19.07.2012
Glühender Brocken
Astronomen finden Hinweise auf Magma-Planeten
Exoplaneten-Kandidat UCF-1.01: Kleiner als die Erde, heiß wie ein Vulkan
Washington - Es ist ein Ort, der den traditionellen Vorstellungen der Hölle entsprechen könnte: Ein Planet, der mit 600 Grad so heiß ist, dass seine Oberfläche weitgehend aus Magma besteht. Eine solche Welt haben Astronomen jetzt offenbar mit Hilfe des Weltraumteleskops "Spitzer" entdeckt. Das Himmelsobjekt UCF-1.01 besitze nur etwa zwei Drittel der Größe der Erde und sei lediglich 33 Lichtjahre von uns entfernt, teilte die US-Weltraumbehörde Nasa mit. Damit wäre er der nächstgelegene Planet, der kleiner ist als die Erde.
"Wir haben starke Hinweise auf einen sehr kleinen, sehr heißen und sehr nahen Planeten entdeckt", sagte Studienleiter Kevin Stevenson von der University of Central Florida in Orlando. Dabei hatten die Forscher gar nicht gezielt nach dem Winzling gesucht, sondern ihn zufällig gefunden, als sie einen bekannten Exoplaneten von der Größe Neptuns im Orbit um den Stern GJ 436 untersuchten.
Winzige, periodische Lichtschwankungen führten auf die Spur des kleinen Erdverwandten: Planeten verraten sich auf Teleskopbildern, weil sie regelmäßig vor ihrem Stern vorbeilaufen und ihn dabei etwas abschatten. Im Fall von GJ 436 fanden die Wissenschaftler eine periodische Abschattung, die eindeutig nicht von dem bekannten Planeten herrührte, wie sie in einem Fachbeitrag für das "Astrophysical Journal" schreiben.
"Spitzer"-Teleskop könnte zum Planetenjäger werden
Die Suche nach Exoplaneten ist ein schwieriges Geschäft. Da ihre Heimatsterne sie bei weitem überstrahlen, wurden die allermeisten Exemplare bisher mit indirekten Verfahren entdeckt. Je kleiner die Planeten sind, desto schwieriger sind sie aufzuspüren. UCF-1.01 wäre der zweitkleinste bisher bekannten Exoplanet - und der erste, der mit Hilfe des "Spitzer"-Teleskops gefunden wurde. "Das weist auf eine mögliche Rolle für 'Spitzer' bei der Suche nach potentiell bewohnbaren Planeten von der Größe der Erde hin", teilte die Nasa mit.
Die bisherigen Berechnungen lassen nach Angaben der Nasa vermuten, dass UCF-1.01 seinen Stern in einem äußerst engen Orbit umkreist. Eine Umrundung absolviert der kleine Planet in nur 1,4 Erdentagen. Aus dieser Nähe berechneten die Forscher die Oberflächentemperatur von rund 600 Grad.
UCF-1.01 dürfte deshalb eine lebensfeindliche Welt sein. Seine Atmosphäre, sollte er jemals eine besessen haben, wäre längst verschwunden, seine Oberfläche geologisch tot wie die des Merkur. Joseph Harrington, einer der beteiligten Forscher, brachte noch eine andere Möglichkeit ins Spiel: Die extreme Hitze könnte die Oberfläche von UCF-1.01 weitgehend aufgeschmolzen haben. "Er könnte sogar mit Magma bedeckt sein", wird Harrington in der Nasa-Mitteilung zitiert.
Hinweise auf dritten Planeten
Stevenson und seine Kollegen haben darüber hinaus Hinweise auf einen dritten Planeten im Orbit im GJ 436 gefunden. Auch das Objekt mit der Bezeichnung UCF-1.02 habe sich mehrfach in den Daten gezeigt. Allerdings sind selbst die empfindlichsten derzeit verfügbaren Instrumente nicht in der Lage, die Masse derart kleiner Exoplaneten zu messen - sie könnte bei nur einem Drittel der Erdmasse liegen. Da allerdings eine Masseangabe notwendig ist, um offiziell von einer Planetenentdeckung zu sprechen, bezeichnen die Forscher ihre Funde bisher nur als Exoplaneten-Kandidaten.
Das auf die Planetensuche spezialisierte "Kepler"-Weltraumteleskop hat bisher 1800 Sterne gefunden, die Planetensysteme besitzen könnten. Nur drei davon werden von Brocken umkreist, die kleiner sind als die Erde. Und nur einer von ihnen gilt als noch kleiner als die von "Spitzer" entdeckten Kandidaten: Sein Durchmesser entspricht 57 Prozent des Erddurchmessers.
mbe/dpa