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Mobilität

BMW-Sammler in Japan

Traumgarage in Tokio

Den ersten BMW bekam Masakuni Hosobuchi 1982 von seinem Vater. Seitdem kauft der japanische Industriemagnat beinahe quartalsweise einen neuen Wagen der Marke - meist ein M-Modell. Mehr dieser Autos gibt es, außer auf dem Werksgelände in Garching, wohl nirgends sonst auf der Welt.

Ralph Wagner
Aus Tokio berichtet
Montag, 21.06.2010   08:54 Uhr

Wenn Masakuni Hosobuchi Gäste empfängt, pflegt der japanische Industrielle die traditionellen Riten: Das Wohnzimmer seines über 500 Jahre alten Hauses im Nordwesten Tokios darf beispielsweise nur ohne Schuhe betreten werden. Ganz und gar nicht traditionell sind hingegen die Autoleidenschaft und der Fuhrpark des 50-Jährigen. Denn Modelle von Toyota, Honda oder Nissan kommen Hosobuchi san nicht auf den Hof. Der Grund: Wie wahrscheinlich sonst kein anderer in Japan schwärmt er für BMW. In der Tat ist seine Sammlung imposant. Allein in den Garagen rund um das Anwesen stehen knapp zwei Dutzend Luxuslimousinen, Sportwagen und M-Modelle aus München. Und auch an vielen anderen Orten der Stadt, in der sich viele nicht einmal einen Parkplatz leisten können, hat Hosobuchi gut 60 weitere BMW verteilt - darunter auch eine Handvoll waschechter Rennwagen.

Begonnen hat die Leidenschaft für BMW-Modelle, als er 1982 an der Ruder-Weltmeisterschaft in München teilgenommen hatte und nach einer Regatta bei der Motorsportabteilung in Garching über den Zaun blickte. Bei dieser Gelegenheit hat es ihn offenbar gepackt. Vor allem BMW-M-Modelle sind seine Passion, mindestens die Hälfte seiner Autos stammt vom hauseigenen Tuner der Münchner Marke - von einem weißen M1 über den legendären 635i M bis zum aktuellen M6.

"Mein erster BMW war ein 320i, den hat mir mein Vater nach der Rückkehr aus München geschenkt", berichtet Hosobuchi. Später dann folgten die wirklich außergewöhnlichen Autos. Obwohl in Japan nirgends schneller als 100 km/h gefahren werden darf, bewegt Hosobuchi die Preziosen regelmäßig. "Alle Autos sind fahrbereit", sagt der Millionär. Wochentags lässt er sich zwar in einem BMW 7er chauffieren, am Wochenende dann greift er selbst zum Lenkrad: Im M1 auf die Rennstrecke, im Z8 zur Landpartie um den Fuji und im weißen 3.0 CSL zum Flanieren über die Prachtmeile Ginza.

Chauffeur und Wagenmeister halten die BMW-Typen auf Trab

Um den Fuhrpark flott zu halten, beschäftigt Hosobuchi neben einem Chauffeur auch einen Wagenmeister. "Waschen und Warten kann ich die Autos hier, für Reparaturen aber müssen die Wagen in die Werkstatt", sagt der 50-Jährige. Falls es bei der Ersatzteilversorgung mal zu Engpässen kommt, hilft in der Regel ein Anruf in München. Hosobuchi ist nicht nur ein exzellenter Kunde der weiß-blauen Marke, sondern auch Vorsitzender der japanischen BMW-Clubs.

Trotz der vielen Modelle klaffen in der Sammlung noch Lücken. Die X-Modelle zum Beispiel interessierten Hosobuchi bislang kaum. Erst als BMW im vergangenen Jahr die Power-Varianten angekündigte, wurde er hellhörig und freut sich nun schon auf die erste Probefahrt. Autos wie der BMW 1er wiederum sind für einen wie Hosobuchi keine ernst zu nehmenden Fahrzeuge. Er hätte viel lieber einen echten Supersportwagen von seiner Lieblingsmarke. "Der wäre überfällig", sagt der BMW-Fanatiker und lässt keinen Zweifel an seinen Kaufabsichten.

Heiratsantrag im knallroten BMW Z1

So, wie die Rudermeisterschaft von 1982 zu seinem ersten BMW führte, so verknüpft er auch mit seinem aktuellen Dienstwagen ein Sportereignis. Denn Hosobuchi leitet nicht nur eine Fabrik für Verpackungsmaterial, er war 2004 auch Trainer der japanischen Rudermannschaft bei den Olympischen Spielen in Athen. Um sich dafür zu belohnen und zugleich für Peking 2008 zu motivieren, bestellte er nach Olympia einen 760i. Natürlich ein von der Individual-Abteilung aufgebrezeltes Modell; mit Kiemen an der Flanke, beleuchteten Türschwellen, Sportauspuff und entsprechenden Signets wirkt die Luxuslimousine fast wie ein M7 - den es bei BMW nie gab.

Neben BMW ist Hosobuchi das Familienleben heilig. Spritztouren mit den Boliden aus Bayern macht er am liebsten mit seiner neun Jahre alten Tochter. "So, wie ich damals ein Auto von meinem Vater geschenkt bekommen habe, darf sie sich zum 18. Geburtstag einen Wagen aus meiner Sammlung aussuchen", sagt Hosobuchi. Die junge Dame ist auch die einzige, die seinen ganzen Fuhrpark kennt. Seiner Frau dagegen will er die genaue Zahl der Autos lieber nicht verraten. Sie teilt aber seine Vorliebe für BMW durchaus. Ihr Herz hängt vor allem am roten Z1 im Alpina-Trimm, der immer mal wieder für Familienfotos in den Garten gerollt wird. Sie erzählt: "Bei einer Ausfahrt mit diesem Auto hat mein Mann um meine Hand angehalten." Ob es eher der junge Mann oder der schnittige Roadster war, der sie zum Ja-Wort bewog, darüber schweigt die Dame freilich. Ihre diplomatische Antwort: "Wer kann bei so einer Kombination schon Nein sagen."

insgesamt 4 Beiträge
Osis 21.06.2010
1. ------
Angsichts des Platzmangelns ain den Ballungszentren irgendwie Bizarr. Naja. Nette Sammlung.
Angsichts des Platzmangelns ain den Ballungszentren irgendwie Bizarr. Naja. Nette Sammlung.
neon.apocalypse 21.06.2010
2. teuere Parkplätze
Sehr schöne Sammlung! Man muss sich auch immer vor augen halten, daß ein Parkplatz in Downtown Tokyo gut und gerne 500 Euro Miete im Monat kosten kann. Zwei davon zu besitzen darf also schon als äußerst dekadent betrachtet [...]
Sehr schöne Sammlung! Man muss sich auch immer vor augen halten, daß ein Parkplatz in Downtown Tokyo gut und gerne 500 Euro Miete im Monat kosten kann. Zwei davon zu besitzen darf also schon als äußerst dekadent betrachtet werden. Auf die Frage, warum in Japan fast alle Mercedes als AMG herumfahren (respektive "M" bei BMW), sagte mir mal ein japanischer Freund, daß, wenn man mal so reich ist, sich einen Parkplatz leisten zu können, das Auto oftmals das geringere Problem ist.
bmw84 21.06.2010
3. kein Titel
Sympathischer Mann. Leider zu wenig Bilder von Modellen der letzten Jahre. In Japan findet er bestimmt ein paar schöne Strecken.
Sympathischer Mann. Leider zu wenig Bilder von Modellen der letzten Jahre. In Japan findet er bestimmt ein paar schöne Strecken.
lalito 23.06.2010
4. na ja
Mehr oder weniger schönes Alteisen. ;-))
Mehr oder weniger schönes Alteisen. ;-))
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