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Mobilität

Canyon Grail AL

Rennrad fürs Grobe

Gravelbikes sind Zwitter aus Rennrädern und Mountainbikes - das macht sie für viele Pendler attraktiv. Beim Grail AL setzt Hersteller Canyon auf Alu statt Carbon. Eine gute Entscheidung.

Stefan Weißenborn
Von
Dienstag, 13.08.2019   05:03 Uhr

Der erste Eindruck: Leicht, wendig, schnell. Ein Rennrad eben - aber eines, das statt auf Slicks auf breiteren Reifen mit kleinen Stollen daherrollt.

Das sagt der Hersteller: Schnell unterwegs sein - das geht mit einem Gravelrad sowieso, sagt Thorsten Lewandowski vom Koblenzer Fahrradhersteller Canyon Bicycles. Doch wer von der Straße abbiegen will, auf einen Feld- oder Waldweg, auf Kies oder Schotter, der könne das einfach tun. Ein Platten wie beim Rennrad ist nicht gleich zu befürchten.

Am Grail sind 40 Millimetern breite Reifen aufgezogen. Das ist selbst bei einem Gravelrad recht viel. Die Pneus verbessern Traktion und Komfort, versichert Lewandowski. Statt knallharter sechs oder noch mehr bar wie bei Rennrädern genügten bei einem durchschnittlich schweren Fahrer 2,5 bar.

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Canyon Grail AL: Uber Stock und Stein und Straße

Nachdem der Hersteller mit einem teureren Carbonrad in das Segment eingestiegen ist, gibt es für das Modelljahr 2019 ein Grail mit Alurahmen, das Grail AL. Der Einstiegspreis sinkt damit von wenigstens 2199 Euro auf 1199 Euro, auch weil günstigere Schaltkomponenten erhältlich sind. Hydraulische Scheibenbremsen, hochwertige DT Swiss-Laufräder sowie Gabel und Sattelstütze aus Carbon sind dann aber schon an Bord.

Was das Grail AL von anderen Gravel- oder Allroad-Rädern abhebt, ist nicht unbedingt der recht niedrige Preis. Andere Hersteller wie Specialized mit dem Sequoia (ab 1299 Euro; 12,5 kg) oder Bulls mit dem Grinder 2 (ab 1499 Euro; 12,2 Kilo) bieten ebenfalls Gravelbikes in der Preisklasse. Das Grail AL ist mit weniger als zehn Kilo aber sehr leicht und damit nur ein Kilo schwerer als die Carbon-Version. Möglich macht es vor allem der 1,9-Kilo-Alurahmen. Besonders ist auch die große Auswahl an Rahmengrößen, darunter sind Damenmodelle mit kleineren Laufrädern. Vom großen bis zum kleineren Menschen sollen alle in der Palette fündig werden - Canyon hält das Gravel-Konzept für massenkompatibel.

Das muss man wissen: In der Basisversion (Grail AL 6.0) ist eine Shimano-Tiagra-Gruppe verbaut. Gegen 300 Euro Aufpreis gibt es die 105er-Gruppe (wie beim Testrad Grail AL 7.0), das Bike speckt dadurch um 400 Gramm auf 9,4 Kilogramm ab.

Die bissfesten Scheibenbremsen gehören zur DNA der Gravelbikes. Der Hype um die Offroadrennräder wäre ohne die Discs womöglich so nicht eingetreten: Denn seit die Bremsmechanik von der Felge an die Achse gewandert ist, werden Gabeln weiter gebaut und nehmen breitere Reifen auf.

Um die Traktion zu erhöhen, hat Canyon mit dem Reifenhersteller Schwalbe einen Gravelreifen entwickelt, der auf glattem Untergrund weniger Rollwiderstand leistet, auf Abwegen aber Rutschpartien unterbinden soll. Der mit 60 Euro recht teure G-One Bite macht Kurvenfahrten auch abseits befestigter Wege tatsächlich stabiler, dank verstärkter Außenblocks im Profil.

Gravelbikes stammen von Cyclo-Cross-Rädern ab, die konsequent als Sportgeräte für Querfeldeinrennen konzipiert sind. Sie lassen den Fahrer gestreckter sitzen, die Reifen dürfen laut Weltradsportverband UCI nicht breiter als 33 Millimeter sein. Weil das Reglement oft kurze Rennen vorsieht, sind die Gänge eng abgestuft. Die Schaltungen mit einem Ritzel bieten weniger Bandbreite, hohe Geschwindigkeiten werden ohnehin nicht erreicht. Das Tretlager sitzt höher, damit das Kurbeln in Kurven möglich ist.

Andere Schwerpunkte setzen Gravelbikes wie das Grail AL: Als Alltagsrad verfügt es über einen längeren Radstand für besseren Geradeauslauf. Die Bandbreite der 2x11 105er-Rennradsschaltung am Grail AL nimmt Anstiegen den Schrecken und ermöglicht Tempo dank hoher Maximalübersetzung. Etwas kleinere Gangsprünge für längeres Bergauffahren mit wechselnden Steigungen hätten wir uns aber dennoch gewünscht.

Das ist uns aufgefallen: Das Grail AL rollt über sämtliche Wege gut, für die es laut Hersteller geeignet ist. Beim Pendeln in die Stadt auf glattem Grund entwickelt das Laufflächenprofil zwar leise Geräusche. Doch die feinen Unterschiede beim Rollwiderstand wird nur spüren, wer Rennradslicks im Alltag kennt.

Radelt man mit dem Grail AL durch den Wald, sind die Schläge von Wurzeln oder Schottersteinen zwar erträglich - Asphaltabschnitte lassen dennoch aufatmen. 2,2 bar Luftdruck in den Reifen erweisen sich als komfortabel, mit 2,5 bar nimmt der Federungseffekt spürbar ab.

Ratgeber Rad

Klar, Rennrad und Mountainbike performen auf ihren Terrains besser. Doch das Gefühl einer Kompromisslösung kommt im Sattel des Grail nicht auf. Wer nur offroad die Berge hoch will, für den ist ein Gravelbike wie das Grail nichts. Sportlichen Fahrern, die es in ihren Alltag integrieren wollen, zeigt es neue Perspektiven.

Genügt die Aluvariante? Es kommt auf den Anspruch an. Mit dem Carbonrad holt man bei sportlicher Fahrweise beim Pendeln vielleicht ein paar Minuten raus. Das Grail CF fühlt sich auch im Gelände einen Hauch luftiger an. Das Alurad vermittelt aber eine verblüffende Leichtigkeit, gemessen an der Preisklasse, in der es spielt.

Das günstigere Rad ist auch die bessere Lösung für Ausflüge, Wochenendtrips, Radreisen. "Wenn es ein Reiserad werden soll, würde ich zu Aluminium raten", sagt Lewandowski. Carbon neigt bei heftigen Stürzen zu Haarrissen, die schwer zu reparieren sind. Das Alurad bietet zudem mehr Ösen und Aufnahmen, falls Taschen, Flaschen oder Schutzbleche befestigt werden sollen.

Das werden wir nicht vergessen: Wie die Gattung Gravel wirklich neue Wege eröffnet. Und dass - wie im Falle des Grail AL - das bessere Reiserad sogar billiger sein kann.

insgesamt 235 Beiträge
arnedererste 13.08.2019
1. Gravelbike
Ob dieser Zwitter sinnvoll oder nicht ist hängt wohl hauptsächlich von dem eigenen Wohnort ab. Bei mir in der Umgebung gibt es unzählige kleine, aber asphaltierte Betriebswege, so dass ich mit meinen Rennrad sehr selten in die [...]
Ob dieser Zwitter sinnvoll oder nicht ist hängt wohl hauptsächlich von dem eigenen Wohnort ab. Bei mir in der Umgebung gibt es unzählige kleine, aber asphaltierte Betriebswege, so dass ich mit meinen Rennrad sehr selten in die Verlegenheit komme, unbefestigte Wege zu fahren. Somit habe ich auch keine Verwendung für so ein Gravelbike. Bei anderen Mitmenschen mag dies natürlich anders aussehen.
frank.stolzenberger 13.08.2019
2. Minuten?
Wie viel leichter muss ein Rahmen sein, um sagen wir auf 10 Kilometern, Minuten rauszuholen? Erstmal schnell dahingeschwätzte Bikeweisheiten... Ein schönes Rad, wie so viele von Canyon auch bezahlbar.
Wie viel leichter muss ein Rahmen sein, um sagen wir auf 10 Kilometern, Minuten rauszuholen? Erstmal schnell dahingeschwätzte Bikeweisheiten... Ein schönes Rad, wie so viele von Canyon auch bezahlbar.
großwolke 13.08.2019
3. Unterlegen
Gravelbikes machen Spaß. Ich habe mir, mehr versehentlich, mal eins gekauft, damals, als sie noch Cross-Bikes genannt worden. Aber zum Pendeln? Wenn ich im Verkehr unterwegs bin, will ich ein Rad, das verkehrssicher ist, ohne [...]
Gravelbikes machen Spaß. Ich habe mir, mehr versehentlich, mal eins gekauft, damals, als sie noch Cross-Bikes genannt worden. Aber zum Pendeln? Wenn ich im Verkehr unterwegs bin, will ich ein Rad, das verkehrssicher ist, ohne dass ich an irgendwas denken muss. Also Klingel, Lichtanlage, idealerweise mit Standlicht. Ich möchte Möglichkeiten, mein Gepäck für den Tag (Frühstück, Wechselklamotten, Schlüssel, Brieftasche etc.) unkompliziert und vor allem nicht am Körper unterzubringen. Also Gepäckträger, Fahrradkorb, oder zumindest eine Taschenhalterung. Auch ein fest montiertes Fahrradschloss sollte nicht fehlen, denn selbst wenn man sein Rad am Arbeitsort sicher einstellen kann, vielleicht will man auf dem Heimweg ja nochmal einkaufen fahren, oder sich irgendwo zum Feierabend-Bier treffen? Und bei mieser Witterung will man, selbst wenn man die Möglichkeit hat, die Klamotten zu wechseln, doch lieber Schutzbleche am Rad haben. Wer sich also mit dem Gedanken trägt, ein Bike zum Pendeln zu kaufen: holt Euch ein Trekking-Rad. In der Preisklasse zwischen 1000 und 1500 Euro kriegt man Technik, die man als Normalradler kaum jemals an ihre Grenzen bekommt, und ein Rad, auf dass man ohne Sorgen jederzeit aufsteigen kann.
nic 13.08.2019
4.
Hießen die nicht auch mal Trekkingrad? Eins steht wohl fest: gib den Dingen einen neuen, natürlich englischen Namen und für Absatz wird garantiert.
Zitat von großwolkeGravelbikes machen Spaß. Ich habe mir, mehr versehentlich, mal eins gekauft, damals, als sie noch Cross-Bikes genannt worden. Aber zum Pendeln? Wenn ich im Verkehr unterwegs bin, will ich ein Rad, das verkehrssicher ist, ohne dass ich an irgendwas denken muss. Also Klingel, Lichtanlage, idealerweise mit Standlicht. Ich möchte Möglichkeiten, mein Gepäck für den Tag (Frühstück, Wechselklamotten, Schlüssel, Brieftasche etc.) unkompliziert und vor allem nicht am Körper unterzubringen. Also Gepäckträger, Fahrradkorb, oder zumindest eine Taschenhalterung. Auch ein fest montiertes Fahrradschloss sollte nicht fehlen, denn selbst wenn man sein Rad am Arbeitsort sicher einstellen kann, vielleicht will man auf dem Heimweg ja nochmal einkaufen fahren, oder sich irgendwo zum Feierabend-Bier treffen? Und bei mieser Witterung will man, selbst wenn man die Möglichkeit hat, die Klamotten zu wechseln, doch lieber Schutzbleche am Rad haben. Wer sich also mit dem Gedanken trägt, ein Bike zum Pendeln zu kaufen: holt Euch ein Trekking-Rad. In der Preisklasse zwischen 1000 und 1500 Euro kriegt man Technik, die man als Normalradler kaum jemals an ihre Grenzen bekommt, und ein Rad, auf dass man ohne Sorgen jederzeit aufsteigen kann.
Hießen die nicht auch mal Trekkingrad? Eins steht wohl fest: gib den Dingen einen neuen, natürlich englischen Namen und für Absatz wird garantiert.
m.w.r. 13.08.2019
5. ´So gehts nicht
Mir fällt auf das auch der Spiegel des öfteren gerade im Neuheiten bei Fahrrädern vorstellt, die so wie sie hier gezeigt werden nicht für den Strassenverkehr zugelassen sind. Ebenso verfährt der Spiegel bei seinen [...]
Mir fällt auf das auch der Spiegel des öfteren gerade im Neuheiten bei Fahrrädern vorstellt, die so wie sie hier gezeigt werden nicht für den Strassenverkehr zugelassen sind. Ebenso verfährt der Spiegel bei seinen ausgelobten Aboprämien bei denen Fahrräder ohne Beleuchtungseinrichtungen angeboten werden (https://abo.spiegel.de/de/m/0/18379952-200-200-p) Ich finde das zumindest irreführend und ohne diese Hinweise unkorrekt und Bauernfängerei.

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