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Wissenschaft

Ausstieg im Jahr 2024

Nasa plant Privatisierung der Raumstation ISS

Mehr als drei Milliarden Dollar bezahlen die USA jedes Jahr für den Betrieb der ISS - und schon 2024 könnte damit Schluss sein. Doch es gibt Widerstand gegen die Privatisierungspläne der Nasa.

NASA
Montag, 12.02.2018   14:44 Uhr

Seit mehr als 17 Jahren leben Menschen auf der Internationalen Raumstation ISS. In etwa 400 Kilometern Höhe umkreist die 100 Meter lange und breite Konstruktion die Erde - eine Umrundung dauert 93 Minuten.

Doch die Zukunft des 450-Tonnen-Kolosses ist ungewiss. Die Verträge zum Betrieb der ISS laufen nur noch bis zum Jahr 2024. Sofern sich die Betreiber, allen voran Russland und die USA, nicht auf eine Verlängerung einigen, wäre danach Schluss. Die Raumstation müsste demontiert und zum kontrollierten Absturz gebracht werden.

Allein die USA zahlen für den Betrieb jährlich zwischen drei und vier Milliarden Dollar. Das ist etwa die Hälfte des Nasa-Budgets für bemannte Raumfahrt. Wiederholt haben die Amerikaner deshalb über einen Ausstieg aus dem internationalen Projekt diskutiert.

"Teil einer künftigen kommerziellen Plattform"

Nun berichtet die "Washington Post" über ein Nasa-internes Dokument, in dem vorgeschlagen wird, dass die amerikanischen Teile der Station nach 2024 an einen privaten Betreiber übertragen werden könnten.

Das Ende der staatlichen Finanzierung bedeute nicht, dass die Station dann außer Betrieb genommen werde, heißt es in dem Dokument. "Es ist möglich, dass die Industrie beginnen könnte, bestimmte Teile oder Fähigkeiten der ISS als Bestandteil einer künftigen kommerziellen Plattform weiterzubetreiben."

Dies würde zur Strategie der US-Regierung unter Donald Trump passen, den erdnahen Orbit weitgehend privaten Anbietern zu überlassen. Diese sollen dort bemannte Raumfahrt betreiben, die Nasa wäre dann einer ihrer Kunden. Die US-Raumfahrtbehörde selbst würde mit ihren eigenen Raumschiffen weiter entfernte Regionen des Alls erkunden, etwa den Mond oder den Mars.

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Raumstation ISS: Spektakuläre Fotos, große Gesten

Dass die USA womöglich schon 2024 aus der ISS aussteigen könnten, kommt für viele Beobachter überraschend. Es galt als nahezu ausgemacht, dass der Betrieb zumindest bis zum Jahr 2028 verlängert wird.

Auch die russische Raumfahrtagentur Roskosmos hatte sich zuletzt offen für eine solche Verlängerung gezeigt. Es gab zuvor aber auch Gedankenspiele von russischer Seite, nach 2024 die eigenen Module von der ISS abzukoppeln und als russische Raumstation weiterzubetreiben.

Heftiger Widerstand gegen ein Ende der US-Beteiligung im Jahr 2024 kommt aus dem US-Bundesstaat Texas, wo unter anderem das Johnson Space Center der Nasa seinen Sitz hat. Senator Ted Cruz von den Republikanern sagte, er hoffe, dass sich Meldungen über ein Ende der ISS-Finanzierung als falsch herausstellten. Ein solcher Vorschlag stamme von "Strohköpfen" in der Buchhaltung der Behörde, wetterte er.

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Schätzungen zufolge haben allein die USA bislang mehr als 100 Milliarden Dollar in Aufbau und Betrieb der ISS gesteckt. "Als Steuerfachmann weiß man, dass es die größtmögliche Dummheit wäre, ein Programm zu beenden, in das man Milliarden investiert hat, wenn es noch eine nutzbringende Zukunft hat", sagte Cruz der "Washington Post".

Die Internationale Raumstation ISS wird gemeinsam von Russland und den USA betrieben. Jedes Land hat ein eigenes Segment, das aus mehreren Modulen besteht. Beide Länder stemmen auch den Großteil der Finanzierung und betreiben die beiden Kontrollzentren in Koroljow bei Moskau und Houston (Texas).

Hinzu kommen Beiträge der Raumfahrtagenturen Esa (Europa), Jaxa (Japan) und CSA (Kanada), die etwa eigene Technik einbringen wie die Forschungsmodule Columbus und Kibo. Als Gegenleistung dürfen sie die Station mit nutzen.

hda

insgesamt 19 Beiträge
joG 12.02.2018
1. Deutschland könnte....
....anbieten die Hälfte der amerikanischen Nutzung zu übernehmen. Dann hätten die Amis die 100 Milliarden Hauptkosten bezahlt und wir kämen billig an eine Platform.
....anbieten die Hälfte der amerikanischen Nutzung zu übernehmen. Dann hätten die Amis die 100 Milliarden Hauptkosten bezahlt und wir kämen billig an eine Platform.
schwerpunkt 12.02.2018
2.
Was will man denn mit einer Raumstation, welche ursprünglich auf 15 Jahre Lebensdauer ausgelegt war und zu dem Zeitpunkt 25 Jahre auf dem Buckel haben wird? Alleine die Unterhaltskosten und Risiken steigen mit dem Alter [...]
Zitat von joG....anbieten die Hälfte der amerikanischen Nutzung zu übernehmen. Dann hätten die Amis die 100 Milliarden Hauptkosten bezahlt und wir kämen billig an eine Platform.
Was will man denn mit einer Raumstation, welche ursprünglich auf 15 Jahre Lebensdauer ausgelegt war und zu dem Zeitpunkt 25 Jahre auf dem Buckel haben wird? Alleine die Unterhaltskosten und Risiken steigen mit dem Alter deutlich an. irgendwann ist die RISS nur noch Selbstzweck, weil sämtliche Ressourcen aufgebraucht werden nur um die Station am Leben und lebenserhaltend zu erhalten. Private werden den Betrieb der Raumstation kaum übernehmen, wenn sie sich heute schon kaum an den Laborplätzen beteiligen. Eine Raumstation KANN sinnvoll sein, die ISS wird es 2024 nicht mehr sein, da sie in erster Linie wieder ein hauptsächlich politisches Objekt ist/war (internationale Kooperation, vor allem mit Russland)und nur in zweiter Linie zweckorientiert war. Selbst als Werft für künftige Flüge in den tiefen Raum taugt sie nicht, da dazu die Deklination der Umlaufbahn ungünstig ist. Die ISS wird 2024 ziemlich sicher aufgegeben. Ein staatlich finanziertes Nachfolgeprojekt (als Raumstation) wird es auch nicht geben .. auch kein DSH weil SLS/Orion als versorger bei weitem zu teuer.
KingTut 12.02.2018
3. Fortbestand sichern
Die ISS halte ich für sehr wichtig. Deutschland ist einer der größten Geldgeber und hat auch zahlreiche Module für die Raumstation geliefert. Unsere Astronauten genießen wegen ihrer fachlichen und menschlichen Kompetenz [...]
Die ISS halte ich für sehr wichtig. Deutschland ist einer der größten Geldgeber und hat auch zahlreiche Module für die Raumstation geliefert. Unsere Astronauten genießen wegen ihrer fachlichen und menschlichen Kompetenz große Anerkennung. Ich erinnere nur an Ulrich Walter und Alexander Gerst. Letzterer wird gegen Jahresmitte erstmals das Kommando für die ISS übernehmen. Sollten die Amerikaner sich aus diesem Projekt zurückziehen, dann wäre das ein großer Fehler, den sie irgendwann bereuen würden. Falls sie sich dennoch dazu entschließen und keine privaten Investoren einspringen, dann müsste unter der Federführung von Deutschland der Weiterbetrieb finanziell gesichert werden. Drei bis vier Mrd. Euro werden sich wohl noch auftreiben lassen. Es ist ein Jammer, dass für Raumfahrtprojekte meist zu wenig Geld vorhanden ist. Wir könnten schon längst Mondkolonien besitzen und auf dem Mars gelandet sein, nebst vieler anderer interessanter Projekte. Denn Anlaufstellen gibt es alleine in unserem Sonnensystem genug. Es ist nur eine Frage des Geldes. Dies alles wäre machbar, wenn von den gigantischen Rüstungsausgaben ein Teil in die Raumfahrt flösse. Natürlich ist es auch sinnvoll, wenn Unternehmen und Privatpersonen, die es sich leisten können, verstärkt in die Raumfahrt investieren. Vielleicht erfährt die Weltraumforschung durch sie eine neue Dynamik.
ichwillauchpost 12.02.2018
4. Forschung und das daraus...
...entstehende Wissen, dass so massiv mit Steuergeld überhaupt erst ermöglicht wurde, muss nachhaltig auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, ohne, dass diese dann nochmal teuer dafür bezahlt, weil die beteiligten [...]
...entstehende Wissen, dass so massiv mit Steuergeld überhaupt erst ermöglicht wurde, muss nachhaltig auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, ohne, dass diese dann nochmal teuer dafür bezahlt, weil die beteiligten Firmen ihr Know-How vergolden wollen. Es ist das ureigenste Interesse der Menschheit, dass derartige Forschung frei vom Einfluss der kapitalistischen Marktwirtschaft ist und von der Öffentlichkeit betrieben wird. Privatisierung ist Diebstahl am Volk!
extra330sc 12.02.2018
5.
Manches ist eine Frage des Geldes, vieles ist allerdings eine Frage des Wissens. Daher erklären Sie mir anscheinend Nichtwissenden, welches ISS-Modul wir Deutschen denn geliefert haben...es sollen ja zahlreiche sein, mir [...]
Zitat von KingTutDie ISS halte ich für sehr wichtig. Deutschland ist einer der größten Geldgeber und hat auch zahlreiche Module für die Raumstation geliefert. Unsere Astronauten genießen wegen ihrer fachlichen und menschlichen Kompetenz große Anerkennung. Ich erinnere nur an Ulrich Walter und Alexander Gerst. Letzterer wird gegen Jahresmitte erstmals das Kommando für die ISS übernehmen. Sollten die Amerikaner sich aus diesem Projekt zurückziehen, dann wäre das ein großer Fehler, den sie irgendwann bereuen würden. Falls sie sich dennoch dazu entschließen und keine privaten Investoren einspringen, dann müsste unter der Federführung von Deutschland der Weiterbetrieb finanziell gesichert werden. Drei bis vier Mrd. Euro werden sich wohl noch auftreiben lassen. Es ist ein Jammer, dass für Raumfahrtprojekte meist zu wenig Geld vorhanden ist. Wir könnten schon längst Mondkolonien besitzen und auf dem Mars gelandet sein, nebst vieler anderer interessanter Projekte. Denn Anlaufstellen gibt es alleine in unserem Sonnensystem genug. Es ist nur eine Frage des Geldes. Dies alles wäre machbar, wenn von den gigantischen Rüstungsausgaben ein Teil in die Raumfahrt flösse. Natürlich ist es auch sinnvoll, wenn Unternehmen und Privatpersonen, die es sich leisten können, verstärkt in die Raumfahrt investieren. Vielleicht erfährt die Weltraumforschung durch sie eine neue Dynamik.
Manches ist eine Frage des Geldes, vieles ist allerdings eine Frage des Wissens. Daher erklären Sie mir anscheinend Nichtwissenden, welches ISS-Modul wir Deutschen denn geliefert haben...es sollen ja zahlreiche sein, mir würde eins reichen. Egal ob Biathlon oder Raumfahrt, Hauptsache keine Ahnung.

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