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Wissenschaft

Sonnennebel

Wie das Wasser auf die Erde kam

Wasser gilt als Ursprung des Lebens auf der Erde. Doch woher es stammt, darüber diskutieren Forscher schon lange. Ein neuer Ansatz deutet ausgerechnet Richtung Sonne.

Jeff Williams / NASA

Wassermassen auf der Erde reflektieren das Sonnenlicht

Donnerstag, 08.11.2018   19:43 Uhr

Ohne Wasser - so viel steht fest - wäre es mit dem Leben auf der Erde nicht weit her. Doch wie kam das Wasser auf die Erde?

Eine weithin akzeptierte Theorie geht davon aus, dass der Großteil des Wassers einst von Asteroiden mitgebracht wurde, die auf der jungen Erde einschlugen. Darauf schlossen Forscher, weil sich die chemische Signatur von Wasser auf Asteroiden und in den Ozeanen der Erde gleicht.

Doch nun haben Forscher Hinweise auf einen weiteren Ursprung des irdischen Wassers gefunden. Es könnte zumindest teilweise auch von Staub- und Gaswolken aus der Umgebung der damals noch jungen Sonne stammen. Das schreibt ein Team um Peter Buseck von der Arizona State University im "Journal of Geophysical Research: Planets". Zudem glauben die Forscher: Unser Planet enthält wesentlich mehr Wasserstoff - ein Bestandteil von Wasser - als bisher angenommen.

Buseck und Kollegen argumentieren, dass die übereinstimmende chemische Signatur von Erd- und Asteroidenwasser nicht umfassend zutreffe. Wasserstoff im Inneren unseres Planeten, an der Grenze zwischen Erdmantel und Kern, habe eine ganz andere Signatur, stamme also wahrscheinlich nicht von Asteroiden. Zudem kämen im Erdmantel bestimmte Edelgase vor, die typische Merkmale von solaren Staub- und Gaswolken aufweisen.

Vergrößerung der Erde

Die Forscher schlagen daher eine Erweiterung der alten Theorie vor: Demnach könnten vor Milliarden von Jahren mehrere wassertragende, vom Materie-Nebel um die noch junge Sonne umgebene Asteroiden zum Planeten Erde verschmolzen sein. Gase des solaren Nebels gelangten in dessen frühe Atmosphäre und wurden von seinen Magmaozeanen aufgenommen. Der Einschlag weiterer Himmelskörper brachte mehr Wasser und vergrößerte die Erde letztlich zu ihren heutigen Ausmaßen.

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Auch nach dem neuen Modell würde der Großteil des irdischen Wassers von Asteroiden stammen und nur ein kleiner Teil aus den Gas- und Staubwolken um die junge Sonne. Etwa ein bis zwei von je 100 Wassermolekülen gehen auf den solaren Nebel zurück, schätzen die Forscher

Sollte es so sein wie von dem US-Astronomen angenommen, hätte das Folgen für die Wahrscheinlichkeit von Exoplaneten mit Wasser: Sie könnten im Materie-Nebel um ihre Sonne auch dann entstanden sein, wenn es in dem fernen System keinen Wassereintrag durch Asteroiden gab.

joe/dpa

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