Schrift:
Ansicht Home:
Mobilität

SPON-Umfrage

Mehrheit lehnt E-Roller auf Fußwegen ab

Firmen wollen deutsche Städte mit elektrischen Stehrollern fluten, die Bundesregierung will dafür auch Gehwege freigeben. Einer SPIEGEL-ONLINE-Umfrage zufolge stößt das auf Widerstand in der Bevölkerung.

Getty Images/ E+

Elektrostehroller: "Echte zusätzliche Alternative zum Auto"

Donnerstag, 11.04.2019   19:33 Uhr

Andreas Scheuer ist ein Fan von Elektroscootern. "E-Roller haben ein enormes Zukunftspotenzial", sagt der Bundesverkehrsminister. "Zusammen mit dem ÖPNV sind sie eine echte zusätzliche Alternative zum Auto." Mit den Flitzern, so ist der CSU-Politiker überzeugt, "ebnen wir den Weg für die Mobilität der Zukunft".

Dass Scheuer zumindest für langsamere Roller auch den Gehweg freigeben will, sieht die Mehrheit der Bevölkerung jedoch kritisch. Etwa 58 Prozent lehnen das Vorhaben ab, wie eine repräsentative Umfrage des Online-Meinungsforschungsinstituts Civey für SPIEGEL ONLINE ergeben hat. Nur gut 33 Prozent zeigen sich dem Vorhaben gegenüber aufgeschlossen. Der Rest gibt sich unentschieden.

In der vergangenen Woche hatte die Bundesregierung eine Verordnung beschlossen, nach der Roller, die bis 20 km/h schaffen, auf Radweg und Straße fahren sollen. Scooter mit einer Höchstgeschwindigkeit von 12 km/h dürfen demnach auf dem Fußweg unterwegs sein.

Dazu gab es bereits Kritik aus den Bundesländern, die im Bundesrat Mitte Mai über die Rollerverordnung abstimmen. Die Gefährte "gehören nicht auf Gehwege", sagte der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Aus Bremen kamen ebenfalls Widerworte: "Konflikte mit Fußgängern sind auch angesichts der Geräuscharmut der E-Roller programmiert", erklärte der Bremer Verkehrssenator Joachim Lohne (Grüne). "Die Gehwege sind die rote Linie." Unfallforscher äußerten sich ebenfalls skeptisch.

Die Ergebnisse der SPON-Umfrage zeigen aber auch: Es gibt offenbar keine Lösung für das Problem, die den überwiegenden Teil der Bevölkerung zufriedenstellt. Am meisten Zustimmung bekommt noch der Vorschlag, dass sowohl langsame als auch schnelle Elektrostehroller "nur auf Radwegen" fahren dürfen (jeweils etwa 35 Prozent).

Allerdings gibt es an vielen Straßen gar keinen Radweg. Bei einer solchen Regelung wäre es daher praktisch unmöglich, die Flitzer zu benutzen. Das wiederum wollen die meisten wohl auch nicht - denn eine überwältigende Mehrheit der Befragten steht den Rollern aufgeschlossen gegenüber: Nur etwa zehn Prozent verlangen, dass die Roller "gar nicht erlaubt" werden.

Mehr zum Thema Elektrostehroller

Weil auch die meisten Politiker die Roller legalisieren wollen, werden sich die Länder im Bundesrat vermutlich bei Scheuers Verordnung nicht querstellen. Denn sollte die Verordnung in wesentlichen Punkten geändert werden, muss Deutschland sie erneut bei der EU-Kommission in Brüssel prüfen lassen. Der Zeitplan, die Roller noch vor der Sommerpause in die Städte zu lassen, wäre kaum noch zu halten.

Es habe "leichte Differenzen" darüber gegeben, wo die E-Scooter fahren sollen, sagte die saarländische Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD) nach der Verkehrsministerkonferenz Anfang April in Saarbrücken. Es gebe aber Einigkeit darüber, sich nicht hinter Bürokratie zu "verschanzen" - entscheidend sei, den Weg frei zu machen.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.

Wer steckt hinter Civey-Umfragen?

An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

nis

insgesamt 158 Beiträge
petra,köln 11.04.2019
1. E-Roller auf Fußwegen???
Also mir fällt wirklich nichts mehr ein!!!!! Es reicht doch schon, wenn erwachsene Radfahrer auf Fußwegen fahren und Fußgänger vom Bürgersteig klingeln. was soll jetzt bitte ein E-Roller auf Bürgersteigen??? Die Menschheit [...]
Also mir fällt wirklich nichts mehr ein!!!!! Es reicht doch schon, wenn erwachsene Radfahrer auf Fußwegen fahren und Fußgänger vom Bürgersteig klingeln. was soll jetzt bitte ein E-Roller auf Bürgersteigen??? Die Menschheit nähert sich tatsächlich in rasenden Schritten dem Hirntod! Und wohin bitte soll dann ein gehbehinderter Mensch mit Rollator auf dem Bürgersteig ausweichen? Also ich glaube tatsächlich, es wird Zeit, dass es mal einen Schlag tut, den jeeder hört!!!
timtom2222 11.04.2019
2.
Mit 12 km/h ist ja witzig und die Radfahrer die das dreifache drauf haben stören keinen?
Mit 12 km/h ist ja witzig und die Radfahrer die das dreifache drauf haben stören keinen?
hileute 11.04.2019
3. Ich seh das auch kritisch
ich kenn die Dinger nur aus Singapur, die haben locker 30sachen drauf, hier werden ja glaub ich nur abgeschwächte Varianten zugelassen, die dann eher einem Kind auf den Rad Roller gleichen, die auch auf dem Gehweg fahren. falls [...]
ich kenn die Dinger nur aus Singapur, die haben locker 30sachen drauf, hier werden ja glaub ich nur abgeschwächte Varianten zugelassen, die dann eher einem Kind auf den Rad Roller gleichen, die auch auf dem Gehweg fahren. falls aber die locker 30kmh Variante kommt kann die natürlich unmöglich auf dem fußweg fahren
totalausfall 11.04.2019
4. Bitte nicht!
Auf Radwegen ja, aber nicht im "Mischverkehr" auf dem Gehweg. Irgendwo will man sich ja Fußgänger ja auch noch halbwegs sicher fühlen. Mit den Dingern auf dem Gehweg muss man sich ja praktisch einen [...]
Auf Radwegen ja, aber nicht im "Mischverkehr" auf dem Gehweg. Irgendwo will man sich ja Fußgänger ja auch noch halbwegs sicher fühlen. Mit den Dingern auf dem Gehweg muss man sich ja praktisch einen Rückspiegel und nen Blinker um den Kopf schnallen als Fußgänger, damit einem niemand in die Haxen fährt! Dass der Politik das ganz lieb wäre, kann ich mir vorstellen. Müsste man keine Radwege und Verkehrsräume schaffen für, puh Glück gehabt!
Moonrox 11.04.2019
5. Was Scheuer möchte
wird Gesetz! Hoffentlich wird dieser Selbstdarsteller bald geerdet. Unglaublich, wie man Inkompetenz und Lobbyismus so zur Schau stellen kann, ohne dafür belangt zu werden.
wird Gesetz! Hoffentlich wird dieser Selbstdarsteller bald geerdet. Unglaublich, wie man Inkompetenz und Lobbyismus so zur Schau stellen kann, ohne dafür belangt zu werden.

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP