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Mobilität

Probleme beim Abbiegen

Stiftung Warentest hält E-Scooter von Leihanbietern für gefährlich

E-Scooter-Vermieter sind teuer und sammeln zu viele Daten - das hat die Stiftung Warentest festgestellt. Auch die Roller selbst kamen schlecht weg. Einige Tester brachen die Fahrt aus Sicherheitsgründen ab.

DPA

E-Tretroller von Sharinganbietern in Berlin: Laut Stiftung Warentest ein riskanter Ritt

Dienstag, 03.09.2019   13:32 Uhr

E-Scooter zu fahren, macht Spaß - das haben auch die Mitarbeiter der Stiftung Warentest bei einem Vergleich der vier Anbieter Circ, Lime, Tier und Voi in Berlin festgestellt. Doch unterm Strich überwiegt die Kritik an Fahrzeugen und Geschäftsmodellen der Sharingfirmen.

So halten die Tester das Fahren mit den meisten Geräten für gefährlich, besonders auf unebenem Untergrund. "Sobald man über Kanten, Kopfsteinpflaster oder Huckel fährt, ist der Fahrspaß vorbei", urteilt die Stiftung.

Auch das Abbiegen habe sich als bedrohliche Angelegenheit erwiesen. Die Roller wackelten stark, sodass der Fahrer nicht einhändig fahren könnte, um Handzeichen zu geben. Die Tester habe es teilweise derart durchgeschüttelt, "dass sie die Fahrt wegen Sicherheitsbedenken abbrachen und die Scooter auf dem Gehweg schoben".

Die besten Fahreigenschaften wiesen die Roller des Anbieters Tier auf. Der Lenker ist auch für zwei Meter große Menschen hoch genug, die zwei Handbremsen (über die auch Circ verfügt) lassen sich einfach bedienen. Lime und Voi bieten je eine Handbremse und eine Fußbremse.

Schlecht schnitten die E-Scooter auch beim Preis ab, gerade auf kurzen Strecken. Das liegt an der Grundgebühr von einem Euro, die die Anbieter pro Fahrt verlangen. Die weiteren Kosten betragen 15-25 Cent pro Minute. Unterm Strich kann es günstiger sein, ein Auto oder einen E-Motorroller zu leihen.

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Problematisch für Nutzer sind zudem die Geschäftsbedingungen mancher Anbieter. Sie verlangen, dass Fahrer die Roller auf ihre Fahrtüchtigkeit untersuchen, also etwa Bremsen und Beleuchtung kontrollieren. Dies könnten Kunden aber gar nicht fachgerecht leisten, moniert der Verbraucherzentrale Bundesverband. Circ habe bereits eine Unterlassungserklärung unterzeichnet, andere Anbieter wollen laut Stiftung Warentest nachziehen.

Aus Sicht der Tester sammeln die Apps auch zu viele Daten der Nutzer. Völlig überflüssig sei es etwa, dass Smartphones einen sogenannten Device Fingerprint an den Anbieter übermittelt. Mit diesem Datensatz lässt sich feststellen, von welchem Smartphone eine Anfrage kommt - und nicht nur von welchem Nutzer. Zudem überwachen Anbieter mit Trackern, wie sich Kunden in der App bewegen.

"Bei allen vier Anbietern im Test entrichten Nutzerinnen und Nutzer also nicht nur einen hohen Preis für die Fahrten", schlussfolgern die Tester. "Sie zahlen darüber hinaus auch noch mit ihren Daten."

Video: Wenn E-Scooter zur Stolperfalle werden

Foto: SPIEGEL ONLINE

nis

insgesamt 76 Beiträge
bullfrog63 03.09.2019
1. Fuß-, nicht Handzeichen
... und weil ein eScooter zu wackelig für Handzeichen ist, lernt man in den Einführungskursen (ich habe einen bei Lime mitgemacht), dass man nicht Hand-, sondern Fußzeichen gibt, also ein Bein seitlich abspreizt. Ob das ein [...]
... und weil ein eScooter zu wackelig für Handzeichen ist, lernt man in den Einführungskursen (ich habe einen bei Lime mitgemacht), dass man nicht Hand-, sondern Fußzeichen gibt, also ein Bein seitlich abspreizt. Ob das ein Autofahrer ernst nimmt als Richtungszeichen oder denkt, ich mache Faxen, sei dahin gestellt... Aber zur Ehrenrettung der Scooter sei gesagt: wenn ich noch nie Rad gefahren bin, würde ich auch dumm aussehen, wenn ich mir eines einfach so ausleihe. Maximal 1-2 Stunden auf einem Scooter gestanden und man kann ganz gut damit umgehen
blue_surfer77 03.09.2019
2. Der Artikel trifft es
Die Scooter sind eine feine Sache, aber die Konditionen, unter denen sie vermietet werden, sind eine Katastrophe. Nur darum fahre ich nicht mehr damit.
Die Scooter sind eine feine Sache, aber die Konditionen, unter denen sie vermietet werden, sind eine Katastrophe. Nur darum fahre ich nicht mehr damit.
Roadrunner 03.09.2019
3. Typischer Pseudotest
Klasse. Da stand das Ergebnis mal wieder vorher fest. Kann ja nicht sein, was nicht sein darf. Dass ein Scooter nicht für Kopfsteinpflaster geeignet ist, na wer hätte das gedacht... Mit der StVO hat man es bei diesem [...]
Klasse. Da stand das Ergebnis mal wieder vorher fest. Kann ja nicht sein, was nicht sein darf. Dass ein Scooter nicht für Kopfsteinpflaster geeignet ist, na wer hätte das gedacht... Mit der StVO hat man es bei diesem Verbrauchertäuschungsverein wohl auch nicht so, Handzeichen sind rechtzeitig vor dem Abbiegen zu geben und jeder Fahrer ist GRUNDSÄTZLICH dazu verpflichtet die Fahrbereitschaft seines Fahrzeugs vor Fahrtantritt zu überprüfen, egal ob Auto, Fahrrad oder eScooter. Da waren die legitimen Kritikpunkte wohl noch nicht sensationell genug, also wurden fluchs ein paar erfunden bzw. die "Test"bedingungen so verändert, dass ein schlechtes Urteil rauskommen musste. Es ist traurig wie eine so wichtige und eigentlich unabhängige Einrichtung ihre Marktstellung missbraucht um ihre eigene Agenda durchzudrücken.
sailor60 03.09.2019
4. Bevor ich immer nur meckere
habe ich gestern mal eine Probefahrt mit einem Roller der Firma Lime gemacht. Standen ja eh 4 Stück vor der Haustür, da gleich danach das Sperrgebiet anfängt in dem nicht geparkt werden darf. Also App geladen, mit Promocode [...]
habe ich gestern mal eine Probefahrt mit einem Roller der Firma Lime gemacht. Standen ja eh 4 Stück vor der Haustür, da gleich danach das Sperrgebiet anfängt in dem nicht geparkt werden darf. Also App geladen, mit Promocode für 90 Minuten angemeldet und ein wenig getestet. Ja, man kann damit fahren, allerdings bin ich mir fast sicher, dass ich mich damit früher oder später ordentlich "auf die Klappe" legen würde. Spass macht es auch nur für den Strassenverkehr vielleicht nicht das richtige. Das mag vor allem an der sehr indifferenten Fahrdynamik liegen. Wie im Artikel schon erwähnt: wehe dem der auf Kopfsteinpflaster fahren will. Ein Kreisel der nicht potteben ist macht auch keinen Spass. Nach 20 Minuten habe ich das Ding wieder abgestellt um festzustellen, das der 90 Minuten Promocode nur als 1 Euro Code berechnet worden ist. Also wurden mir für diese 20 Minuten 4€ in Rechnung gestellt. Ich bleibe beim Rennrad und fahre vermutlich nie wieder Lime.
marbh 03.09.2019
5. Abbiegen ist Sicherheitsrisiko
Man benötigt beide Hände am Lenker, ein Ausstrecken des Armes beim Abbiegen wie beim Fahrrad ist nicht möglich. Eigentlich bräuchte man dringend zumindest eine gute Blinkeranlage. Ist wahrscheinlich zu teuer!
Man benötigt beide Hände am Lenker, ein Ausstrecken des Armes beim Abbiegen wie beim Fahrrad ist nicht möglich. Eigentlich bräuchte man dringend zumindest eine gute Blinkeranlage. Ist wahrscheinlich zu teuer!

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