Schrift:
Ansicht Home:
Wissenschaft

Wissenschaftliche Sensation

Mögliche zweite Erde in unserer Nachbarschaft entdeckt

Unseren Nachbarstern Proxima Centauri umkreist nach SPIEGEL-Informationen ein bislang unbekannter Planet. Nie zuvor sind Wissenschaftler auf einen erdähnlichen Planeten gestoßen, der uns so nahe ist.

ESA/ Hubble/ NASA

Proxima Centauri, aufgenommen vom Hubble-Teleskop

Freitag, 12.08.2016   19:44 Uhr

Proxima Centauri ist der von uns aus gesehen nächstgelegene Fixstern, ein nur 4,24 Lichtjahre entfernter roter Zwerg. Wie der SPIEGEL erfuhr, haben Astrophysiker entdeckt, dass dieser Nachbarstern von einem bislang unbekannten Planeten umkreist wird.

Titelbild

Mehr dazu im SPIEGEL

Heft 33/2016
Das blaue Wunder
Warum der Mensch die Meere retten muss

Der noch namenlose Planet ist mutmaßlich erdähnlich und bewegt sich offenbar in so günstigem Abstand um Proxima Centauri, dass auf seiner Oberfläche flüssiges Wasser vorkommen könnte - was als wichtige Voraussetzung für die Entstehung von Leben gilt.

Nie zuvor sind Wissenschaftler auf eine mögliche zweite Erde gestoßen, die so nahe ist. Ende August will die Europäische Südsternwarte Eso die wissenschaftliche Sensation bekannt geben.

Zum Einsatz kam ein Spiegelteleskop, das die Eso auf dem Berg La Silla in der chilenischen Atacamawüste betreibt. "Den kleinen Himmelskörper zu finden, war ein hartes Stück Arbeit", bestätigte ein an der Suche beteiligter Astrophysiker dem SPIEGEL. "Wir bewegten uns an der Grenze des messtechnisch Machbaren."

Bei vorherigen Beobachtungen habe es nur schwache Hinweise auf einen kleinen Begleiter gegeben, der Proxima Centauri umkreise, heißt es in einer früheren Mitteilung der Eso zu dem Projekt. Anschließend konzentrierten sich die Astrophysiker bei ihren Messungen darauf, Schwankungen in den Umlaufbewegungen des Zwergsterns genauer zu ergründen.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.

insgesamt 335 Beiträge
Mikel 12.08.2016
1. Astrologie?
Hoffentlich wurde diese Erkenntnis auf seriösem Weg gewonnen.
Hoffentlich wurde diese Erkenntnis auf seriösem Weg gewonnen.
simpson.paulo 12.08.2016
2. Ich wandere aus....
Wer baut mir das Raumschiff, welches mit knapp Lichtgeschwindigkeit fliegt? Ach, ja: genug Essen und Unterhaltung für die fünfjährige Reise brauche ich auch :-)
Wer baut mir das Raumschiff, welches mit knapp Lichtgeschwindigkeit fliegt? Ach, ja: genug Essen und Unterhaltung für die fünfjährige Reise brauche ich auch :-)
h.weidmann 12.08.2016
3.
Mithilfe eines Spiegel-Teleskops. Seriöser geht nicht.
Zitat von MikelHoffentlich wurde diese Erkenntnis auf seriösem Weg gewonnen.
Mithilfe eines Spiegel-Teleskops. Seriöser geht nicht.
Hajojunge 12.08.2016
4.
Nach irdischen Zeitmaßstäben ist eine Kontaktaufnahme mit möglichen Fern-Erdlingen absolut unmöglich. Man vergesse nicht, dass das Licht in einer einzigen Sekunde 300 000 km zurücklegt. 8760 Stunden/Jahr, 60 Minuten/Stunde [...]
Nach irdischen Zeitmaßstäben ist eine Kontaktaufnahme mit möglichen Fern-Erdlingen absolut unmöglich. Man vergesse nicht, dass das Licht in einer einzigen Sekunde 300 000 km zurücklegt. 8760 Stunden/Jahr, 60 Minuten/Stunde und 3600 Sekunden/Stunde, das ergibt eine Entfernung, die mit menschlichen Maßstäben zeitlich auch nicht annähernd zu erfassen ist. Die Lichtgeschwindigkeit läßt sich nun einmal nicht überwinden, und so bleiben wir allein auf weiter Flur. Und das ist wohl auch gut so - vor allem für unsere Nachbarn.
DieButter 12.08.2016
5.
Sollte man in der Atmosphäre Sauerstoff nachweisen, wäre der Nachweis, dass es dort Wasser gibt, erbracht. Weil, wenn dort Lebenwesen leben, die Sauerstoff produzieren, wird es mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit dort auch [...]
Sollte man in der Atmosphäre Sauerstoff nachweisen, wäre der Nachweis, dass es dort Wasser gibt, erbracht. Weil, wenn dort Lebenwesen leben, die Sauerstoff produzieren, wird es mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit dort auch Wasser geben.

Verwandte Themen

Verwandte Artikel

Jetzt Fan werden!

Methoden der Planetenjagd

Die Suche nach der zweiten Erde
ESO

Die Entdeckung der ersten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems galt als wissenschaftliche Sensation. 1992 wiesen Forscher die ersten Exoplaneten im Orbit um den Pulsar PSR B1257+12 nach. 1995 fanden Michel Mayor und Didier Queloz erstmals einen Planeten in der Umlaufbahn eines Sterns, der unserer Sonne ähnelt. Zuvor war unter Forschern heftig umstritten, ob es überhaupt Planeten in den Tiefen des Alls gibt - oder ob unser Sonnensystem das einzige seiner Art ist. Inzwischen sind jedoch rund 600 Exoplaneten in mehr als 480 Systemen bekannt.
Die größte Hürde
Mit heutigen Teleskopen können Exoplaneten nur unter größten Schwierigkeiten direkt beobachtet werden, da ihr Heimatstern sie bei weitem überstrahlt. Astronomen sind deshalb auf indirekte Methoden angewiesen, die in den vergangenen Jahren immer weiter verfeinert wurden und die Entdeckung immer kleinerer Planeten erlauben. Das begehrteste Objekt ist eine "zweite Erde": ein Felsplanet, der in Größe und Masse der Erde ähnelt und seinen Stern in der sogenannten Grünen Zone umkreist, in der die Existenz von flüssigem Wasser auf der planetaren Oberfläche möglich ist.
Radialgeschwindigkeitsmessung
Die Messung der Radialgeschwindigkeit ist das älteste Verfahren zum Nachweis extrasolarer Planeten. Wenn ein Planet einen Stern umrundet, zwingt er ihm eine leichte Taumelbewegung auf: Der Stern schlingert wie ein Hammerwerfer. Dadurch bewegt er sich minimal auf den Betrachter zu und von ihm weg. Durch den Doppler-Effekt wird das Licht dabei abwechselnd kurzwelliger und langwelliger.

Anfangs war diese Methode noch so grob, dass mit ihr nur große Gasplaneten vom Kaliber des Jupiters entdeckt werden konnten, die ihren Stern zudem in einem engen Orbit umrunden. Leben ist auf diesen glühend heißen Giganten aber kaum möglich. Erst seit kurzem können Wissenschaftler mit dieser Methode auch kleinere Planeten von der Größe der Erde entdecken - vorzugsweise im Orbit um Rote Zwergsterne. Sie sind wesentlich kleiner und kühler als unsere Sonne, weshalb erdähnliche Planeten sie in einer engen Bahn umkreisen und dennoch lebensfreundlich sein können.
Transitmethode
Die Transitmethode kann angewandt werden, wenn ein Planet von der Erde aus gesehen direkt vor seinem Heimatstern vorbeizieht. Dabei verdeckt er einen Teil des Sternenlichts. Anhand der Abdunkelung können Astronomen auf die Existenz des Planeten schließen. Und nicht nur das: Die Transitmethode erlaubt auch gewisse Rückschlüsse auf die Atmosphäre eines Planeten. Während des Transits werden je nach Zusammensetzung der Gashülle verschiedene Wellenlängen des Sternenlichts unterschiedlich stark absorbiert. Auf diese Weise konnten Forscher in der Atmosphäre von HD 209458b Wasserstoff, Sauerstoff und möglicherweise sogar Wasserdampf nachweisen.
Gravitationslinseneffekt
Beim Gravitationslinseneffekt, auch "gravitational microlensing" genannt, wird das Licht eines Himmelskörpers durch ein Objekt im Vordergrund verstärkt. Der Effekt wird von Albert Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie beschrieben: Die Schwerkraft eines Objekts mit großer Masse, etwa eines Sterns oder einer Galaxie, krümmt die Raumzeit und lenkt das Licht ab - so, als ob eine gigantische optische Linse im Raum schweben würde. Auf diese Weise können auch lichtschwache Objekte sichtbar werden, die Astronomen sonst verborgen blieben. Mit dieser Methode wurden bereits mehrere Exoplaneten entdeckt.

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP