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Mobilität

Sicherheit im Straßenverkehr

Musikhören vervierfacht Unfallgefahr für Fußgänger

Gehen ist umweltfreundlich - aber gefährlich: Fußgänger verunglücken laut einer Studie besonders häufig tödlich. Dazu tragen sie oft selbst bei, doch meistens verschulden die Unfälle andere.

DPA

Donnerstag, 11.04.2019   11:42 Uhr

Verglichen mit anderen Verkehrsteilnehmern ist die Wahrscheinlichkeit, als Fußgänger tödlich zu verunglücken, besonders hoch. Auf eine Milliarde zurückgelegter Personenkilometer kamen 2017 in Deutschland gut 14 tote Fußgänger, wie eine Studie des Versicherungskonzerns Allianz ergeben hat.

Hingegen kamen lediglich 2,4 Auto- und Motorradfahrer pro Milliarde Personenkilometer ums Leben - für Fahrradfahrer lag der Wert bei 9,3 Getöteten. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass Fußgänger sich für einen zurückgelegten Kilometer in der Regel viel länger im Verkehr aufhalten als etwa Autofahrer.

Gleichzeitig sind Fußgänger besonders selten an Unfällen mit Personenschaden schuld, an denen sie beteiligt sind. So waren 2017 Fußgänger nur in 26,7 Prozent dieser Unfälle der Hauptverursacher, in den anderen Fällen trugen überwiegend Auto- und Radfahrer den Großteil der Schuld.

Technik könnte viele Unfälle verhindern

Besonders gefährdet sind der Studie zufolge Senioren. "Mehr als die Hälfte der getöteten Fußgänger in Deutschland ist älter als 64 Jahre", sagte Allianz-Vorstand Jochen Haug. Der Anteil sei im vergangenen Jahr nochmals stark angestiegen - auf 56 Prozent.

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Immerhin ist die absolute Zahl der Todesfälle rückläufig. Im vergangenen Jahr sind in Deutschland 457 Fußgänger bei Unfällen gestorben nach 483 in 2017. Anfang der Neunzigerjahre starben noch fast 2000 Fußgänger im Verkehr.

Die Zahl der Toten könnte der Studie zufolge aber noch viel niedriger liegen. Die Mehrheit der Unfälle von Fußgängern mit Autos ließe sich durch technische Hilfsmittel verhindern.

Tippen auf dem Smartphone verdoppelt Gefahr

Außer Notbremsassistenten, die Fußgänger im Frontbereich des Pkw erkennen und notfalls den Wagen stoppen, fordern die Studienautoren Systeme, die Fußgänger beim Rückwärtsfahren erkennen und eingreifen. Laut der Untersuchung ereignen sich gut 40 Prozent der Unfälle im Frontbereich von Pkw, gut 20 Prozent beim Rückwärtsfahren.

Aber auch die Fußgänger selbst könnten viel tun, um ihre Sicherheit zu erhöhen. Laut der Erhebung tippt fast jeder zweite Befragte beim Gehen öfter auf seinem Handy oder fotografiert mit dem Smartphone. Zwei Drittel telefonieren beim Gehen.

"Die Nutzung elektronischer Geräte erhöht die Wahrscheinlichkeit für einen Fußgänger, einen Unfall zu erleiden", sagte Haug. Beim Musikhören steige das Risiko um mehr als das Vierfache, beim Texten um das Doppelte.

ene

insgesamt 89 Beiträge
misterknowitall2 11.04.2019
1. Wie jetzt?
Wenn ich Musik im Ohr habe, ist das Risiko höher, als wenn ich eine Nachricht eintippe? Das glaub ich erst mal nicht. Wenn jemand schreibt ist er kaum noch im hier und jetzt. Beim Musikhören fehlt mir nur die Akkustik der [...]
Wenn ich Musik im Ohr habe, ist das Risiko höher, als wenn ich eine Nachricht eintippe? Das glaub ich erst mal nicht. Wenn jemand schreibt ist er kaum noch im hier und jetzt. Beim Musikhören fehlt mir nur die Akkustik der Umgebung, welches ich durch mehr gucken wieder ausgleiche. Und ich kann auch nicht glauben, dass die Fußgänger so selten für den Zusammenstoß verantwortlich sind. Ich erlebe das genaue Gegenteil. Mir rennen ständig unaufmerksame Fußgänger vors Rad und ich selber als Fußgänger komme NIE mit Radfahrern ins Gehege, ...wahrscheinlich weil ich selber viel fahre.
widower+2 11.04.2019
2. Da wird noch einiges kommen!
Leider! Für viele Jugendliche und jüngere Erwachsene scheint es heute quasi undenkbar zu sein, sich zu Fuß oder auf dem Fahrrad zu bewegen, ohne Kopfhörer im Ohr und das Smartphone vor der Nase zu haben. Joggen ohne Musik ist [...]
Leider! Für viele Jugendliche und jüngere Erwachsene scheint es heute quasi undenkbar zu sein, sich zu Fuß oder auf dem Fahrrad zu bewegen, ohne Kopfhörer im Ohr und das Smartphone vor der Nase zu haben. Joggen ohne Musik ist zum Beispiel für meine Tochter absolut unvorstellbar und in meinem Ort ist die Wahrscheinlichkeit, einen weiblichen Teenager auf dem Fahrrad zu sehen, der nicht gerade auf dem Smartphone rumtippt, ähnlich die eines Fünfers im Lotto.
Gluehweintrinker 11.04.2019
3. Wer es nicht glaubt, sollte "Smombie"-Videos gucken
Inzwischen gibt es zahlreiche Videos mit zum Teil erschreckenden Unfällen von Smombies. Sie laufen vor Laternen, Wände, Fahrstuhltüren, stolpern und fallen über Baustellenabsperrungen, fallen in Kellerschächte, in Swimming [...]
Inzwischen gibt es zahlreiche Videos mit zum Teil erschreckenden Unfällen von Smombies. Sie laufen vor Laternen, Wände, Fahrstuhltüren, stolpern und fallen über Baustellenabsperrungen, fallen in Kellerschächte, in Swimming Pools, Springbrunnen oder Hefenbecken. Besonders tragisch sind die vermeidbaren Todesfälle, die durch Überwachungskameras dokumentiert sind. Eine Chinesin stürzte beim Smartphonetippen eine lange Außentreppe hinunter und starb, eine andere fiel in ein Hafenbecken und ertrank. Dass manche Kommunen nun die Installation von Lichtsignalanlagen im Bodenbereich vor Fußgängerüberwegen ins Auge fassen, ist nach meiner Meinung die vollkommen falsche Strategie, denn es ermuntert die Daddelsüchtigen geradezu, ihr gefährliches Verhalten beizubehalten.
HH-Hamburger-HH 11.04.2019
4. Es ist schon schockierend!
Die Zahl der Fußgänger und auch der Fahrradfahrer, die mir entgegenkommen und mich mit totem Augen und leerem Blick anstarren, aber nicht wahrnehmen ist erschreckend hoch. Zumindest das Fahrradfahren mit Kopfhörern gehört [...]
Die Zahl der Fußgänger und auch der Fahrradfahrer, die mir entgegenkommen und mich mit totem Augen und leerem Blick anstarren, aber nicht wahrnehmen ist erschreckend hoch. Zumindest das Fahrradfahren mit Kopfhörern gehört schleunigst verboten und Fußgänger sollten im Falle einer Kollision eine gehörige Mitschuld erhalten, wenn sie gehörlos unterwegs waren.
skilliard 11.04.2019
5. Neulich an der Ampel
Neulich an der Ampel: Ein Fußgänger mit großen weißen Kopfhörern über den Ohren nähert sich der Bordsteinkante. Er hat rot, ich (Auto) habe grün. Er geht einfach ohne sich auch nur Ansatzweise um den Verkehr zu kümmern [...]
Neulich an der Ampel: Ein Fußgänger mit großen weißen Kopfhörern über den Ohren nähert sich der Bordsteinkante. Er hat rot, ich (Auto) habe grün. Er geht einfach ohne sich auch nur Ansatzweise um den Verkehr zu kümmern über die Straße. Ich wette, er schwebte gerade in seiner eigenen Dimension. Da ich vorausschauend fahre habe ich ihn schon vorher gesehen und konnte entsprechend abbremsen, aber auch das hat er wohl gar nicht mitbekommen. Wäre etwas passiert hätte man sich wieder aufgeregt über "die bösen aggressiven Autofahrer". Wenn demnächst die Elektroroller kommen wird es noch lustiger.

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