23.06.2012
"Shefex II"
Bergungsteam sucht nach Hyperschall-Flugkörper
Berlin - Nicht alles ist glatt gegangen beim Flug des deutschen Hyperschall-Flugkörpers "Shefex II". Und doch zeigt sich Hendrik Weihs vom Institut für Bauweisen- und Konstruktionsforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) höchst zufrieden. "Die Daten haben wir zu 95 Prozent", sagte er am Samstagabend nach einer letzten Sitzung auf der norwegischen Raketenbasis Andøya.
Die Abkürzung "Shefex" steht für "Sharp Edge Flight Experiment", also "scharfkantiger Flugversuch". Der Flugkörper war am Freitagabend nach mehrfacher Verzögerung vom einsamen Startplatz weit jenseits des Polarkreises abgehoben. Angetrieben von zwei Raketenstufen stieg die Spitze in rund 250 Kilometer Höhe. Dann fiel sie mit bis zu elffacher Schallgeschwindigkeit wieder zur Erde zurück, gesteuert von winzigen Stummelflügeln.
Der Versuch soll Wissenschaftlern dabei helfen, einen weit simpleren Hitzeschutz für Raumfahrzeuge zu entwickeln als bisher üblich. Statt komplizierter gerundeter Formen würden scharfkantige Elemente zum Einsatz kommen. Die Forscher hoffen so auf deutliche Kosteneinsparungen - wenn das Konzept denn tatsächlich einmal praktisch umgesetzt wird, zum Beispiel für einen kleinen Raumgleiter zum unbemannten Transport wissenschaftlicher Experimente
"Shefex II" sollte dabei helfen, dieser Vision einen Schritt näher zu kommen. Auf dem letzten Abschnitt des Flugs hatte es allerdings einige Probleme beim Empfang der Daten gegeben. Die Bodenstation in Spitzbergen hatte keine Signale registrieren können. Dadurch waren den Wissenschaftlern die Messergebnisse aus dem Höhenbereich zwischen 37 und 20 Kilometern über dem Boden vorenthalten geblieben.
Doch auch diese Daten ließen sich noch einsammeln - wenn es einem Bergungsteam gelingt, die Reste von "Shefex II" aus dem Arktischen Ozean zu fischen. Ein Überwachungsflugzeug hatte am Freitag die Signale eines Peilsender aufgefangen und an ein Schiff weitergeleitet. Aus der Luft ist der Sender leichter zu orten, weil selbst hohe Wellen das Signal nicht stören.
Die Bergungscrew sucht seitdem nach der Spitze. Allerdings seien die Sichtbedingungen derzeit schlecht, sagte DLR-Mann Hendrik Weihs. Die Batterie des Peilsenders halte noch bis etwa Montag. "Die Chancen stehen 50 zu 50, dass wir die Hardware wiederbekommen." In jedem Fall sei man aber sehr zufrieden mit dem Flug. Eine mögliche Bergung der Technik sei bestenfalls "ein kleines Highlight obendrauf". Auch der erste "Shefex"-Flugkörper im Jahr 2005 konnte nach seinem Flug nicht wiedergefunden werden.
chs


