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16.11.2012
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Rekordverdacht

Astronomen entdecken uralte Galaxie

NASA/ ESA/ STSI

Ferne Galaxie: Das Licht von MACS0647-JD war 13,3 Milliarden Jahre unterwegs

Astronomen melden den Fund einer Galaxie, die 13,3 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Damit könnte sie das frühesten bekannte Sternsystem des Universums sein. Allerdings konkurriert sie mit einem weiteren möglichen Rekordhalter.

Paris - Auf der Suche nach den frühesten Galaxien im Universum sind Astronomen möglicherweise auf einen neuen Rekord gestoßen: Sie entdeckten eine Sterneninsel in 13,3 Milliarden Lichtjahren Entfernung von der Erde, wie die US-Raumfahrtbehörde Nasa und die Europäische Raumfahrtagentur Esa am Freitag mitteilten. "Wir sehen die neu entdeckte Galaxie mit der Bezeichnung MACS0647-JD so, wie sie 420 Millionen Jahre nach dem Urknall aussah", hieß es in einer Mitteilung. "Ihr Licht war 13,3 Milliarden Jahre zur Erde unterwegs."

Das Urknall-Modell besagt, dass das Universum vor rund 13,7 Milliarden Jahren entstand und sich seither ausdehnt. Die Nasa bezeichnet die neue Entdeckung als die am weitesten entfernte Galaxie, die bislang bekannt sei. Allerdings hatte die US-Weltraumbehörde schon vor einem halben Jahr die Entdeckung einer Galaxie gemeldet, die sogar 13,5 Milliarden Lichtjahre entfernt sei - und bezeichnete sie ebenfalls als die am weitesten entfernt. Die Forscher lösen das Dilemma, indem sie jeweils von Rekordkandidaten sprechen.

Ein eindeutiges Ergebnis ist wohl erst nach weiteren Auswertungen zu erwarten. Die jetzt aufgespürte Galaxie MACS0647-JD sei wohl zu weit entfernt, um mit den derzeit vorhandenen Teleskopen ihre Entfernung exakt zu bestimmen, erläuterte die Nasa. Erst der "Hubble"-Nachfolger, das im Bau befindliche "James Webb Space Telescope", werde voraussichtlich dazu in der Lage sein. Es soll 2018 ins All geschossen werden.

Strahlen in der Linse

In letzter Zeit häufen sich die Rekorde: Im Januar hatte "Hubble" eine Galaxie gefunden, die rund 13,2 Milliarden Jahre alt ist. Und im Oktober 2011 hatten Forscher den Fund einer 13 Milliarden Jahre alten Galaxie bekanntgegeben.

Auf die Spur kamen die Astronomen dem nun entdeckten Sternsystem durch einen Effekt, der an ein astronomisches Vergrößerungsglas erinnert. Dieser sogenannte Graviationslinsen-Effekt entsteht, wenn sich genau auf der Linie zwischen Beobachter und Galaxie ein zweites massereiches Objekt befindet, das durch seine Gravitation die Lichtstrahlen des dahinter liegenden Objekts ablenkt und so verstärkt.

Eine solche Gravitationslinse erlaubt Astronomen die Beobachtung von Sterneninseln, deren Licht schwächer ist als dasjenige einer Kerze auf dem Mond. Dieser Effekt machte auch die Beobachtung der lichtschwachen Galaxie MACS0647-JD durch die Weltraumteleskope "Hubble" und "Spitzer" erst möglich.

Die neu entdeckte Galaxie weist einen Durchmesser von weniger als 600 Lichtjahren auf - das ist nur ein Bruchteil des Durchmessers unserer Milchstraße, der auf 150.000 Lichtjahre geschätzt wird. Die Forscher glauben daher, dass wir die weit entfernte Galaxie in den ersten Stadien ihrer Entwicklung sehen - so, wie sie vor 13,3 Milliarden Jahren ausgesehen hat.

boj/AFP/dpa

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insgesamt 94 Beiträge
1. nanu
nixda 16.11.2012
Was für ein wissenschaftlicher Beitrag soll denn das sein? Hier wird ja vor gar nichts gewarnt, da fühlt man sich ja gleich unwohl. Bin ja schon gespannt auf den Nachfolger von Hubble. Schade, dass wir noch so langee warten [...]
Was für ein wissenschaftlicher Beitrag soll denn das sein? Hier wird ja vor gar nichts gewarnt, da fühlt man sich ja gleich unwohl. Bin ja schon gespannt auf den Nachfolger von Hubble. Schade, dass wir noch so langee warten müssen.
2.
Gungosh 16.11.2012
:-) Aber wenigstens ist es spannend, darüber zu philosophieren, ob dort vielleicht eine Zivilisation existiert. Oder vor X Milliarden Jahren existiert hat. Oder X Zivilisationen in Y Milliarden Jahren, die entstanden und [...]
Zitat von nixdaWas für ein wissenschaftlicher Beitrag soll denn das sein? Hier wird ja vor gar nichts gewarnt, da fühlt man sich ja gleich unwohl. Bin ja schon gespannt auf den Nachfolger von Hubble. Schade, dass wir noch so langee warten müssen.
:-) Aber wenigstens ist es spannend, darüber zu philosophieren, ob dort vielleicht eine Zivilisation existiert. Oder vor X Milliarden Jahren existiert hat. Oder X Zivilisationen in Y Milliarden Jahren, die entstanden und vergangen und nun wieder Sternenstaub sind, und eine davon vielleicht sogar nahezu mit Lichtgeschwindigkeit reisen konnte :-) ...was übrigens für alle Sterne gilt... Hintergrund meines Gefasels: Zwischen den Zweifeln daran, ob es außer uns andere intelligente Spezies gibt oder gab und der Annahme, die Sonne würde sich um die Erde drehen, besteht für mich kein Unterschied. Und "Sternenstaub" finde ich deshalb interessant, weil ich mal aufgeschnappt habe, dass sämtliche Materie (ausnahmslos) im Universum irgendwann mal Teil eines Sterns war :-) Bin auch ein großer Hubble-Fan (siehe HubbleSite - Gallery (http://hubblesite.org/gallery/), falls nicht eh schon bekannt) und freue mich auf kommende Verbesserungen.
3. Wo? Wann? Was?
Izmi 16.11.2012
Ich begreifs immer noch nicht: Vor 13,3 Mrd. Lichtjahren stand die Galaxie dort am Himmel, wo wir sie heute sehen. Und in diesen 13,3 Mrd. Lichtjahren hat sich das Weltall um eben diesen Betrag ausgedehnt? Dann war diese [...]
Zitat von sysopNASA/ ESA/ STSIAstronomen melden den Fund einer Galaxie, die 13,3 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Damit könnte sie das frühesten bekannte Sternsystem des Universums sein. Allerdings konkurriert sie mit einem weiteren möglichen Rekordhalter. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/nasa-und-esa-astronomen-melden-fund-bisher-aeltester-galaxie-a-867692.html
Ich begreifs immer noch nicht: Vor 13,3 Mrd. Lichtjahren stand die Galaxie dort am Himmel, wo wir sie heute sehen. Und in diesen 13,3 Mrd. Lichtjahren hat sich das Weltall um eben diesen Betrag ausgedehnt? Dann war diese Galaxie ursprünglich "ganz in der Nähe" beheimatet? Dann hätte das Licht also praktisch von "ganz in der Nähe" bis zur Entfernung 13,3 Mrd. LJ eben 13,3 Mrd. Jahre gebraucht? Und inzwischen ist diese Milchstraße 26,6 Mrd. LJ entfernt? Irgendwie bring ich das alles nicht auf die Reihe...
4. @Gungosh
Anindo 16.11.2012
Sicherlich existieren dort Zivilisationen, wenn man an Darwin glaubt. Galaxien bestehen aus zig Milliarden Sonnensystemen (weiße Zwerge und rote Riesen taugen auch als Sonnenersatz), die wohl im Durchschnitt ein Planet umkreist. [...]
Sicherlich existieren dort Zivilisationen, wenn man an Darwin glaubt. Galaxien bestehen aus zig Milliarden Sonnensystemen (weiße Zwerge und rote Riesen taugen auch als Sonnenersatz), die wohl im Durchschnitt ein Planet umkreist. 50 bis 80 Milliarden Galaxien sind bereits sichtbar und nach konservativer Schätzung muss es auch in unserer Galaxie mindestens 250.000 intelligente Zivilisationen geben, statistisch gesehen.
5. Nix
Izmi 16.11.2012
Neuesten Forschungen zufolge gibt es nicht eine! Nicht eine Einzige!
Zitat von AnindoSicherlich existieren dort Zivilisationen, wenn man an Darwin glaubt. Galaxien bestehen aus zig Milliarden Sonnensystemen (weiße Zwerge und rote Riesen taugen auch als Sonnenersatz), die wohl im Durchschnitt ein Planet umkreist. 50 bis 80 Milliarden Galaxien sind bereits sichtbar und nach konservativer Schätzung muss es auch in unserer Galaxie mindestens 250.000 intelligente Zivilisationen geben, statistisch gesehen.
Neuesten Forschungen zufolge gibt es nicht eine! Nicht eine Einzige!

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