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Wissenschaft

Phänomen im All

Astronomen beobachten mysteriöse Radioblitze

Sie dauern nur Tausendstelsekunden, setzen aber so viel Energie frei wie 500 Millionen Sonnen: Radioblitze konnten bisher nur selten dokumentiert werden, nun haben Astronomen gleich zwanzig von ihnen erwischt.

DPA/ Alex Cherney/ CSIRO

Milchstraße über dem ASKAP-Radioteleskop-Array

Donnerstag, 11.10.2018   16:57 Uhr

Wo der nächste Radioblitz am Himmel zu sehen sein wird, lässt sich kaum vorhersagen. Sie tauchen nur für Millisekunden aus allen Himmelsrichtungen auf. Australische Forscher haben nun den Nachthimmel aufwendig nach den mysteriösen Blinksignalen abgesucht und zwanzig von ihnen dokumentiert.

Woher sie kommen und wie sie entstehen, wissen die Forscher deshalb zwar noch nicht. Die Radioblitze sollen aber die Frage klären, was sich zwischen Galaxien befindet.

Das Phänomen der kurzen Radioblitze oder "Fast Radio Bursts" wurde erst 2007 entdeckt. Klar ist bisher lediglich, dass sie aus den Tiefen des Weltalls stammen, jenseits unserer eigenen Galaxie, der Milchstraße. Mehr dazu lesen Sie hier.

Da die Blitze über extrem weite Entfernungen zu sehen sind, müssen sie von sehr energiereichen Ereignissen erzeugt werden - Experten schätzen, dass dabei auf einen Schlag so viel Energie frei wird wie 500 Millionen Sonnen zeitgleich abstrahlen.

Aufwendige Suche

Forscher um Ryan Shannon von der Swinburn-Universität in Melbourne und Jean-Pierre Macquart von der Curtin-Universität in Perth hatten mit dem aus 36 Einzelteleskopen bestehenden Observatorium "Australian Square Kilometre Array Pathfinder" (ASKAP) systematisch nach den Radioblitzen gesucht.

Das Team beobachtete den Himmel mit mehreren der Einzelteleskope gleichzeitig und konnte damit einen Bereich von 240 Quadratgrad auf einmal abdecken - das ist rund tausendmal größer als der Vollmond am Himmel erscheint. Zwischen Januar 2017 und Februar 2018 zeichneten sie 20 kosmische Radioblitze auf, berichten die Forscher im Fachblatt "Nature".

Die Analyse bestätigte nicht nur, dass die Blitze aus den Tiefen des Alls kommen und zufällig über den Himmel verteilt sind. Sie zeigte auch, dass sich die Blitze auf ein Tausendstel Grad genau am Himmel lokalisieren lassen. Und sie eröffnet einen Weg zur Untersuchung der Materie zwischen den Galaxien.

Denn jedes Mal, wenn ein Radioblitz auf seinem Weg eine intergalaktische Gaswolke passiert, wird seine Strahlung bei verschiedenen Wellenlängen unterschiedlich stark abgebremst.

Multimedia-Spezial

"Wenn der Blitz schließlich die Erde erreicht, kommt die Spanne seiner Wellenlängen zu leicht unterschiedlichen Zeiten an, wie Schwimmer an der Ziellinie", sagt Macquart. "Die genaue Zeitmessung bei der Ankunft der verschiedenen Wellenlängen verrät uns, wie viel Material der Blitz auf seiner Reise durchquert hat."

Für Astronomen ist das ein enormer Vorteil: Bisher ist beispielsweise noch nicht endgültig geklärt, was für Materie sich zwischen einzelnen Galaxien befindet. Die Radioblitze könnten dieses Geheimnis nun lüften.

koe/dpa

insgesamt 10 Beiträge
Ossifriese 11.10.2018
1. Spock
Ist doch klar: Jedes mal, wenn ein intergalaktischer Transport durch ein Wurmloch getätigt wird, entstehen diese Blitze. Das hat doch schon der Wissenschaftsoffizier Spock berichtet...
Ist doch klar: Jedes mal, wenn ein intergalaktischer Transport durch ein Wurmloch getätigt wird, entstehen diese Blitze. Das hat doch schon der Wissenschaftsoffizier Spock berichtet...
geotie 11.10.2018
2.
Faszinierend!
Zitat von OssifrieseIst doch klar: Jedes mal, wenn ein intergalaktischer Transport durch ein Wurmloch getätigt wird, entstehen diese Blitze. Das hat doch schon der Wissenschaftsoffizier Spock berichtet...
Faszinierend!
mhwse 11.10.2018
3. oder wenn man diese Mini-Erkundungskapseln auf 1/3c
beschleunigen will, um innergalaktische Missionen auf den Weg zu bringen .. allerdings könnte die gemessene Energie "etwas" zu hoch für so etwas sein.
beschleunigen will, um innergalaktische Missionen auf den Weg zu bringen .. allerdings könnte die gemessene Energie "etwas" zu hoch für so etwas sein.
frenchie3 11.10.2018
4. Mich hauen solche Zahlen um
In Millisekunden gefunden, ein paar Millionen Sönnchen stark, Materialbestimmung durch Abweichungen im wuuuusch schon ist es vorbei. Hoffen wir nur daß auf der Erde irgendwo ein Blitzableiter steht
In Millisekunden gefunden, ein paar Millionen Sönnchen stark, Materialbestimmung durch Abweichungen im wuuuusch schon ist es vorbei. Hoffen wir nur daß auf der Erde irgendwo ein Blitzableiter steht
bloss_nicht_nachdenken 11.10.2018
5. Vermutung
Es gibt nur wenige direkt beobachtete Supernovae. Dabei müssten sie doch eigentlich recht häufig vorkommen, angesichts der gigantischen Sternenanzahl im Universum. Gibt es da eventuell einen Zusammenhang oder kann man diesen [...]
Es gibt nur wenige direkt beobachtete Supernovae. Dabei müssten sie doch eigentlich recht häufig vorkommen, angesichts der gigantischen Sternenanzahl im Universum. Gibt es da eventuell einen Zusammenhang oder kann man diesen umgekehrt mit Sicherheit ausschließen?

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