14.01.2012
Satellitenbild der Woche
Nasse Blüte
Blühendes Meer vor den Falklandinseln: Ganz besonderer Menü-Lieferservice
Berlin - Wer Wind liebt, ist hier richtig. Mit aller Macht ziehen immer wieder Stürme über den Südatlantik. Die schütteln dann allerdings meist nur die paar Schiffsbesatzungen durch, die sich durch die aufgepeitschten See kämpfen. Sonst sind kaum Menschen in der Gegend. Das hier abgebildete Schauspiel lässt sich ohnehin nur von oben verfolgen, von einem Schiff aus wäre es so nicht zu sehen.
Rund 600 Kilometer östlich der britischen Falklandinseln hat der Esa-Satellit "Envisat" eine Phytoplanktonblüte fotografiert. Das massenhafte Wachstum verschiedener Algenarten, von Einzellern und Bakterien sorgt für die wundersame Färbung im Ozean. Ausgelöst wird sie durch mineralische Nährstoffe, die der Wind vom Land in die obersten Wasserschichten trägt.
Wo sich das Wasser mischt, können auch Organismen in größerer Tiefe von dem ganz besonderen Menü-Lieferservice profitieren. Im Süd-Frühjahr und -Sommer sind solche Blüten nichts ungewöhnliches. Kräftige Wirbel im Ozean sorgen dafür, dass sie sich auf dem Bild kräftig vom allgemeinen Blau des Meeres abheben. Verschiedene Arten von Phytoplankton sorgen für die verschiedenen Farbtöne.
Die Winzlinge begeistern Forscher in vielerlei Hinsicht. So denken Wissenschaftler seit einiger Zeit darüber nach, ob sich der Mechanismus zur Beeinflussung des Weltklimas nutzen lässt.
Die Idee klingt zunächst simpel: Angeregt durch die mineralische Düngung bildet sich an der Ozeanoberfläche mehr Phytoplankton. Und das produziert dann große Mengen Sauerstoff und konsumiert dabei klimaschädliches Kohlendioxid. Dadurch würden, liefe alles nach Plan, größere Mengen Kohlenstoff gebunden. Nach dem Tod der winzigen Organismen würde dieser zum Ozeanboden absinken und damit der Atmosphäre entzogen sein.
Soweit die Theorie. In der Praxis hat das in bisherigen Experimenten eher nicht so gut funktioniert. Beim deutsch-indischen "Lohafex"-Experiment stoppten zum Beispiel winzige Ruderfußkrebse recht bald ein Anwachsen der Algenblüte. Deswegen sank nur eine geringe Menge gebundenen Kohlenstoffs zum Meeresboden ab.
chs