperatur dran stand. Mir ist nämlich spontan keine Temperaturscala eingfallen, bei der ein Wert '-500' gebraucht wird.
Gut das bei dem Diagramm 'Temperatur über Gewicht' die Einheit für die Temperatur dran stand. Mir ist nämlich spontan keine Temperaturscala eingfallen, bei der ein Wert '-500' gebraucht wird.
a-quadrat 22.02.2017
3. Na dann -
nix wie hin, oder? Hier wird es ja wohl nicht mehr besser.
nix wie hin, oder? Hier wird es ja wohl nicht mehr besser.
Pixopax 22.02.2017
4. Wie misst man das?
Ich frage mich immer: Wie kann man solch geringe Helligkeitsschwankungen im Licht eines kleinen Sterns sicher messen? Das sind doch nur winzigste Schwankungen, die auch von unserer Atmosphäre kommen können. Daher frage ich mich [...]
Ich frage mich immer: Wie kann man solch geringe Helligkeitsschwankungen im Licht eines kleinen Sterns sicher messen? Das sind doch nur winzigste Schwankungen, die auch von unserer Atmosphäre kommen können. Daher frage ich mich wie man so etwas messen kann, ich stelle mir das sehr kompliziert vor. Weiss es jemand?
Horst-Güntherchen 22.02.2017
5. Masse und Temperatur nicht die einzigen Parameter
Uns interessieren ja vor allem die bewohnbaren erdähnlichen Planeten. Neben der irrwitzigen Distanz, für die wir mit heutigen Antrieben etwa einige 10.000 Jahre bräuchten, sind noch andere Faktoren nicht geklärt: 1. Sind die [...]
Uns interessieren ja vor allem die bewohnbaren erdähnlichen Planeten. Neben der irrwitzigen Distanz, für die wir mit heutigen Antrieben etwa einige 10.000 Jahre bräuchten, sind noch andere Faktoren nicht geklärt: 1. Sind die Planeten aufgrund ihrer Nähe zum Stern in ihrer Eigendrehung synchronisiert, d.h. ist dort auf einer Seite ständig Tag oder ständig Nacht, was auch zu extremen Winden führen könnte oder 2. gibt es bei den Exoplaneten Trabanten wie unseren Mond, die die Drehachse stabilisieren? Eine wirkliche Option für uns würden die Planeten nur, wenn alle Faktoren sowie das Antriebsproblem gelöst wären. Von daher: Ruhig bleiben!
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