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Mobilität

BMW M3 GTS

Der neue Bayern-Stürmer

Aus der Formel 1 hat sich BMW abgemeldet, in der DTM tritt die Marke gar nicht erst an. Bevor jedoch der Motorsport bei BMW ganz auf der Strecke bleibt, dürfen jetzt die Kunden in anderen Rennserien ran - im neuen M3 GTS. Auch andere Hersteller pflegen diese Art des Vollgas-Marketings.

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Montag, 09.11.2009   11:23 Uhr

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Kunden-Motorsport: Das schnelle Geschäft
Es passt ganz und gar nicht zum grünen Image, das Autohersteller so gerne hätten, und auch mit der Konjunkturflaute ist ein Wagen wie dieser kaum in Einklang zu bringen. Doch BMW hat ein schlagendes Argument für den neuen Supersportwagen M3 GTS. "Auf drängende Nachfrage vieler Kunden", sagt Kay Segler, Chef der hauseigenen BMW-Sportwagenschmiede M GmbH, werde dieses Auto gebaut.

Ab Frühjahr 2010 soll der straßentaugliche Rennwagen in einer Kleinserie ausgeliefert werden. Der M3 GTS ist zugeschnitten auf die Anforderungen des Clubsports und soll sich auf der Rennstrecke genau so gut schlagen wie auf der Kreisstraße. Dafür haben die Ingenieure das Coupé entrümpelt und Dinge wie Rückbank, Klimaanlage oder Soundsystem ausgeräumt. Statt der normalen Vordersitze gibt es leichte Rennschalen, statt vieler Knöpfe und Tasten eine ausgedünnte Mittelkonsole und außerdem eine schlichtere Türverkleidung. Zum ohnehin serienmäßigen Karbondach des M3 kommt beim GTS nun noch ein Titanauspuff. In der Summe sinkt das Gewicht um rund 100 Kilo auf weniger als 1,5 Tonnen - den optionalen Überrollbügel, das Feuerlöschsystem und die Hosenträgergurte allerdings nicht mitgerechnet.

Um die Straßenlage zu verbessern hat BMW dem neuen Stürmer einen auffälligen Flügel aufs Heck gesetzt und verstellbare Leitbleche in die Frontschürze integriert. Und natürlich wurde auch am ohnehin schon hochdrehenden V8-Motor gefeilt: Die Leistung steigt von 420 auf rund 450 PS. Genaue Fahrdaten des Wagens gibt es zwar noch nicht, doch sollte er den Sprint in kaum mehr als vier Sekunden schaffen und auf einer ausreichend langen Geraden deutlich mehr erreichen als 250 km/h. Das Krafttraining lässt sich BMW stattlich bezahlen. 115.000 Euro kostet der M3 GTS, und damit fast das Doppelte des M3 Serienmodells. So macht man Reibach auf der Rennstrecke.

Dass mit renntauglichen Serienmodellen viel Geld zu verdienen ist, wissen auch andere Hersteller, zum Beispiel Porsche. Denn die Schwaben haben mit dem nagelneuen 911 GT3 RS nicht nur den vielleicht schärfsten, sondern für gut 145.000 Euro wohl den teuersten Rennwagen mit Straßenzulassung im Programm. Porsche dominiert nicht von ungefähr rund um den Globus das private Renngeschehen. "Weltweit sind etwa 5000 Porsche 911 aktiv im Motorsport unterwegs. Die brauchen alle Ersatzteile und müssen gewartet werden. Dabei kommt einiges unseres Sportbudgets wieder herein", sagt Porsche-Sprecher Oliver Hilger.

Dabei sind der GT3 RS und die von ihm abgeleitete Cup-Variante fast noch Schnäppchen. Denn einer von 20 pro Jahr gebauten Porsche RSR, mit dem zum Beispiel der deutsche Rennfahrer Jörg Bergmeister im Herbst die bedeutende American Le Mans Series gewann, sei kaum unter 500.000 Dollar zu haben, sagt Porsche-Sportchef Hartmut Kristen. Er taxiert das Jahresbudget eines halbwegs ambitionierten Rennstalls in dieser Serie auf zwei bis vier Millionen Dollar.

Von privaten Vollgas-Fans wollen viele Hersteller profitieren

Tief in die Tasche greifen müssen Schnellfahrer auch bei der Konkurrenz: Die Rennsportabteilung von Maserati rüstet für Preise ab etwa 160.000 Euro den Gran Turismo zum rennfertigen MC-Modell auf. Zwar bleibt es in diesem Fall beim bekannten V8-Motor, dessen Elektronik allerdings dann ein paar wenige Zusatz-PS mobilisiert. Doch weil der Wagen etwa um eine halbe Tonne leichter wird, geht es spürbar sportlicher zur Sache.

Das versprechen natürlich auch die Kollegen von Lamborghini für den etwa 240.000 Euro teuren Gallardo Super Trofeo. Er ist mit 570 PS kaum stärker als das Serienmodell, wiegt aber rund 100 Kilo weniger. Bei Beschleunigung und Kurvengeschwindigkeit sei der Rennwagen deshalb nicht zu schlagen, behauptet Testfahrer Giorgio Sanna: "Während das Serienmodell bis Tempo 100 knapp vier Sekunden braucht, sind es im Super Trofeo gut drei Sekunden.

Hobby-Rennfahrer sind ab zirka 50.000 Euro mit dabei

Noch teurer als der Gallardo wird der mehr als 500 PS starke Audi R8 LMS, der nach einem erfolgreichen Testjahr beim Werksteam und befreundeten Rennställen zur kommenden Saison zum Preis von 310.000 Euro auch an Privatfahrer verkauft wird. Dass es auch billiger geht, zeigen die Autos aus der Mini Challenge und dem ehemaligen Renault Clio Cup. Die Bonsai-Boliden sind zwar mit gut 200 PS allenfalls halb so stark wie die Kraftmeier aus der Oberliga. Doch kosten sie dafür auch weniger als 50.000 Euro.

Spätestens wenn die Rennen vorbei sind, fahren die allermeisten Clubsport-Renner unabhängig von Preis und Leistung gleich schnell. Denn abgesehen vom neuen BMW M3 GTS und dem Porsche 911 GT3 RS dürfen die anderen Boliden abseits der Rennstrecke nur Tempo 80 fahren - festgemacht auf einem Anhänger.

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