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Wissenschaft

Satellitenbild der Woche

Gefährliche Risse im Petermann-Gletscher

Der Petermann-Gletscher in Grönland ist wegen seiner formschönen Zunge bekannt. Doch die ist spröde, immer wieder brechen Eisberge ab.

ESA/ Copernicus Sentinel Data

Falschfarbenbild des Petermann-Gletschers

Montag, 11.09.2017   10:40 Uhr

Ist das Kunst oder kann das weg? Zwar sieht diese Aufnahme so aus, als hätte ein Künstler auf der Leinwand seine frischen Acrylfarben per Spachtel noch nicht vollständig verteilt. Doch tatsächlich ist die Farbgebung hier weder zufällig, wie sie zu einem kleinen Teil vielleicht bei moderner Kunst entstehen mag, noch ist sie nach künstlerischen Gesichtspunkten gewählt.

In diesem Satellitenbild sind die Wolken weiß mit einem Hauch von grün, während Schnee und Eis blau erscheinen. Helle Grünflächen zeigen Vegetation, während schwarze Flecken Schatten und Wasser sind. Bei der Aufnahme handelt es sich um ein sogenanntes Falschfarbenbild. Dabei werden teils für unser Auge nicht wahrnehmbare Farben etwa aus dem Infrarotbereich durch andere, sichtbare Farben ersetzt. Geoforscher können in solchen Darstellungen gewünschte Bereiche besser erkennen.

Diese Aufnahme hat der Erdbeobachtungssatellit "Sentinel-2A" gemacht. Er ist Teil des "Copernicus"-Programms der Europäischen Weltraumorganisation Esa zur Erd- und Umweltbeobachtung. Mit den hochauflösenden Spektralbildern des "Wächters" werden etwa Veränderungen von Vegetation und Landschaft aufgezeichnet.

Fotostrecke

Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Das Foto zeigt einen Gletscher im Nordwesten von Grönland, den Petermann-Gletscher. Das 1300 Quadratkilometer große Gebiet verbindet den Grönländischen Eisschild mit dem Arktischen Ozean. Ein besonders auffälliges Merkmal des Gletschers ist seine etwa 70 Kilometer lange und 15 Kilometer breite Zunge, die auf der Aufnahme zu sehen ist und die auf Wasser schwimmt.

Immer wieder sind riesige Stücke aus dem Gletscher gebrochen. Fachleute bezeichnen diesen Vorgang als "kalben". Zuletzt fing "Sentinal-2A" ein etwa 5,5 Quadratkilometer großes Stück ein, das im Juli herausgebrochen war. Bekannt wurde der Abbruch eines Eisbergs 2010: Das Stück hatte eine Fläche von 260 Quadratkilometern und eine Dicke von 200 Metern. Die Fließgeschwindigkeit des Gletschers habe sich danach um zehn bis 20 Prozent erhöht, schrieben Forscher damals.

Derzeit beobachten Forscher den Gletscher erneut mit Sorge: Ein neuer Riss im Eis könnte einen weiteren Abbruch ankündigen. Verschwinden Gletscher ganz, können sie einen erheblichen Beitrag zum Anstieg des Meeresspiegels leisten.

Der Petermann-Gletscher ist eine der größten Eiszungen auf Grönland: Laut der Europäischen Weltraumorganisation Esa, die das Bild aus dem August dieses Jahres veröffentlicht hat, würde ein komplettes Abschmelzen des Gletschers den Meeresspiegel um 30 Zentimeter ansteigen lassen.

joe

insgesamt 3 Beiträge
Nonvaio01 11.09.2017
1. so ist das eben
Gletscher sind lebende gebilde die sich immer veraendern.
Gletscher sind lebende gebilde die sich immer veraendern.
only me 11.09.2017
2.
Ich habe mir den Gletscher auf Google Map angesehen, also 30 cm Meeresanstirg scheinen mir doch ein bischen weit her geholt. Oder ich verstehe nicht wie es gemeint ist. Etwa 3/4 unserer Welt besteht aus Wasser. mfG
Ich habe mir den Gletscher auf Google Map angesehen, also 30 cm Meeresanstirg scheinen mir doch ein bischen weit her geholt. Oder ich verstehe nicht wie es gemeint ist. Etwa 3/4 unserer Welt besteht aus Wasser. mfG
whocaresbutyou 17.09.2017
3. Forscher warnen...
Während der letzten Eiszeit bedeckten Gletscher ca. 35 % der festen Erdoberfläche (unter anderem große Teile Europas). Heute sind es nur noch ca. 10%, was die meisten Bewohner besagter Landstriche vermutlich durchaus begrüßen [...]
Während der letzten Eiszeit bedeckten Gletscher ca. 35 % der festen Erdoberfläche (unter anderem große Teile Europas). Heute sind es nur noch ca. 10%, was die meisten Bewohner besagter Landstriche vermutlich durchaus begrüßen werden. 2010 brach von diesem Gletscher eine 120 Quadratkilometer große Zunge ab. Die Auswirkung auf den Meeresspiegel war allerdings gleich Null, da die Zunge bereits vorher im Wasser schwamm und ihr Gewichtsäquivalent bereits verdrängte. Faktisch gesehen, ist der derzeitige Meeresspiegel (verglichen mit der letzten Eiszeit) bereits extrem hoch und die Gletscher extrem geschrumpft. "Normaler Meeresspiegel ist eigentlich garnicht normal" taugt allerdings als Nachricht eher wenig... Mit ein paar (seriöser) Internetquellen kann man(n) sich da auch gerne mal eine eigene Meinung, fernab der medialen Sensations- und Panikmache bilden, in der meist der Konjunktiv (könnte, wäre, würde...) die bevorzugte Form ist.

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