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Wissenschaft

Square Kilometre Array

Sieben Staaten vereinbaren Bau von Mega-Teleskop

Das Square Kilometre Array soll das größte Radioteleskop der Welt werden. Eine zwischenstaatliche Organisation wird sich nun um den Bau kümmern und Aufträge in Höhe von 700 Millionen Euro vergeben.

SPDO/SKA/SPDO/dpa

Künstlerische Darstellung der neuen SKA-Anlage

Dienstag, 12.03.2019   17:41 Uhr

Sieben Staaten haben am Dienstag in Rom ein Abkommen für den Bau des größten Radioteleskops der Welt unterzeichnet. Eine zwischenstaatliche Organisation soll sich um die Installation und den Betrieb des Square Kilometre Array (SKA) kümmern, teilte das SKA-Leitungsgremium mit.

"Heute haben wir den Grundstein dafür gelegt, um das SKA Wirklichkeit werden zu lassen", sagt Catherine Cesarsky, die Vorsitzende des Gremiums. Das SKA wird künftig die größte Wissenschaftseinrichtung weltweit sein, die geplante Infrastruktur reicht über drei Kontinente auf der Nord- und Südhalbkugel.

Zwei Beobachtungsnetzwerke mit Hunderten Parabolspiegeln und Tausenden Einzelantennen sollen sich über Hunderte Kilometer in Australien und Südafrika erstrecken, die Steuerzentrale wird sich in Großbritannien befinden. Die schnellsten Supercomputer der Erde seien nötig, um die bisher unerreichte Fülle von Beobachtungsdaten verarbeiten zu können, hieß es am Dienstag.

Deutschland ist aus dem Projekt ausgestiegen

Verträge in Höhe von etwa 700 Millionen Euro zur Konstruktion des SKA sollen ab Ende 2020 an Firmen und Anbieter in den Mitgliedsstaaten des SKA gehen. Zu den Unterzeichnern des Abkommens zählen:

Auch Indien und Schweden streben dem SKA-Gremium zufolge eine Beteiligung an, wofür aber noch interne Abstimmungen ausstünden. Deutschland wollte sich zunächst ebenfalls beteiligen, stieg dann aber gegen den Wunsch vieler Forscher aus dem Projekt aus.

Die Forschergemeinschaft sei weiter interessiert an einer Teilnahme und beteilige sich an Vorläuferprojekten wie dem MeerKAT-Radioteleskop in Südafrika, hieß es nun vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) in Bonn.

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Es gebe derzeit nur eine geringe Anzahl von Schlüsseleinrichtungen in der Physik, erklärte MPIfR-Forscher Michael Kramer. Das SKA werde in einer Linie stehen mit dem Large Hadron Collider (LHC) am Cern und den Ligo- und Vigro-Gravitationswellendetektoren, die mitunter an mit dem Nobelpreis prämierter Forschung beteiligt waren.

Astronomen könnten mit SKA Gravitationswellen erforschen und Einsteins Relativitätstheorie unter extremen Bedingungen testen. Forschungsschwerpunkte seien auch bisher rätselhafte schnelle Radiostrahlungsausbrüche, sogenannte Radioblitze.

Suche nach Leben im All

Radiowellen unterscheiden sich nicht grundsätzlich von sichtbarem Licht, das auch elektromagnetische Strahlung ist, haben aber eine sehr viel größere Wellenlänge zwischen 10 Zentimetern und 100 Kilometern. Ihren Namen tragen sie, weil Radiosender den Wellenlängenbereich für die Übertragung ihrer Programme nutzen.

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Kosmische Radiowellen entstehen bei einer Vielzahl natürlicher Prozesse - Gaswolken im All senden zum Beispiel charakteristische Radiostrahlung aus, an deren Wellenlänge man ihre chemische Zusammensetzung erkennen kann. Radiowellen haben den Vorteil, dass sie sich vom Erdboden aus beobachten lassen und nicht von der Erdatmosphäre verschluckt werden, wie etwa Infrarotlicht oder Röntgenstrahlung.

Außerdem wollen Forscher mit dem Teleskop untersuchen, wie sich das Universum über Milliarden von Jahren entwickelt hat, Karten von Galaxien erstellen und nach Anzeichen für Leben im Universum suchen.

jme/dpa

insgesamt 16 Beiträge
hps 13.03.2019
1. Das Engagement beim Square Kilometre Array
Es ist verständlich, dass wir - Deutschland - sich an der erweiterten Version des Square Kilometre Array nicht beteiligen. Wir setzten unsere Prioritäten im Hinblick darauf, dass ein Etat nur begrenzte Mittel zu seiner [...]
Es ist verständlich, dass wir - Deutschland - sich an der erweiterten Version des Square Kilometre Array nicht beteiligen. Wir setzten unsere Prioritäten im Hinblick darauf, dass ein Etat nur begrenzte Mittel zu seiner Verfügung hat. Ein Engagement bei diesem wichtigen Projekt kann von anderen Staaten ohne weiteres gestemmt werden. Der eigentlich interessante Teil des Vorhabens ist wohl der IT-Bereich. Gewaltige Datenströme sind durch die Welt zu bewegen, zwischen den Ländern auf allen Kontinenten zu ihren jeweiligen Verarbeitungseinrichtungen für die hereinströmenden Daten. Gewaltige Rechenkapazitäten sind erforderlich um die Rohdatenflut zu sinnvollen, verständlichen Aussagen zu transformieren. Diese Kenntnisse und deren praktische Handhabung sind die Merkmale von modernen, fähigen Staaten.
schwerpunkt 13.03.2019
2.
Eine Vernetzung von Radioteleskopen weltweit, ermöglicht Radioquellen mit einer extremen Winkelauflösung zu betrachten. Dabei erreicht man eine Winkelauflösung, als wenn man ein einziges Radioteleskop mit dem Durchmesser der [...]
Eine Vernetzung von Radioteleskopen weltweit, ermöglicht Radioquellen mit einer extremen Winkelauflösung zu betrachten. Dabei erreicht man eine Winkelauflösung, als wenn man ein einziges Radioteleskop mit dem Durchmesser der gesamten Erde hätte. Allerdings wird nicht die Amplitude sonderlich vergrößert, da die "Sammelfläche" lediglich die Summe der Fläche der Einzelteleskope bleibt. Könnte man optische Teleskope derart koppeln (was zumindest bei erdgebundenen Teleskopen technisch derzeit nicht möglich scheint), könnte man nicht nur die Oberfläche von Sternen beobachten, sondern auch nahe Exoplaneten direkt sehen. Was mir noch nicht klar ist, wie man mit so einem Verbund von Radioteleskopen direkt oder indirekt Gravitationswellen erforschen könnte. Da diese eine ganz andere Art von Wellen sind, die mit elektromagnetischen Wellen nichts zu tun haben, kann ich mir nur vorstellen, dass man hiermit im Radiobereich die Gegenden untersuchen möchte, an welchen durch Gravitationswellendetektoren Quellen der von Gravitationswellen entdeckt wurden. Davon gab es bisher aber erst eine Handvoll, welche in den meisten Fällen wohl durch die Verschmelzung großer, schwarzer Löcher verursacht wurde. Sofern diese "nackt" waren, sollte man dabei aber weder im sichtbaren noch im Radiobereich Signale entdecken können. Die Raumzeit um diese Kollision wackelt kurzzeitig enorm, aber dabei wird kein em-Ereignis ausgelöst.
permissiveactionlink 13.03.2019
3. Dass die Bundesrepublik
in dieses Großforschungsvorhaben nicht mit eingestiegen ist, halte ich für einen Riesenfehler, zumal die Radioastronomie hierzulande durchaus ganz vorne mitspielt, und sich da international nicht verstecken muss und auch gar [...]
in dieses Großforschungsvorhaben nicht mit eingestiegen ist, halte ich für einen Riesenfehler, zumal die Radioastronomie hierzulande durchaus ganz vorne mitspielt, und sich da international nicht verstecken muss und auch gar nicht will. Die Möglichkeiten des SKA übersteigen alles, was auf diesem Gebiet bislang realisierbar war um Zehnerpotenzen, der dazu notwendige finanzielle Beitrag ist eher moderat. Als ich am 16.01 diesen Jahres einen eher skeptischen Beitrag als Reaktion auf einen SPON-Artikel zum geplanten 100km Beschleuniger in Genf schrieb, und dabei den Ausstieg aus der SKA-Kooperation bemängelte, kannten offenbar die (empörten !) antwortenden Foristen SKA gar nicht. Vielleicht wäre es eine gute Idee einmal in einem Artikel etwas detailierter zu beschreiben, welche Möglichkeiten das SKA bietet. Dann könnten meinem Unmut über den extrem dummen bundesdeutschen Ausstieg aus diesem Projekt mehr Leser nachvollziehen... Leseempfehlung dazu : Sterne und Weltraum, September 2006.
permissiveactionlink 13.03.2019
4. Ps
Der besagte Artikel von Rainer Beck lässt sich aus dem Internet kostenlos zur privaten Lektüre als pdf datei herunterladen. Da erfährt man dann, wie demnächst ohne deutsche Beteiligung geforscht wird...
Der besagte Artikel von Rainer Beck lässt sich aus dem Internet kostenlos zur privaten Lektüre als pdf datei herunterladen. Da erfährt man dann, wie demnächst ohne deutsche Beteiligung geforscht wird...
DrStrang3love 13.03.2019
5.
Kann man und macht man, z.B. im CHARA-Array in Kalifornien, wenn auch zugegebenermaßen nicht in dem Maßstab, in dem es bei der Radioastronomie möglich ist. Mit dieser Methode hat man tatsächlich bereits die Oberfläche [...]
Zitat von schwerpunktEine Vernetzung von Radioteleskopen weltweit, ermöglicht Radioquellen mit einer extremen Winkelauflösung zu betrachten. Dabei erreicht man eine Winkelauflösung, als wenn man ein einziges Radioteleskop mit dem Durchmesser der gesamten Erde hätte. Allerdings wird nicht die Amplitude sonderlich vergrößert, da die "Sammelfläche" lediglich die Summe der Fläche der Einzelteleskope bleibt. Könnte man optische Teleskope derart koppeln (was zumindest bei erdgebundenen Teleskopen technisch derzeit nicht möglich scheint), könnte man nicht nur die Oberfläche von Sternen beobachten, sondern auch nahe Exoplaneten direkt sehen. Was mir noch nicht klar ist, wie man mit so einem Verbund von Radioteleskopen direkt oder indirekt Gravitationswellen erforschen könnte. Da diese eine ganz andere Art von Wellen sind, die mit elektromagnetischen Wellen nichts zu tun haben, kann ich mir nur vorstellen, dass man hiermit im Radiobereich die Gegenden untersuchen möchte, an welchen durch Gravitationswellendetektoren Quellen der von Gravitationswellen entdeckt wurden. Davon gab es bisher aber erst eine Handvoll, welche in den meisten Fällen wohl durch die Verschmelzung großer, schwarzer Löcher verursacht wurde. Sofern diese "nackt" waren, sollte man dabei aber weder im sichtbaren noch im Radiobereich Signale entdecken können. Die Raumzeit um diese Kollision wackelt kurzzeitig enorm, aber dabei wird kein em-Ereignis ausgelöst.
Kann man und macht man, z.B. im CHARA-Array in Kalifornien, wenn auch zugegebenermaßen nicht in dem Maßstab, in dem es bei der Radioastronomie möglich ist. Mit dieser Methode hat man tatsächlich bereits die Oberfläche anderer Sterne (unter anderem Altair, Beteigeuze, Algol und Zeta Andromeda - bei letzterem wurden beispielsweise Sonnenflecken entdeckt) und auch Exoplaneten direkt beobachtet.

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