Schrift:
Ansicht Home:
Wissenschaft

Rekord im All

In dreieinhalb Stunden zur ISS

So schnell war vorher noch keiner: In gut dreieinhalb Stunden ist ein russischer Raumfrachter zur ISS geflogen. Alexander Gerst war dorthin zuletzt gut zwei Tage unterwegs.

Foto: ESA/Alexander Gerst/dpa
Dienstag, 10.07.2018   10:36 Uhr

Ein russischer Weltraumfrachter hat erstmals auf einer verkürzten Flugbahn von gut dreieinhalb Stunden Nachschub zur Internationalen Raumstation ISS gebracht. Die Transport-Kapsel "Progress MS-09" dockte am Dienstagmorgen um 3:31 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit an der ISS an, wie die russische Flugleitzentrale mitteilte.

Sie war am Montagabend um 23.51 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit mit einer "Sojus"-Trägerrakete vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan gestartet. Bislang dauert der Flug von Baikonur zum Außenposten der Menschheit in knapp 400 Kilometern Höhe deutlich länger.

Nahrung für Alexander Gerst

An Bord waren 2,5 Tonnen Nachschub für den deutschen Astronauten Alexander Gerst und seine Kollegen: Treibstoff und Nahrung, Ausrüstung für Experimente und Gerät zur Instandhaltung der Station. Gerst arbeitet seit Anfang Juni zusammen mit zwei Russen und drei US-Amerikanern auf der ISS.

Es sei noch ein weiterer unbemannter Testflug zur ISS nötig, dann könne das Verfahren auch mit bemannten Raumschiffen erprobt werden, sagte der Leiter des Raketenbaukonzerns Energija, Alexander Kaleri, der Agentur Tass zufolge. Mehrere Tests mit dem Schnellverfahren waren kurz vorher aus Sicherheitsgründen abgesagt worden.

2013 flog eine Besatzung in knapp sechs Stunden zur Station

Die Reise ins All allein geht sehr schnell. Die Raketen sind mit vielen Tonnen explosivem Treibstoff gefüllt, der in mehreren Stufen gezündet wird. Um die Erdanziehungskraft zu überwinden, muss eine Rakete fast 29.000 Kilometer pro Stunde erreichen. Eine "Sojus" braucht dafür ungefähr acht Minuten. In über 100 Kilometern erreicht das Raumschiff dann die Schwerelosigkeit und schwenkt in die Umlaufbahn der Erde ein.

Anschließend nähert sich die Kapsel je nach Position der ISS in mehr oder weniger Erdumrundungen ihrem Ziel an. Hier kann auf der Reise am meisten Zeit eingespart werden. Der Weg zur Raumstation wurde so schon einmal deutlich verkürzt.

Im März 2013 flog erstmals eine Besatzung in knapp sechs Stunden zur ISS. Auch Gerst nutzte diese Flugbahn auf seiner ersten Reise zur Raumstation. Damals machte die Kapsel nach nur vier Erdumrundungen an der Station fest.

Beim Start in diesem Jahr dauerte der Anflug dann aber wieder länger: 34 Erdumrundungen in gut 50 Stunden - also gut zwei Tage - waren nötig, um die ISS zu erreichen.

jme/dpa

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP