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Wissenschaft

Braune Zwerge

In der Milchstraße gibt es Milliarden gescheiterte Sterne

Sie sind düster und schwer aufzuspüren - aber alles andere als selten. In der Milchstraße gibt es viel mehr Braune Zwerge als bisher angenommen. Was sind das für Sterne?

DPA / Nasa / JPL-Caltech

Brauner Zwerg 2MASSJ22282889-431026 (grafische Darstellung)

Donnerstag, 06.07.2017   15:34 Uhr

Braune Zwerge sind zu groß, um Planeten zu sein - aber zu klein, um das Feuer der Kernfusion in ihrem Inneren zu zünden. Sie werden oft als gescheiterte Sterne bezeichnet. Die vergleichsweise schnell rotierenden Himmelsobjekte schimmern nur schwach im Licht der Wärme, die bei ihrer Entstehung frei wird. Manche, besonders kühle Exemplare, haben nur Zimmertemperatur und senden gar kein sichtbares Licht aus.

Braune Zwerge sind also sehr schwer aufzuspüren. Der erste Vertreter, Gliese 229 B heißt er, wurde erst 1995 entdeckt. Doch dass sie schwierig zu finden sind, heißt nicht, dass es wenige davon gibt. Ganz im Gegenteil. Nun sagen Forscher sogar: Milliarden solcher gescheiterter Sterne bevölkern unsere Milchstraße. Grundlage ist eine Analyse bestimmter Sternhaufen. In unserer Heimatgalaxie gibt es demnach 25 bis 100 Milliarden Brauner Zwerge, berichtet eine Forschergruppe um Aleks Scholz von der Universität St. Andrews in Großbritannien und Koraljka Muzic von der Universität Lissabon in Portugal auf einer Fachtagung im britischen Hull.

Da Braune Zwerge so schwer aufzuspüren sind, wurden die meisten der bisher gesichteten Exemplare in unserer kosmischen Nachbarschaft entdeckt. Das heißt, sie sind nicht mehr als etwa 1500 Lichtjahre entfernt. Ein Lichtjahr ist die Distanz, die das Licht in einem Jahr zurücklegt. Die Milchstraße hat einen Durchmesser von rund 100.000 Lichtjahren.

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Das Team um Muzic und Scholz hat systematisch nach Braunen Zwergen in Regionen gesucht, in denen Sterne entstehen. Dabei bemerkten die Astronomen, dass der rund tausend Lichtjahre entfernte Sternhaufen mit der Katalognummer NGC 1333 rund halb so viele Braune Zwerge besitzt wie richtige Sterne. Ein Vergleich mit einem zweiten Sternhaufen (RWC 38) mit deutlich anderen Bedingungen erbrachte dasselbe Verhältnis.

Die Astronomen nehmen daher an, dass dieser Anteil universell ist. "Unabhängig vom Typ des Haufens sind Braune Zwerge sehr häufig", so Scholz. "Braune Zwerge entstehen zusammen mit Sternen in Haufen, daher legt unsere Arbeit nahe, dass es da draußen eine riesige Zahl Brauner Zwerge gibt." Die Forscher haben ihre Analyse zur Veröffentlichung in den "Monthly Notices" der Königlichen Astronomischen Gesellschaft eingereicht.

Eine Sache sollte man über Braune Zwerge vielleicht noch wissen: Ihr Name ist eigentlich falsch. Sie sehen eher schwach rot aus. Doch der Name Roter Zwerg war zum Zeitpunkt ihrer Entdeckung bereits an besonders leichte Sterne vergeben.

chs/dpa

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