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Wissenschaft

Elon Musk und seine SpaceX-Mission

Tesla mit Raketenantrieb

Man könnte es die "Methode Musk" nennen: Verzögert sich eines seiner Projekte, legt der Milliardär einfach noch eine Schippe drauf. Jetzt will er das erste Auto ins All schicken - und keine Volte ist ihm dabei zu irre.

REUTERS

Elon Musk in einem Tesla Roadster (Archivfoto)

Sonntag, 03.12.2017   20:36 Uhr

Elon Musk will den Mars besiedeln, damit fängt's schon mal an. Wie er da hoch kommen möchte? Mit Raketen seines privaten Raumfahrtunternehmens namens SpaceX. Bevor es soweit ist und Menschen in Richtung Roter Planet fliegen, will Musk aber erst einmal ein Auto vorschicken, und zwar sein eigenes.

Hat er geschrieben, auf Twitter. Lesen Sie selbst:

Falcon Heavy (so heißt die SpaceX-Trägerrakete) hebe nächsten Monat (also Januar 2018) von der gleichen Rampe ab, von der aus 1969 die legendäre Apollo-11-Mission zum Mond startete: Pad 39A auf dem Kennedy Space Center in Cape Canaveral, Florida.

Der Clou: An Bord der Rakete, schreibt Musk in einem weiteren Tweet, werde sich sein kirschfarbener Tesla Roadster befinden, dazu laufe "Space Oddity" (von David Bowie). Ziel sei der Mars, und der Wagen werden "für Milliarden von Jahren in den Tiefen des Alls schweben". Vorausgesetzt, die Rakete "explodiert nicht beim Start".

Was Musk damit sagen will: Ich schicke einen Sportwagen ins All, der aus meinem selbstgegründeten Autounternehmen stammt. Mit einer Rakete, die aus meinem selbstgegründeten Raumfahrtunternehmen kommt.

AFP

Musk präsentierte seine Pläne zuletzt auf dem Internationalen Astronautenkongress am 29. September 2017

Das ist eine witzige, spektakuläre Nachricht von Musk. Aber sie ist eben auch das Eingeständnis eines Problems. Denn eigentlich, und jetzt kommt der Hintergrund des Ganzen, hätte Falcon Heavy schon in diesem Jahr abheben sollen, und nicht erst 2018. Und wenn wir schon dabei sind: Ursprünglich sollte Falcon Heavy auch nicht 2017 zum ersten Mal abheben, sondern 2013.

Hinzu kommt, dass Musk mit einer möglichen Explosion der Rakete beim Start kokettiert. Der Milliardär nimmt solche potenziellen Rückschläge sportlich - das ist einerseits das Faszinierende an ihm. Musk, der Charmeur.

Andererseits könnte bei einem Fehlstart die Apollo-11-Rampe Schaden nehmen - und das würde das gesamte Raumfahrtprogramm der NASA beeinträchtigen. Durch den PR-Stunt mit dem Auto an Bord erweckt Musk den Eindruck, als mache er sich über solche Konsequenzen nicht viele Gedanken. Musk, der Scharlatan.

Musk bestätigte, dementierte dann, und dementierte später sei Dementi

Wie es scheint, war der Unternehmer schlussendlich selbst nicht mehr richtig überzeugt von seiner Ankündigung. Jedenfalls gab es um seine beiden Tweets viel Verwirrung, und schuld daran war Musk selbst: Als das US-Onlineportal "The Verge" ihn um eine Bestätigung seiner Pläne bat, habe er das zunächst per Mail getan. "It's so real" habe er geantwortet.

Kaum war die Meldung erschienen, habe er plötzlich das Gegenteil behauptet. Das Ganze sei erfunden gewesen, teilte er "The Verge" demnach per Direktnachricht auf Twitter mit.

Das war allerdings nicht die letzte Wendung: Ein SpaceX-Mitarbeiter bestätigte "The Verge" schlussendlich die Ankündigung, Musk werde einen Tesla ins All schießen. Mittlerweile berichtet auch die Webseite "Mashable", es liege eine Bestätigung von SpaceX vor, und der Wissenschafts-Blogger Phil Plait teilte mit, Musk habe ihm persönlich versichert, der Sportwagen werde in der Rakete geparkt.

cst

insgesamt 4 Beiträge
andsolo 04.12.2017
1. Beeindruckend!
Tesla hat ja im November fast so viele Fahrzeuge in Deutschland neu zugelassen wie die allseits bekannte Marke DS. Wenn sie sich anstrengen und noch ein paar Fahrzeuge auf diverse Planeten schießen, könnten sie glatt noch [...]
Tesla hat ja im November fast so viele Fahrzeuge in Deutschland neu zugelassen wie die allseits bekannte Marke DS. Wenn sie sich anstrengen und noch ein paar Fahrzeuge auf diverse Planeten schießen, könnten sie glatt noch Ssangyong einholen. https://www.kba.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2017/Fahrzeugzulassungen/pm29_2017_n_11_17_pm_komplett.html?nn=1558890
Gerd@Bundestag.de 04.12.2017
2. Seine Eminenz spricht
Und seine treuen Pressejünger jauchzen und frohlocken. Was nur nicht so klar geworden ist: soll die Karre jetzt auf dem Mars autonomes fahren in sicherer Umgebung testen, oder doch lieber seinen Weg in die unendlichen Weiten [...]
Und seine treuen Pressejünger jauchzen und frohlocken. Was nur nicht so klar geworden ist: soll die Karre jetzt auf dem Mars autonomes fahren in sicherer Umgebung testen, oder doch lieber seinen Weg in die unendlichen Weiten des Weltraums suchen.....
arrogist 04.12.2017
3. Lieber Tweets von Musk als von Trump
Es mag ja alles Teil eines Ablenkungsmanövers sein, aber selbst wenn die Pläne von Musk nicht aufgehen sollten, so ist es wenigstens eine lustige und ziemlich abgedrehte Vorstellung, (s) einen Roadster zum Mars zu schießen. Und [...]
Es mag ja alles Teil eines Ablenkungsmanövers sein, aber selbst wenn die Pläne von Musk nicht aufgehen sollten, so ist es wenigstens eine lustige und ziemlich abgedrehte Vorstellung, (s) einen Roadster zum Mars zu schießen. Und bisher gab es zwar Verzögerungen, aber hinbekommen hat er seine Ankündigungen durchaus - nur eben verspätet. Und es ist Geld, das Investoren ihm freiwillig anvertraut haben - und sein eigenes Geld. Bei Trump sind die Tweets weder lustig noch abgedreht, sondern nur noch traurig und gefährlich - und das ist das Geld des Steuerzahlers.
Chinainteressierter 04.12.2017
4. Eine Frage zum Artikel
Was hat der Begriff Charlatan mit einer erhöhte Risikotoleranz zu tun? Die Aktion an sich ist sehr naheliegend und keineswegs verrückt. Musk startet im Januar die grösste Rakete unserer Generation - das Ereignis wird sicher [...]
Was hat der Begriff Charlatan mit einer erhöhte Risikotoleranz zu tun? Die Aktion an sich ist sehr naheliegend und keineswegs verrückt. Musk startet im Januar die grösste Rakete unserer Generation - das Ereignis wird sicher in der gesamten Welt übertragen. Warum also nicht als kostenlose Werbung für seine Automarke verwenden?

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