Schrift:
Ansicht Home:
Wissenschaft

Orcus Patera

Raumsonde nimmt rätselhaftes Marsgebiet ins Visier

Ist es ein riesiger Einschlagkrater? Oder eine Folge von Spannungen in der Marskruste? Das Gebiet Orcus Patera auf dem Mars stellt Planetenforscher vor Rätsel. Jetzt gibt es neue, einzigartige Bilder der Region.

ESA / DLR / FU Berlin / G. Neukum
Freitag, 27.08.2010   12:28 Uhr

Berlin - Bis auf ein paar kleinere Einschlagkrater ist der Boden so eben wie eine Bratpfanne. Orcus Patera heißt die wundersame Region zwischen den inaktiven Marsvulkanen Olympus Mons und Elysium Mons, die sich die europäische Sonde "Mars Express" unlängst vorgenommen hat. Die merkwürdige geologische Struktur ist 380 Kilometer lang und 140 Kilometer breit - und in ihrem Inneren 400 bis 600 Meter tiefer gelegen als die Umgebung. Vor allem aber ist die sogenannte Depression ziemlich rätselhaft.

Die vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betriebene Stereokamera HRSC hat das Areal jetzt in nie gekannter Detailtiefe aufgenommen. Planetenforscher hoffen darauf, dass die Bilder auch dabei helfen, die Entstehungsgeschichte der Formation zu klären. Denn während andere ähnlich aussehende Gebiete auf dem Mars wie Hadriaca Patera und Tyrrhena Patera ohne Zweifel durch Vulkanismus entstanden sind, ist es nicht klar, ob Orcus Patera ähnliches durchgemacht hat.

Möglicherweise handelt es sich in diesem Fall um einen großen, deformierten Impaktkrater. Vielleicht haben sich sogar mehrere eng aneinander grenzende Kraterränder vereinigt - und die Kräfte der Erosion haben dann für das jetzige Erscheinungsbild des Geländes gesorgt. Manche Forscher wiederum glauben, dass Druckspannungen in der Marskruste zur Bildung der Struktur geführt haben.

Denn dass tektonische Kräfte das Gesicht von Orcus Patera zumindest mitgeformt haben, scheint klar. Darauf deuten zum Beispiel fast geradlinig verlaufende Gräben an den aufgewölbten Rändern des Gebietes hin. Sie sind bis zu zweieinhalb Kilometer breit, mehrere hundert Meter tief und zeugen von Spannungen in der Marskruste.

Im Inneren der Formation sind die Rillen vermutlich nur deswegen nicht zu sehen, weil sie nach ihrer Entstehung langsam durch Ablagerungen verdeckt wurden. Winde haben größere Mengen vulkanische Asche und Staub in Orcus Patera hineingetragen.

chs

Verwandte Artikel

Fotostrecke

Fotostrecke

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP