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Wissenschaft

Saturnmond

Titans Atmosphäre im Griff der Jahreszeiten

Wissenschaftler haben eine weitere Gemeinsamkeit des Saturnmondes Titan mit der Erde entdeckt: Offensichtlich verändert sich die Atmosphäre des Mondes mit den Jahreszeiten. Angekurbelt wird der Effekt durch die Sonneneinstrahlung im Sommer - und Kälte im Winter.

NASA/ JPL-Caltech/ SSI

Titan: Die Sonne umrahmt den Saturnmond beim Blick auf die Nachtseite

Donnerstag, 29.11.2012   12:33 Uhr

Auf dem Saturnmond Titan ist es zwar viel zu kalt für flüssiges Wasser und damit für Leben, wie wir es kennen. Dennoch entdecken Astronomen immer wieder Gemeinsamkeiten mit unserer Erde. So umschließt den Mond etwa eine dichte Atmosphäre, die hauptsächlich aus Stickstoff besteht. Forscher um Nicholas Teanby von der englischen Universität Bristol haben jetzt Hinweise darauf gefunden, dass die Titan-Atmosphäre sich ähnlich wie die irdische mit den Jahreszeiten verändert.

Die Luftzirkulation in der mittleren Atmosphäre des Saturnmondes scheint sich seit der Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühling 2009 umgekehrt zu haben, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift "Nature".

Bisher ging man davon aus, dass die Strömungen der mittleren Atmosphäre in einer Höhe von 450 bis 500 Kilometern über der Oberfläche des Saturnmondes enden. Dort befindet sich eine Art abgetrennte Dunstschicht. An dieser Annahme rütteln die neuen Beobachtungen: Die Wissenschaftler hatten mit Hilfe der Raumsonde "Cassini" eine Ansammlung von Spurengasen über dem Titan-Südpol entdeckt, die sich nach der Tag-Nacht-Gleiche 2009 gebildet hat. Der Fund spricht für den Wandel in der Luftzirkulation - und legt nahe, dass die mittlere Atmosphäre bis in eine Höhe von 600 Kilometern reicht und damit weit höher als bisher angenommen.

Angetrieben werde die Zirkulation der Luftschichten wahrscheinlich durch die Erwärmung der Atmosphäre im Sommer, wenn die Sonneneinstrahlung besonders stark ist, so die Forscher. Im Winter steht dem die Abkühlung der Atmosphäre durch Infrarot-Emissionen entgegen. Die Astronomen schließen aus ihren Beobachtungen, dass die Effekte noch bis weit hinein in die höher liegende Thermosphäre eine wichtige Rolle spielen und für die scheinbar separierte Dunstschicht in 450 bis 500 Kilometern Höhe eine neue Erklärung gefunden werden muss.

Titan ist mit einem Durchmesser von mehr als 5000 Kilometern der zweitgrößte Mond im Sonnensystem und der einzige mit einer dichten Atmosphäre. "Cassini" und ihr Landemodul "Huygens" haben auf dem Saturnmond bereits Hinweise auf Seen und Flüsse gefunden. Statt mit Wasser sind diese jedoch mit flüssigen Kohlenwasserstoffen gefüllt. Außerdem regnet es auf der exotischen Welt wahrscheinlich Flüssiggas .

irb/dpa

insgesamt 14 Beiträge
Layer_8 29.11.2012
1. Tja...
...fast alles so wie auf unserer lieben Erde, nur ein bisschen entschleunigter. Würde da gerne mal im Methanregen stehen in gelbgrünem Dämmerlicht. Riesentropfen, behäbig hinabgleitend, seenbildend auf steinhartem [...]
Zitat von sysopNASA/ JPL-Caltech/ SSIWissenschaftler haben eine weitere Gemeinsamkeit des Saturnmondes Titan mit der Erde entdeckt: Offensichtlich verändert sich die Atmosphäre des Mondes mit den Jahreszeiten. Angekurbelt wird der Effekt durch die Sonneneinstrahlung im Sommer - und Kälte im Winter. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/saturnmond-titan-atmosphaere-wandelt-sich-mit-den-jahreszeiten-a-869971.html
...fast alles so wie auf unserer lieben Erde, nur ein bisschen entschleunigter. Würde da gerne mal im Methanregen stehen in gelbgrünem Dämmerlicht. Riesentropfen, behäbig hinabgleitend, seenbildend auf steinhartem Wassereisgrund. Dabei geht dann am Horizont schemenhaft und gigantisch der Mutterplanet auf.
Meckermann 29.11.2012
2. Und dann...
Brrr kalt. Schnell rein und einen Glühwein...
Zitat von Layer_8...fast alles so wie auf unserer lieben Erde, nur ein bisschen entschleunigter. Würde da gerne mal im Methanregen stehen in gelbgrünem Dämmerlicht. Riesentropfen, behäbig hinabgleitend, seenbildend auf steinhartem Wassereisgrund. Dabei geht dann am Horizont schemenhaft und gigantisch der Mutterplanet auf.
Brrr kalt. Schnell rein und einen Glühwein...
helmut.alt 29.11.2012
3. optional
Die Titanatmosphäre, bestehend aus Kohlenwasserstoffen, liefert einen überzeugenden Hinweis, dass "Erdöl" auch bei -174°C gebildet werden kann. Ein biologischer Hintergrund wie auf unserem Planeten ist offenbar [...]
Die Titanatmosphäre, bestehend aus Kohlenwasserstoffen, liefert einen überzeugenden Hinweis, dass "Erdöl" auch bei -174°C gebildet werden kann. Ein biologischer Hintergrund wie auf unserem Planeten ist offenbar nicht nötig.
mustermannfrau 29.11.2012
4. Hallo?
Das wäre aber neu, dass Stickstoff zu den Kohlenwasserstoffen gehört. Und wenn ja, dann nehme ich gleich den nächsten Flug zum Mars, bevor einer hier auf der Erde einen Streichholz anzündet!
Zitat von helmut.altDie Titanatmosphäre, bestehend aus Kohlenwasserstoffen, liefert einen überzeugenden Hinweis, dass "Erdöl" auch bei -174°C gebildet werden kann. Ein biologischer Hintergrund wie auf unserem Planeten ist offenbar nicht nötig.
Das wäre aber neu, dass Stickstoff zu den Kohlenwasserstoffen gehört. Und wenn ja, dann nehme ich gleich den nächsten Flug zum Mars, bevor einer hier auf der Erde einen Streichholz anzündet!
Mimimat 29.11.2012
5. :-)
Das kommt mir bekannt vor: Zu Mailboxzeiten wollte mit bei einem Quiz mal wer weiß machen, dass die Hauptbestandteile der Luft Wasserstoff und Sauerstoff sind. Er protzte noch mit seinem Leistungskurs chemie. damals bekam [...]
Zitat von mustermannfrauDas wäre aber neu, dass Stickstoff zu den Kohlenwasserstoffen gehört. Und wenn ja, dann nehme ich gleich den nächsten Flug zum Mars, bevor einer hier auf der Erde einen Streichholz anzündet!
Das kommt mir bekannt vor: Zu Mailboxzeiten wollte mit bei einem Quiz mal wer weiß machen, dass die Hauptbestandteile der Luft Wasserstoff und Sauerstoff sind. Er protzte noch mit seinem Leistungskurs chemie. damals bekam ich auch etwas Angst. :-) Zum Thema: Ich staune, dass in solch gigantischer Entfernung zur Sonne offenbar noch so was wie Jahreszeiten existieren. Den Einfluss der Sonne hätte ich für viel zu gering gehalten.

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